Das aktuelle Wetter Castrop-Rauxel 12°C
Interview

Wege aus der November-Depression

29.11.2009 | 09:14 Uhr
Wege aus der November-Depression

Castrop-Rauxel. Der Tag beginnt mit Grau, mit Nieselregen und Müdigkeit. Was wir gegen die sogenannte „November-Depression” tun können? Redakteurin Susanne Schild fragte Professor Ludwig Teusch, Chef-Psychologe am Evangelischen Krankenhaus in Castrop-Rauxel.

Schlägt Ihnen das Wetter aufs Gemüt?

Teusch: Ich finde es natürlich auch ermüdend, morgens mit dem Auto im Nieselregen durch das halbe Ruhrgebiet zu fahren. Da würde ich manchmal lieber im Bett liegen bleiben.

Ist das die berühmte November-Depression?

Medizinisch ist der Begriff falsch, aber man sagt das umgangssprachlich so. Viele Menschen neigen in der dunklen Jahreszeit zu einem saisonalen Stimmungstief. Schauen Sie sich doch den massiven Alkoholmissbrauch in den nordischen Ländern an, dort, wo es kaum Tageslicht gibt.

Was hilft?

Machen Sie sich auf die Suche nach Dingen, die wohltuend sind. Genießen Sie die stillen, ruhigen Momente, akzeptieren Sie, das es jetzt ruhiger zugeht. Es kann doch auch schön sein, wenn es draußen regnet, drinnen eine Kerze anzuzünden und ein Buch zu lesen. Ansonsten gilt: Treiben Sie Sport, gehen Sie tanzen, vor allem: Gehen Sie raus! Es kommen schließlich auch wundervolle sonnige Wintertage.

Weil das Tageslicht hilft?

Das Evangelische Krankenhaus in Castrop-Rauxel hat einen Lichtraum, in dem Depressionen abgebaut werden sollen. Die Schwestern Christa, Uschi und Kathrin (v.l.) saßen schon einmal Probe. Foto: Joseph-W. Reutter / WAZ FotoPool

Früher stand in unserer Klinik täglich ein Waldspaziergang auf dem Programm. Seit zehn Jahren ist eine Lichtwand Bestandteil unsere Therapie. Wer 20 Minuten vor diesem hellen Kunstlichtfenster sitzt, verspürt einen psychisch leicht aufhellenden Effekt.

Wann beginnt denn eine „echte Depression”. Anders gefragt: Wann ist der Zeitpunkt, wenn ich ärztliche Hilfe bräuchte?

Wenn die alltäglichen Dinge nicht mehr geleistet werden können. Also wenn man nicht mehr aufsteht, sein Bett macht, frühstückt, keinen Appetit mehr hat. Wenn man das Leben nicht mehr als lebenswert empfindet. Viele leiden auch unter Schlafstörungen: sie können schlecht einschlafen, haben einen „zerhackten Schlaf”, weil sie oft aufwachen. Morgens haben sie dann das Gefühl, sie hätten gar nicht geschlafen. Das hat eine ganz andere Dimension als unser Winter-Stimmungstief.

Aber es gibt fließende Übergänge: Manche Menschen sind so nachhaltig bedrückt, dass das den Wert einer Krankheit erreicht. Das Wetter ist da nur ein Aspekt, die jeweiligen Lebensumstände oder Beziehungskrisen spielen eine weit größere Rolle.

Und wann endet dann genau die so genannte Winterdepression?

Sie zieht sich meistens bis Ende Februar. Für empfindsame Menschen kann diese Zeit, gerade in den letzten Wochen, wirklich äußerst quälend lang werden.

Susanne Schild

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2172826/create

Aktuelle Fotos und Videos
.Wurst, Käse und Blumen
Bildgalerie
Viel Geschrei um ...
KiJuPa gegen Rat
Bildgalerie
Fussball
Jüngste halten sich fit
Bildgalerie
Kinderturnen
Alternatives Sportfest
Bildgalerie
Waldschule
Aus dem Ressort
Auf Schwerin wird Stricken zur Leidenschaft
Generationentreffpunkt
Ganz so generationenübergreifend wie erhofft ist es dann doch nicht ausgefallen, das erste Treffen der Handarbeitsgruppe im Generationentreffpunkt. „Schade, ich dachte, es kommen ein paar junge Leute vorbei, denen ich das Stricken beibringen kann“, meint Teilnehmerin Silvia Weber.
Auf der Suche nach den Wildkräutern
Volkshochschule
Welche Kräuter oder Kräuterteile kann man wie und wofür nutzen? Die VHS lädt interessierte Familien am Samstag, 2. Juni, um 11 Uhr ein, sich gemeinsam mit Förster Olav Möllemann auf die Suche nach Wildkräutern zu begeben.