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WLT bringt Büchners Woyzeck auf die Bühne

22.09.2010 | 17:51 Uhr
WLT bringt Büchners Woyzeck auf die Bühne

Castrop-Rauxel.Das Westfälische Landestheater probt derzeit den „Woyzeck“ von Georg Büchner – Premiere ist am 16. Oktober.

Thilo Voggenreiter hat’s mit „brüchigen“ Figuren. Schon bei seinem WLT-Einstand, mit seiner Inszenierung des „Geizigen“, bewies der Regisseur seine Kunst, den Zuschauer hintergründig und facettenreich zu unterhalten. Und jetzt bringt er den „Woyzeck“ auf die Bühne, diese fragmentarische Geschichte von Büchner voller Eifersucht, Wahnsinn, Demütigung, Leidenschaft und Mord. Man darf also gespannt sein. Am 16. Oktober ist Premiere in der Stadthalle Castrop-Rauxel.

„Da ist jemand aus der Welt gefallen und lebt in einer Grunddepression, die nicht mehr gesunden will“, sagt Voggenreiter. So habe er für sich die Vorlagen zum „Woyzeck“ gedeutet. Das Innenleben des Zweiflers will er nach außen kehren, die Psychologie klar und scharf auf den Punkt bringen, „Bruchstellen herauskitzeln“, sagt Voggenreiter dazu. Und auch dies: „Es wird ein stilles Stück, das eine große Aufmerksamkeit braucht.“

„Laut“ hingegen soll das Bühnenbild sein (von Anja Hertkorn ersonnen), als Kon-trast dazu. Mit viel Tingeltangel-Milieu, mit viel prallem Leben. Auf einer angeschrägten, fast kreisrunden Platte, die von einem Lametta-Vorhang im Hintergrund begrenzt wird, pendelt das Drama hin und her zwischen denen da „oben“ und denen da „unten“ – reduziert, knapp, scherenschnittartig.

Den „Woyzeck“ spielen: Roni Merza, Julia Gutjahr, Guido Thurk, Burghard Braun, Bülent Özdil, Kristoffer Keudel, Lilija Klee und Vesna Buljevic.

Eines der meistgespielten und einflussreichsten Dramen

Zum Inhalt: Das Leben besteht aus Bruchstücken. Marie, das Kind, der Hauptmann, der Arzt, der Tambourmajor, und immer wieder Marie und das Kind! Er rennt seiner Not hinterher, er versucht zu verstehen, wie das Leben funktioniert. Doch das Leben hat für ihn keinen Platz. Er ist am Rand von allem, er befragt sein Dasein, er erfüllt jede Aufgabe, aber seine Aufrichtigkeit passt nicht, sein Bemühen mündet in der Demütigung. Er fällt. Er ist Woyzeck. Die Figur Woyzeck ist der Prototyp des erniedrigten Individuums in einer von Willkür geprägten Gesellschaft, in der jeder ohne Rücksicht auf seine Umgebung seinen Weg verfolgt. Je stärker Woyzeck in seiner Existenz in die Enge getrieben wird, je größer seine Not wird, umso panischer und extremer werden seine Reaktionen, bis er keinen anderen Ausweg mehr sieht als Mord.

Georg Büchners „Woyzeck“ ist eines der meistgespielten und einflussreichsten Dramen der Theaterliteratur. Es ist eines der seltenen Stücke, bei denen man den Eindruck hat, dass es, je weiter die Geschichte voranschreitet, immer aktueller wird. Gerade die Tatsache, dass Büchner durch seinen frühen Tod das Stück in mehreren Entwurfsfassungen als Fragment hinterlassen musste und es für die Szenen keine vorgegebene Reihenfolge gibt, macht es zu einem Spiegel sowohl des menschlichen Seins wie auch der Gesellschaft.

Kartenreservierung unter 02305/978020.

DerWesten

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