Verdienter Feierabend
18.02.2010 | 16:06 Uhr 2010-02-18T16:06:00+0100
Castrop-Rauxel. Nach 60 Jahren aktivem Karneval-Dasein verabschiedet sich Josef Rollmann. Er initiierte 1986 in der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius Ickern den beliebten Kölschabend. Karneval ist eine Leidenschaft des 74-Jährigen. Mit 12 Jahren hielt er seine erste Büttenrede.
Josef Rollmann ist mit Leib und Seele Karnevalist. Über viele Jahre versprühte der „liebe Jung' vom Rhein” den närrischen Frohsinn in der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius Ickern, initiierte dort 1986 den beliebten „Kölschabend”. Doch nun will der 74-Jährige die Pappnas' an den Nagel hängen – nach 60 Jahren Karnevalisten-Dasein.
Bei der jüngsten Auflage des „Kölschabend”, zu dem die Kolpingfamilie St. Antonius eingeladen hatte, verabschiedete er sich endgültig mit einem dreifach Helau. Endgültig? Nein, wohl eher nicht. „Man macht ja mehrmals das letzte Jahr”, sagt Josef Rollmann, der mittlerweile in Dortmund wohnt. Wenn ihn jemand frage, ob er nicht noch einmal den „Köbes” beim „Kölschabend” mimen könne, dann mache er es wohl wieder. „Ich wollte ja eigentlich schon im letzten Jahr aufhören.”
Nun, Karneval ist eben seine Leidenschaft – wen wundert's: Josef Rollmann ist immerhin gebürtiger Rheinländer, aus Frechen bei Köln kommt er. „Ich weiß auch nicht, ich glaube, ich habe das mit der Muttermilch getrunken”, begründet der Senior seinen Hang zum Karneval. Mit zwölf Jahren hielt Josef Rollmann seine erste Büttenrede. „Es war eine Strafarbeit”, erzählt er heute. In der Schule habe er einen Mitschüler geärgert, woraufhin ihm die Lehrerin gesagt habe: „Zur Strafe schreibst du eine Büttenrede und trägst diese morgen vor der Klasse vor.” Wirklich begeistert war Rollmann zunächst nicht, machte sich aber sofort ans Werk. „Ich habe in den Zeitungen geguckt, was ich finden kann, und mir daraus eine Büttenrede geschustert”, erinnert er sich. Die habe er dann der Klasse vorgetragen. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.”
Die einstige Strafarbeit wurde also zum Vergnügen. Rollmann schrieb weitere Büttenreden für Kinderkarnevalssitzungen. Fortan sei er jedes Jahr aufgetreten. „Ich hatte Spaß daran.” Und dieser Spaß habe ihn nie wieder los gelassen, auch dann nicht, als er 1965 aus beruflichen Gründen aus der karnevalistischen Hochburg ins Ruhrgebiet zog.
Aber natürlich fand die Frohnatur in Castrop-Rauxel schnell Anschluss. Schnell wurde er auch hier zu einer närrischen Institution, mittlerweile zu einem Urgestein des hiesigen Karnevals. Er war Mitglied des CCCS und im Vorstand der KG Ickern, er war Prinz Karneval, war bei den Rathausstürmen stets mit dabei, er hielt jedes Jahr eine Büttenrede. Und: Er hob eben den „Kölschabend” der katholischen St. Antonius Gemeinde aus der Taufe. Dort serviert er als „Köbes” – als rheinischer Kellner – seit jeher „halve Hahn” und das ein oder andere Anekdötchen. Dabei nimmt „Köbes” Rollmann natürlich kein Blatt vor den Mund, redet so, wie ihm der Sinn steht. „Ich habe so schon einige veräppelt”, schmunzelt Rollmann, der auch nach 60 Jahren dem Karneval weiterhin verbunden bleiben will.
Das wünschen sich gewiss auch alle Aktiven, die bereits mit ihm gefeiert haben und in den Genuss seiner Büttenreden kamen. Wie sehr ihn die Narren schätzen, belegte eine ganz besondere Auszeichnung: Für seine 60 Jahre bekam Rollmann jüngst einen Verdienstorden des Festkomitees Kölner Karneval. „Eine höhere Ehre gibt es nicht, das ist so, als hätte der Papst mir einen Orden überreicht.”
Ja, er hat es wohl verdient, der „liebe Jung' vom Rhein”. Rollmann: „Immer wenn ich mich so nenne, fragt mich meine Frau, warum ich denn so lüge.”
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