Vom Zehnkampf zum Filmset

Oer-Erkenschwick..  Sportlich ist der Mann, das hat er schon in jungen Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt und einen Weltrekord aufgestellt. Mit 41 Jahren ist nun die Schauspielerei eine neue Faszination. Klingt vielleicht alltäglich, ist es aber nicht. Denn Michael Czarnetzki ist taub und jetzt Hauptdarsteller in einem ambitionierten aktuellen Kino-Projekt.

Wer seinen Namen hört und nur etwas mit Oer-Erkenschwicker (Sport-)Geschichte vertraut ist, weiß Bescheid: 1997, Kopenhagen: Die Deaflympics stehen an, ein internationaler Wettbewerb nach olympischem Vorbild. Michael Czarnetzki holt Silber im Zehnkampf. Dass der Mann sogar immer noch aktueller Weltrekordhalter mit der 4x200-Meter-Staffel ist oder schon 1992 mit dem Silbernen Lorbeerblatt – der höchsten Auszeichnung des deutschen Sports – ausgezeichnet wurde, gerät schon fast in den Hintergrund. Sport treibt der gebürtige Oer-Erkenschwicker, der inzwischen in Wuppertal lebt und dort im Bayer-Forschungszentrum als Chemielaborant arbeitet, immer noch gern. Doch jetzt ist ihm auch Schauspielerei ans Herz gewachsen.

Beim Familienbesuch im Haus an der Beethovenstraße steht sein Bruder Thomas als Gebärdendolmetscher für das Gespräch zur Verfügung. „Stille Angst“ heißt der jüngst angelaufene Kinofilm, in dem Czarnetzki eine der Hauptrollen spielt. Das Besondere: Regisseur und Akteure sind gehörlos, der Film spricht aber auch hörendes Publikum mit Hilfe von Untertiteln an. Ein „Kinderspiel“ ist der Streifen aber eher nicht – Altersfreigabe ab 18. „Psycho-Drama“ lautet der Genre-Titel. Und wer den Film schaut, braucht auch ausreichend Sitzfleisch. Satte 190 Minuten dauert die Story. „Aber es gibt auch eine Pause“, sagt Czarnetzki.

Ganz im Gegensatz zum Titel hatte er aber bei den Dreharbeiten alles andere als Angst. Eher zufällig wurde Michael Czarnetzki über den Bekanntenkreis gecastet. Ein Zufall mit Happy End. An mehr als 80 Tagen wurde an 43 verschiedenen Orten gedreht. Zwei Jahre Entwicklungszeit für Recherchen und ein Jahr technische Entwicklung und Workshops für Darsteller gab es zuvor. Drehbeginn war im September 2011.

Der Film geht nun auf Deutschlandtour. Die ersten Termine stehen bereits fest: Aachen (13. Juni), Hamburg (5. September.) Münster (26. September) und Herborn (10. Oktober). Weitere Vorführungen sind nach den Sommerferien geplant.