Veränderung war bei Castroper IS-Kämpfer spürbar

Die Zwillinge Mark (l.) und Kevin K. aus Castrop-Rauxel posieren mit einem Koran für ein Foto, das jetzt im IS-Propaganda-Magazin "Dabiq" veröffentlicht wurde.
Die Zwillinge Mark (l.) und Kevin K. aus Castrop-Rauxel posieren mit einem Koran für ein Foto, das jetzt im IS-Propaganda-Magazin "Dabiq" veröffentlicht wurde.
Foto: Screenshot: Dominik Möller
Was wir bereits wissen
Wie konnte sich Kevin K. aus Castrop-Rauxel zum IS-Kämpfer wandeln? Personen aus seinem Bekanntenkreis berichten. Die Ermittlungen dauern derweil an.

Castrop-Rauxel.. Er war einer der besten Studierenden seines Jahrgangs, wurde als introvertiert und sympathisch beschrieben - doch dann war bei Kevin K. aus Castrop-Rauxel eine Veränderung spürbar. Wir haben mit Personen gesprochen, die ihn kannten - einen der Zwillinge, die wohl als Selbstmord-Attentäter für den Islamischen Staat (IS) starben.

Bei einer Durchsuchung des Elternhauses der mutmaßlichen Terror-Zwillinge im Castrop-Rauxeler Stadtteil Schwerin hat die Dortmunder Staatsanwaltschaft einen PC beschlagnahmt. Ob sich auf diesem Computer belastendes Material sicherstellen lässt, ist unklar. Dennoch erhoffen sich die Ermittler Rückschlüsse auf die mögliche Motivation der Brüder, sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen.

Zwillinge werden als Märtyrer gefeiert

Das IS-Propaganda-Magazin "Dabiq" feiert Mark und Kevin K. in seiner aktuellen Ausgabe als Märtyrer. Mark soll sich in Bagdad im Irak in die Luft gesprengt haben. Von Kevin heißt es, dass er bei einem Selbstmordattentat in Syrien sein Leben verloren hat - diese Info ergibt sich allerdings nur als Rückschluss aus einer Bildzeile.

Der Tod der Brüder ist weiterhin nicht offiziell bestätigt. Ob das überhaupt jemals geschehen wird, hält die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt für fraglich, wie eine Sprecherin am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion erklärte.

Terror-Verdacht Im Fokus der "Dabiq"-Berichterstattung steht vor allem Mark. Dass er für die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz war, konnte oder wollte die Bundeswehr am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion nicht bestätigen. Jedoch wird diese vermeintliche Tatsache im Artikel des Propaganda-Magazins beschrieben: "Er hat als deutscher Kreuzritter gegen Muslime gekämpft, ehe Allah entschied, ihn auf den richtigen Weg zu führen und ihn zu einem Krieger zu machen, der sein Blut für die noble Sache vergießt."

Intelligent, introvertiert und sympathisch

In Bezug auf Kevin ergeben sich nach und nach immer mehr Rückschlüsse auf seinen Werdegang. Der junge Mann, der 2009 sein Abitur an der Castrop-Rauxeler Willy-Brandt-Gesamtschule gemacht hat, soll ein "intelligenter, introvertierter und sympathischer junger Mann" gewesen sein, sagte der ehemalige Leiter einer Geschichts-AG der Schule im Gespräch mit unserer Redaktion. "Er war kein Monster."

Wie es dazu kommen konnte, dass ein junger Mann aus "gutem Hause" sich radikalisieren und in den Tod treiben lässt, ist nicht nur unserer Quelle ein Rätsel. Nach einem Aufenthalt in der Türkei 2009 soll Kevin zum Islam konvertiert sein.

Einer der besten Studenten seines Jahrgangs

Wann er anfing, sich mit radikalen Muslimen einzulassen, ist unklar. Aber: Die Veränderung sei sichtbar gewesen, heißt es aus Kreisen der Ruhr-Universität Bochum (RUB), an der er zwischen 2010 und 2014 Jura studiert hat. "Er hatte beste Voraussetzungen", sagte am Mittwoch eine Insiderin, die seinen Werdegang an der RUB verfolgt hat. So ist der 25-Jährige beispielsweise nach seiner Zwischenprüfung in einen "juristischen Exzellenzkurs" berufen worden. Ein Kurs, in dem die zehn bis 15 besten Studenten eines Jahrgangs gebündelt werden. "Eliteförderung", nennt es unsere Quelle auf Nachfrage.

Schon während seines Studiums wurde er immer häufiger im Gebetsraum für Muslime an der RUB gesehen. Darauf angesprochen, soll er gesagt haben, dass er jetzt Kontakte in die arabische Welt habe. Dort könne er auch ohne Staatsexamen innerhalb von kurzer Zeit viel Geld verdienen, soll er gesagt haben. "Er fragte, warum er sich weiter durchs Studium quälen solle, wenn ihm dieser Weg offen stünde", heißt es. Nach und nach habe sich der "adrette, sympathische junge Mann" immer weiter verändert. Die Haare wurden kürzer, der Bart länger.

Gebetsraum als Treffpunkt für Terroristen?

Pikant ist, dass auch Ziad Samir Jarrah - einer der Piloten, die für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich sind -, der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Halil S. und der ehemalige Leibwächter von Osama Bin-Laden, Sami A., früher in diesem Gebetsraum verkehrt haben sollen. Einen direkten Zusammenhang gibt es aber offensichtlich nicht. Allein, weil es keine zeitliche Überschneidung zwischen Kevin K. und den genannten Personen gibt.

Gerüchte besagen, dass sich in diesem Gebetsraum auch immer wieder "universitätsfremde Personen" aufhalten würden. Ob diese Einfluss auf die Radikalisierung von Kevin K. gehabt haben könnten, ist nicht erwiesen. Der Zugang werde nicht überwacht, sagte ein Sprecher der Ruhr-Universität. Der Raum stehe in erster Linie den Studenten zur Verfügung. Eine Reglementierung des Zuganges sei nicht möglich.