Welle der Solidarität für die NPW

Recklinghausen..  Die Zahl beeindruckte auch den Bürgermeister. Fast 5000 Unterschriften für den Erhalt der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) überreichte am Samstag der Städtische Chor im Petrushaus an den Verwaltungschef. „Zunächst hatten wir uns 1000 Unterschriften als Ziel vorgenommen. Genau sind es jetzt 4821 geworden, und die 5000 machen wir auch noch voll“, versprach Werner Münchenberg, Pressesprecher des Chores.

Die Unterschriften sind in nur acht Wochen zusammengekommen. Gesammelt haben die Chormitglieder nicht nur bei den Sinfoniekonzerten der NPW, sondern auch auf dem Wochenmarkt oder dem Kulturvolksfest am 1. Mai. „Große Überzeugungsarbeit mussten wir nicht leisten. Die meisten Bürger haben sofort unterschrieben, wenn wir deutlich gemacht haben, was in der Stadt wegbrechen würde, müssten wir tatsächlich auf die NPW verzichten“, berichtete die Chorvorsitzende Heide Boyé.

Chancen auf sichere Perspektive

Nicht zuletzt wäre es auch der Städtische Chor selbst, der unter dem Aus der NPW zu leiden hätte. Die Musiker des Orchesters begleiten den Chor regelmäßig bei dessen Aufführungen. „Aber auch andere Chöre, viele Kinder und Jugendliche profitieren vom Landesorchester“, betonte Münchenberg.

Die Chormitglieder, die erwartet hatten, dass der Bürgermeister eine Bestandsgarantie für die NPW geben würde, musste Tesche enttäuschen. „Ich könnte es mir leicht machen und ihnen sagen, alles wird gut. Doch so weit sind wir noch nicht.“ Tesche sieht jedoch gute Chancen, dem Orchester zumindest für die „nächsten fünf bis sechs Jahre“ eine sichere Perspektive zu geben. „Dazu müssen aber alle Beteiligten mitziehen.“

Derzeit würde in den nächsten Jahren der Zuschussbedarf allein bei der Stadt Recklinghausen von 1,1 auf 1,6 Mio. Euro steigen. „Das können wir so nicht schultern“, verwies der Bürgermeister auf den Haushaltssanierungsplan. „Wir haben an allen Stellen, außer bei den Ruhrfestspielen und der NPW, unsere Zuschüsse senken müssen. Wenn wir den erhöhten Zuschuss von 500 000 Euro nicht nennenswert reduzieren können, kann ich dem Rat nicht guten Gewissens empfehlen, weiterzumachen.“ Tesche hat mit Gelsenkirchens OB Frank Baranowski und Landrat Michael Makiolla (Kreis Unna) ein Konzept erarbeitet, das er bei den Verhandlungen mit dem Deutschen Bühnenverein (Arbeitgeber) und der Deutschen Orchestervereinigung (Arbeitnehmer) präsentieren wird. Diese sind nun für den 2. Juni terminiert worden.

„Die Träger müssen ihre Zuschüsse erhöhen, aber auch das Land und der Landschaftsverband“, sagte Tesche. Und man werde auch den Musikern einen Beitrag abverlangen müssen. Diese sollen auf ihr 13. Monatsgehalt verzichten, was das Budget des Orchesters jährlich um 475 000 Euro entlasten würde. Das sei für die Betroffenen natürlich hart, doch wenn es um den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes gehe, hätten auch andere Berufsgruppen Opfer bringen müssen, betonte Tesche. Ein entsprechendes Signal hatte bereits auch die Politik eingefordert.

Ausdrücklich forderte der Bürgermeister auch das Land auf, sich zu bewegen. „Die NPW hat ihren Sitz zwar in unserer Stadt, ist aber ein Landesorchester. Eine Lösung gibt es nur, wenn alle Beteiligten sich einbringen.“ Gleichzeitig ließ Tesche auch durchblicken, dass man notfalls den Fusionsvertrag kündigen müsse, um den Druck zu erhöhen. Die fast 5000 Unterstützungsunterschriften seien sicher hilfreich, der Politik deutlich zu machen, dass sich viele Recklinghäuser für das Orchester einsetzen.