Vorgarten-Streit: "Grundstücke sind völlig wertlos"

Neue Entwicklungen im Becklemer Vorgarten-Streit: Für die Anwohner sind die Vorgarten-Grundstücke an der Becklemer Straße "völlig wertlos", die Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung will sie ihnen aber für 50 Euro pro Quadratmeter verkaufen. Wilhelm Pathe, einer der betroffenen Anwohner, setzt sich jetzt energisch zu Wehr.

Castrop-rauxel.. "Die Stadt kann Bürger nicht zwingen, Grundstücke zu kaufen, an denen die Bürger kein Interesse haben - und die im übrigen auch völlig wertlos sind", erklärte Pathe gegenüber dieser Redaktion. Deutlich wendet er sich gegen Bürgermeister Johannes Beisenherz, der die bisherige Berichterstattung als "eindimensional und befangen" bezeichnete.

"Eindimensional ist vielmehr die Sicht der Verwaltung, die möglicherweise sogar rechtsmissbräuchlich auf Ordnungs- und Verwaltungsrecht zurückgreift und so versucht, Vorstellungen zu verwirklichen, die zivilrechtlich nicht durchsetzbar sind", so Pathe, der von Beruf Rechtsanwalt ist.

Beisenherz: Anwohnern fehltUnrechtsbewusstsein

Während Bürgermeister Beisenherz in der vorigen Woche sagte, die städtischen Grundstücke würden von den Anwohnern wie selbstverständlich "zur Vorgarten-Erweiterung genutzt" und es fehle bei ihnen ein Unrechtsbewusstsein, meint Wilhelm Pathe: "Die im Eigentum der Stadt Castrop-Rauxel stehenden Flächen werden nicht genutzt, sondern seit über 80 beziehungsweise über 50 Jahren kostenlos von den Anwohnern Halberstadt und Pathe gepflegt."

Weiter sagte Pathe: "Wobei diese (die Anwohner Halberstadt und Pathe, Anm. d. Red.) ebenso die Gehwege gereinigt und im Winter verkehrssicher gehalten haben, obwohl nach der einschlägigen Satzung der Stadt Castrop-Rauxel die Verantwortlichkeit für die Reinigung und den Winterdienst sowohl den Vorlieger - Stadt Castrop-Rauxel - als auch die Hinterlieger Halberstadt und Pathe trifft."

Insofern, so Pathe, profitiere die Stadt seit Jahrzehnten von den kostenlosen Pflegearbeiten. Für Beisenherz ist dies kein Argument: "Wir, die Stadt, würden unser städtisches Grundstück auch selber pflegen."

Pathe: Forderungen seit vier Jahren

Widersprüchliche Aussagen gibt es zu der Frage, seit wann die Stadt versucht, ihre Grundstücke an die Hausbesitzer zu verkaufen. Wilhelm Pathe behauptet: "Es ist unzutreffend, dass Forderungen der Stadt seit mehr als zehn Jahren gestellt werden. Richtig ist, dass die Grundstücke seit circa vier Jahren gelegentlich zum Kauf angeboten werden. Dieses wurde regelmäßig abgelehnt."

Ursache des Vorgartenstreits ist, dass die Grundstücke früher in öffentlicher Hand gehalten wurden, um die Straße verbreitern zu können. Dies ist nie geschehen. Jetzt will die Stadt Geld für ihr Eigentum.