"Was wissen die Kinder von Sexualität?"
20.06.2007 | 09:03 Uhr 2007-06-20T09:03:25+0200Viele offene Fragen: Geschlechtsverkehr mit 14-Jähriger von Schülern ins Internet gestellt
Der Fall schockiert. Ein 14-jähriges Mädchen lässt sich beim Geschlechtsverkehr mit einem Handy filmen. Anschließend wird die Datei im Internet bei ICQ eingestellt und an MitschülerInnen verschickt. Passiert ist das Ganze nicht im fernen Amerika, sondern mitten in Castrop-Rauxel, am vergangenen Donnerstag.
Polizeipressesprecher Andreas Weber möchte die Geschichte nicht kommentieren. "Wir ermitteln noch", ist seine knappe Antwort. Nur so viel lässt er sich noch entlocken: "Das ist ein Einzelfall, kein grundsätzliches Problem". Allerdings möchte er nicht darüber spekulieren, wie groß die Grauzone in dem Bereich sein könnte.
Auch beim Jugendamt ist man überrascht. "Das ist der erste Fall in dieser Form", sagt Jugendamtsleiter Volker Hilgenstock. Er, bzw. sein Amt, sei aber weder von der Schule noch von der Polizei über den Fall offiziell informiert worden. Hilgenstock kenne Videoaufzeichnungen nur aus dem Bereich gewalttätiger Jugendlicher. "Da wird einer verprügelt, der Kumpel nimmt es auf und stellt es später ins Netz", so Hilgenstock. Diesem Phänomen sei man mit gezielten und regelmäßigen Präventionsprogrammen begegnet.
Ganz so überraschend kann der Fall allerdings nicht sein: Bereits seit 2004 gibt es in den städtischen Bädern ein Fotografierverbot. "Wir haben damals sogar die Kabinen abgedeckt, dass dort nicht von oben fotografiert werden kann", berichtet Winfried Hetzel, Leiter des Sportamtes.
Einer der beiden beteiligten Jungen besucht die Franz-Hillebrand-Hauptschule. "Seit einigen Tagen weiß ich davon durch einen Anruf der Janusz-Korczak-Gesamtschule", sagt Schulleiter Peter Braukmann. Zum konkreten Fall möchte er sich eigentlich nicht äußern: "Einzelheiten in der Öffentlichkeit zu diskutieren, schadet mehr, als dass es nutzt." Aber klar sei, dass "sich Schulen grundlegende Gedanken machen müssen", wie sie mit den neuen Medien pädagogisch umgingen.
Die Kinder jedenfalls stünden jetzt "am Pranger": "Aber was wissen sie schon von Sexualität?" Viele empörte Mitschüler hätten das ihnen zugeschickte Video sofort gelöscht. "Das zeigt", findet Peter Braukmann, "dass nicht die Jugend an sich verdorben ist. Die Reflexe funktionieren im Prinzip schon."
Die Klassenlehrer haben den Fall im Unterricht besprochen und den Schülern deutlich gemacht, dass sie sich strafbar machten: "Denn das wissen sie nicht."
Nach den Ferien werde die Schule über die Konsequenzen für den strafmündigen Jugendlichen beraten. Eine Konferenz ist anberaumt.
Trotzdem bereitet eine Erkenntnis Unbehagen. Peter Braukmann: "Da haben sich Parallelwelten entwickelt.""Da haben sich Parallelwelten entwickelt"
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