Viele Castrop-Rauxeler über Baumschutz verärgert

Die Baumschutzsatzung der Stadt Castrop-Rauxel sorgt nicht nur bei Familie Yildiz aus Schwerin für Unmut, die ihre viel zu große Linde im Garten gern fällen lassen würde - aber nicht darf. Auch andere Häuslebesitzer ärgern sich darüber, dass die Kommune im Vergleich zu anderen so streng ist. Hier kommen sie zu Wort.

Castrop-rauxel.. Unsere Berichterstattung über den Kampf der Schweriner Familie Yildiz hat viele weitere Bürger dazu bewegt, sich in unserer Redaktion zu melden. Zum Beispiel Regina Wortberg von der Wikinger Straße 64: Hinterm Zaun ihres winzigen Grundstücks steht auf der einen Seite eine viele Meter hohe Wildkirsche, auf der anderen ein großer Ahorn plus einiger neuer Bäume.

"Sonnenschirm brauche ich schon lange nicht mehr"

"Wir haben das Grundstück für unser Reihenhaus auch deshalb gekauft, damit die Kinder ein sonniges Plätzchen im Garten haben", berichtet Regina Wortberg. Inzwischen sind aus Kindern zwar Jugendliche im Alter von 15 und 16 geworden - aber Sonne hätte auch ihre Mutter noch gerne auf dem Süd-Grundstück. "Aber den Sonnenschirm brauche ich hier schon lange nicht mehr", sagt die 52-Jährige, die nicht verstehen kann, warum sich die Stadt so sperrig bei der Baumschutzsatzung verhalte. "Das Grundstück ist praktisch komplett verschattet", macht sie klar.

Als sie mit ihrer Familie vor 15 Jahren das Reihenhaus gebaut hätte, sei die Wildkirsche noch ungefähr um die Hälfte kleiner gewesen. Aber schon damals habe die Stadt der Eigentümergemeinschaft erklärt, der Baum sei schützenswert. Solche sehr groß werdenden Bäume gehörten in den Wald oder in Parks, meint hingegen Regina Wortberg.

Ein Ickerner Hauseigentümer bedient sich unterdessen eines einfachen Tricks, um seinen Ahornbaum kleiner zu halten. Weil es die Möglichkeit gebe, die Krone um ein Drittel kappen zu lassen - darauf habe ihn die Stadt hingewiesen, wie er berichtet - mache er das seit Jahren. Immer mal wieder. Mit dem Erfolg, dass der einst rund 16 Meter hohe Baum jetzt noch 6 oder sieben Meter messe.


Auch die Stadt hat mit einer umfangreichen Stellungnahme reagiert. Wie Klaus Breuer, Chef des Bereichs Stadtgrün und Friedhofswesen, schreibt, seien Ausnahmen für einen großen Baum in der Baumschutzsatzung nicht vorgesehen. "Warum auch?", fragt er. Die Baumschutzsatzung solle ja gerade dafür sorgen, dass Bäume im Sinne des Allgemeinwohls groß werden, Sauerstoff produzieren und Feinstaub reduzieren. Daher seien Beschattung und/oder Laubabfall hinzunehmen, auch wenn der ein oder andere Eigentümer dies als leichte Beeinträchtigung sehe.

Stadt: Baumschutzsatzung ist eine Erfolgsgeschichte

In Bezug auf die Familie Yildiz heißt es bei derStadt übrigens, dass keine Fällanträge vorlägen. Sofern nur mündliche oder telefonische Anfragen erfolgten, werde kein "Vorgang" angelegt.Breuer: "Ein mehrfach gestellter Antrag hätte auch ohne Änderung der Begründung oder der Umstände, egal wie oft er gestellt wird, keine besseren Erfolgsaussichten."


Die Baumschutzsatzung der Stadt bestehe aktuell in der fünften Fassung und sei eine Erfolgsgeschichte, formuliert Breuer. Und ein Baum sei immer auch ein Generationenvertrag.


Das ist die offizielle Stellungnahme der Stadt Castrop-Rauxel zum Fall