Vivawest plant Abriss von 24 Häusern in Ickern

Es ist ein Thema mit wenig Transparenz: In Castrop will der Vermieter Vivawest 24 Wohneinheiten wegen "problematischer Bodenverhältnisse" abreißen. Den Mietern droht nun die Kündigung, wenn sie nicht auf die Angebote des Vermieters eingehen. Auch noch nicht betroffene Vivawest-Mieter werden mittlerweile unruhig.

Castrop-rauxel.. Betroffen sind die Häuser an der Stettiner Straße 24 bis 46 und am Sonnenschein 2 bis 12 und 9 bis 19. Vivawest möchte diese Wohneinheiten gerne abreißen. Sie beruft sich dabei auf ein Gutachten, das den Objekten gravierende Schäden attestiert. Eine Sanierung stünde nicht zur Debatte - die Substanz der Häuser sei zu gefährdet.

Den Grund für die Schäden an den Objekten in den Ickerner Aapwiesen haben laut Vivawest stichprobenartige Bohrungen ergeben. Demnach ist die Struktur des Bodens, auf denen die Häuser stehen, "problematisch". Die teilweise deutlich sichtbaren Risse an den Fassaden würden dies unterstreichen.

Betroffene bezweifeln Notwendigkeit für Abriss

19 der 24 betroffenen Einheiten sind bewohnt. Die Mieter bezweifeln, dass ein vollständiger Abriss aller Häuser tatsächlich notwendig ist. Viele Mieter befürchten jedoch, dass Vivawest an seinen Plänen fest hält. Das würde bedeuten: Kündigung, Umzug, Entwurzelung - einige Mieter wohnen schon über 50 Jahren in den Objekten.

Doch so schnell geht es dann doch nicht - zumal Vivawest bislang noch gar keine Kündigung ausgesprochen hat. Momentan unterbreitet sie den betroffenen Mietern Wohnungen aus ihrem Bestand als Alternative. Vivawest übernehme auch die Umzugskosten.

Auch die Stadt Castrop-Rauxel hat sich zu Wort gemeldet. Planungs- und Bauordnungsamtschef Philipp Röhnert sagte in einer Sitzung des Bauausschusses Ende Januar, dass noch keine konkreten Anträge zum Abbruch bei der Stadt vorlägen. Wie sich herausstellte hatte das Unternehmen versäumt, die Beamten in Kenntnis zu setzen. Man habe dann vereinbart, sich regelmäßiger auszutauschen.

Mieterverein informiert über das Thema

Mehrere Vivawest-Mieter haben sich bei unserer Redaktion gemeldet und ähnliche Ängste geäußert. Eine 54-jährige Ickernerin erzählt: "Das macht einen ganz hilflos und man bekommt eine Gänsehaut wenn man sieht, dass so alte Leute noch umziehen müssen, weil ihre Häuschen abgerissen werden sollen."

Als sie vor vielen Jahren in ihre Wohnung am Emscherbruch eingezogen seien, sei im Schlafzimmer ein diagonaler, großer Riss in der Wand gewesen.Ihnen sei damals mitgeteilt worden, mit diesen Schäden könnten sie alt werden, erinnert sich die 54-Jährige. "Wir haben jetzt Sorge, wir könnten das gleiche Schicksal erleiden wie die Mieter an der Stettiner Straße."

Mittlerweile hat sich auch der Mieterverein Dortmund mit dem Fall aus Castrop-Rauxel befasst. Seine Ergebnisse fasst er auf einer Info-Veranstaltung für Interessierte zusammen. Sie findet am Mittwoch, 4. Februar, um 18 Uhr in der Barbara-Hütte auf der Wiese hinter der Barbara-Kirche, In der Wanne 19, Castrop-Rauxel, statt. "Unser Interesse besteht darin, den Menschen erst Mal den Rücken zu stärken", erklärt Geschäftsführer Rainer Stücker.