"Wir sind westfälische Dickköppe"

Sie feiert am Donnerstag ihren 104. Geburtstag und ist damit Castrop-Rauxels älteste Bürgerin: Maria Keller, die erst kürzlich aus ihrer eigenen Wohnung in eine Pflegeeinrichtung gezogen ist, dankt dem lieben Herrgott für ihre Gesundheit und beweist trockenen Humor.

Castrop-rauxel.. Auch am Tag nach dem Goldenen Priesterjubiläum ihres Sohnes Norbert stand Maria Keller am Mittwoch immer noch ganz unter dem Eindruck der Messfeier und des Empfangs in Frohlinde.

"Ich war ganz hin und weg", machte die Seniorin, die am Donnerstag ihren 104. Geburtstag begeht, im Gespräch mit unserer Redaktion keinen Hehl aus ihren Gefühlen. "Es ist eine Gnade, dass der Herrgott es immer noch gut mit mir meint", fügte sie hinzu. Während Tochter Mechthild und ihre Familie skeptisch gewesen seien, dass die betagte Mutter die Jubilarfeierlichkeiten durchstehen würde, war Sohn Norbert sicher, dass sie kommen würde, wie er gestern versicherte. "Wir sind beide westfälische Dickköppe", bestätigte die Altersjubilarin die Einschätzung ihres Sohnes.

Castrop seit 1911 ihre Heimat

Erst Anfang Dezember hatte die mittlerweile älteste Einwohnerin unserer Stadt wegen ihres schwächer werdenden Augenlichtes ihren eigenen Haushalt in Rauxel schweren Herzens aufgegeben müssen und wohnt seither in der Einrichtung an der Dortmunder Straße. Rauxel, wo die Eltern einen Milchhandel betrieben, war seit ihrer Geburt am 8. Januar 1911 ihre Heimat gewesen. Ihre seit jeher starke Persönlichkeit hat die alte Dame allerdings nicht mit abgelegt, lässt sich bis heute den Mund nicht verbieten, wie sie versichert.

Geprägt zu früher Selbstständigkeit wurde Maria Keller, geborene Herte, sowohl durch die Unfalltode ihres Vaters im Ersten Weltkrieg (1914) und ihres Mannes Hans Keller im Zweiten Weltkrieg (1944), die allerdings beide nichts mit den Kriegsgeschehnissen zu tun hatten. Trotz ihrer drei kleinen Kinder - das jüngste war beim Tod des Mannes noch nicht einmal geboren - habe sie nie in Erwägung gezogen, ein weiteres Mal zu heiraten. Inzwischen, so merkt sie trocken an, käme ja auch kaum mehr ein Mann infrage.

Neben den zwei noch lebenden Kindern Norbert und Mechthild sowie Schwiegersohn Hubert gratulieren drei Enkelkinder.