Wie ein Ickerner seiner Krankheit davonläuft

Wenn Sebastian Koch aus Castrop-Rauxel einen Halbmarathon läuft oder mit dem Rennrad 70 Kilometer und mehr über den Asphalt rauscht, ist sein Schutzengel stets an seiner Seite. Marco Henrichs heißt dieser Schutzengel. Er ist erfolgreicher Triathlet und unterstützt Sebastian Koch. Denn Koch ist unheilbar krank.

Ickern.. "Er ist auf mich aufmerksam geworden, hat sich vor rund zwei Jahren bei mir gemeldet", erzählt der 29-jährige Sebastian Koch. Dessen großer Traum es ist, mal einen kompletten Marathon zu laufen. Dies ist ein Ziel, von dem vor allem seine Schwester immer geträumt hat. Doch die Krankheit Mukoviszidose war stärker. Die Schwester starb mit 22, weil ihr Körper die transplantierte Lunge abstieß.

Auch Sebastian Koch leidet an dieser tückischen Krankheit, für die es noch keine Heilung gibt. Doch er lässt sich nicht unterkriegen. Schnürt die Laufschuhe für seine Schwester, für sich selbst und für alle, die ebenfalls an dieser Krankheit leiden. Die das Atmen so schwer macht, weil zäher Schleim die Lunge und andere Organe verklebt.

Leistungsvermögen in den vergangenen vier Jahren deutlich gesteigert

Kaum zu glauben, dass der schlanke Mann dennoch mehrfach die Woche nach Feierabend zwischen zehn und 15 Kilometer läuft, dazu Rad fährt und regelmäßig schwimmt. "Der Anfang vor rund vier Jahren war schon schwer", erinnert er sich. "Da war ich nach 300 Metern platt." Seither hat sich nicht nur sein Laufpensum, sondern auch sein Lungenvolumen ständig vergrößert. "Anfangs hatte ich ein Lungenvolumen von 40 Prozent, heute sind es zwischen 80 und 90 Prozent", berichtet Koch.

Als die ersten Halbmarathons dann keine Utopie, sondern Wirklichkeit wurden, kam Marco Henrichs auf den Plan - Feuerwehrmann aus Bergisch-Gladbach, der seit Jahren Titel und Trophäen als Triathlet einheimst. Der Leistungssportler wollte mehr als Medaillen, wollte Gutes tun - und fungiert seither als Mukoviszidose-Schutzengel.

Gemeinsames Engagement für Mukoviszidose-Patienten

Bei Charityläufen weicht er seinem Schützling Sebastian Koch nicht von der Seite. "Er passt auf mich auf, kontrolliert meinen Puls, hat Medizin dabei", erklärt Sebastian Koch. Auf der Sportkleidung der Beiden sind die Logos ihrer Sponsoren zu sehen. Förderer, deren Engagement den Projekten zugute kommt, für die sich das Sportler-Team ins Zeug legt.

Drei Einrichtungen werden vom Team Koch und Henrichs unterstützt: Die Nachsorgeklinik Tannheim im Schwarzwald, das Clemens-Hospital in Münster und das Mukoviszidose-Selbsthilfezentrum Sachsen-Anhalt, das die Forschung vorantreiben will. "Wir wollen bundesweite Aufmerksamkeit", erläutert Sebastian Koch.

Aus Trainingspartnern wurden enge Freunde

Durch diese Zusammenarbeit ist zwischen Koch und Henrichs längst eine gute Freundschaft entstanden, was das Vorhaben, Öffentlichkeitsarbeit zu machen, noch beflügelt. Beide verstehen sich als Botschafter. Marco Henrichs sagt: "Ich will gesunden Menschen vermitteln, wie wichtig es ist, sich für andere einzusetzen." Sebastian Kochs Botschaft lautet: "Ich möchte Menschen mit Mukoviszidose, aber auch anderen chronisch Kranken Mut machen und ihnen vermitteln, wie wichtig Sport für sie ist." Und wie überzeugt man besser, als es selbst vorzuleben?

Am 27. September soll der große Traum vom Marathon, der seiner Schwester verwehrt geblieben ist, realisiert werden. In Berlin. Dann wollen Koch und Henrichs die 42,195 Kilometer knacken. Es ist aber nicht das einzige Highlight des Jahres. Es ist ein Jahr, das für Sebastian Koch viel Schönes bereithält. Ist er doch erst zu Jahresbeginn mit seiner Freundin in das eigene Haus in Ickern gezogen. Dann sollen auch noch die Hochzeitsglocken läuten. Ein runder Geburtstag steht auch noch an. Sebastian wird 30 und fühlt sich fitter denn je - trotz Krankheit.

Mukoviszidose ist eine bisher unheilbare Stoffwechselerkrankung, bei der nur die Symptome gelindert werden können. Ursache ist ein genetischer Defekt. In Deutschland haben rund 8000 Kinder und junge Erwachsene Mukoviszidose, zäher Schleim verklebt vor allem Lunge und Bauchspeichedrüse - mit der Folge, dass diese Organe nach und nach ihre Funktionstüchtigkeit verlieren. Ist die Lunge eines Betroffenen durch häufige Entzündungen sehr stark angegriffen, bleibt bisher nur die Lungentransplantation.