Zahl der Handymasten in Castrop-Rauxel nimmt zu

Ein typisches Bild des Mobilfunkzeitalters: Einige Hausdächer in Castrop-Rauxel sind gepflastert mit Mobilfunkmasten. Die Zahl der Antennen an den 68 Standorten in der Europastadt ist gestiegen. Anwohner sind besorgt und fürchten, dass die Strahlung ihrer Gesundheit schaden könnte. Sind diese Sorgen berechtigt?

Castrop-rauxel.. Niemand muss sich Sorgen machen, sagt Thorsten Werth-von Kampen vom Umweltressort beim EUV Stadtbetrieb: "Die zulässigen Grenzwerte für die Strahlung sind im Bundesimmissionsschutzgesetz festgelegt. Keine Anlage darf errichtet werden, wenn die Werte nicht eingehalten werden."

Trotz der gesetzlich festgelegten Grenzwerte machen viele Anwohner sich Sorgen, weil sie den Eindruck haben, dass immer mehr "aufgerüstet" wird, immer mehr Anlagen dazu kommen. Tatsächlich werden in Castrop-Rauxel kaum noch neue Standorte gebaut, sondern vor allem alte umgerüstet, sagt Susanne Brannhoff vom EUV auf Anfrage unserer Redaktion.

Nötig geworden ist das durch den Siegeszug des Smartphones und die dadurch gestiegenen Datenmengen. Die Masten werden von der alten GSM-Technik (Global System for Mobile Communications) auf UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) oder die neue LTE-Technik (Long Term Evolution) umgerüstet.

68 Standorte in Castrop-Rauxel

68 Standorte gibt es zurzeit auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet, an manchen Standorten stehen auch tatsächlich mehr Masten als früher. "Die neuen Systeme haben allerdings eine viel geringere Sendeleistung als die alten und geben trotz ihrer größeren Zahl zum Teil nur ein Zehntel der Strahlung ab wie die alten Masten", sagt Werth-von Kampen.

Mobilfunkanbieter dürfen nicht einfach Masten errichten, wo sie wollen. Eine Baugenehmigung brauchen sie zwar nicht, weil die Masten niedriger als zehn Meter sind, aber sie müssen eine Standortbescheinigung bei der Bundesnetzagentur einreichen. "In dieser werden die Sicherheitsabstände von Wohn- und Aufenthaltsbereichen unter Verwendung der Grenzwerte festgelegt. Für die immissionsschutzrechtliche Überwachung sind die Bezirksregierungen zuständig", sagt Brannhoff. Und auch die Stadt hat ein Wörtchen mitzureden.

Stadt kann Einwände anmelden

Schon seit den 1990er Jahren gibt es eine Rahmenvereinbarung mit den Anbietern, die Kommune erhält eine Vorankündigung, wenn eine Veränderung an einem Standort geplant ist oder ein neuer Standort erschlossen werden soll. Die Kommune kann dann gegebenenfalls Einwände erheben. "Das ist eine Selbstverpflichtung der Mobilfunkanbieter, die auch ernst genommen wird", erklärt Werth-von Kampen.

Wo genau in Castrop-Rauxel Mobilfunkmasten stehen, kann man auf derWebseiteder Bundesnetzagentur sehen - dort gibt es Karten mit allen Standorten.

Grenzwerte
Als erstes EU-Land hat Deutschland Grenzwerte für die elektromagnetischen Felder bei gewerblichen Mobilfunkanlagen festgelegt. Sie sind in der 26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz verankert worden. Die 26. BImSchV ist 1997 in Kraft getreten, 2013 wurde sie erneuert und auf Amateurfunk und Funkanlagen der Bundespolizei ausgeweitet. Die Festlegung der Grenzwerte beruht auf einer Einschätzung der Strahlenschutzkommission der Bundesregierung und nationalen und internationalen unabhängigen Gremien. Die Bundesnetzagentur prüft, inwieweit Grenzwerte eingehalten werden - sowohl vor der Inbetriebnahme als auch unangekündigt während des laufenden Betriebs.