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Unscheinbare Lebensretter

20.01.2012 | 19:33 Uhr
Unscheinbare Lebensretter
Nach dem verheerenden Brand in Aachen, bei dem drei kleine Kinder ums Leben kamen, wird die Diskussion um eine gesetzliche Pflicht zum Einbau von Rauchmeldern in Wohnungen nun auch in NRW laut. Foto: Christoph Wojtyczka

Castrop-Rauxel.   Die Feuerwehr rät zur Installation von Rauchmeldern. Auch preisgünstige Modelle seien empfehlenswert, sofern sie ein VdS-Prüfsiegel haben, so die Experten von der Brandbekämpfung.

Sie sind klein und unscheinbar – und doch unverzichtbare Lebensretter: Rauchmelder. Nach dem verheerenden Brand in Aachen, bei dem drei kleine Kinder ums Leben kamen, wird die Diskussion um eine gesetzliche Pflicht zum Einbau von Rauchmeldern in Wohnungen nun auch in NRW laut. In anderen Bundesländern wie Hessen und Rheinland-Pfalz gilt die Rauchmelderpflicht bereits.

Die Feuerwehr in Castrop-Rauxel kann dieses Ansinnen nur befürworten. Mit dem Sachgebiet Vorbeugender Brandschutz hat die Feuerwehr der Europastadt ein Expertenteam unter der Federführung von Gerd Guthe zusammengestellt, das unter anderem für die Installation von Rauchmeldern wirbt.

„Bei den mittlerweile geringen Kosten für Rauchmelder empfiehlt es sich, die Wohnung – am besten sogar mehrere Räume – damit auszurüsten“, sagt Ulrich Vogel, stellvertretender Bereichsleiter der Feuerwehr Castrop-Rauxel. Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß der Feuerwehrmann, dass die meisten Wohnungsbrände, die tödlich enden, nachts ausbrechen.

Das hochgiftige Rauchgas überrascht die Bewohner im Schlaf, betäubt ihre Sinne und kann schließlich zum Tod führen. Die Statistik zeigt: 70 Prozent der Brandopfer verunglücken nachts in den eigenen vier Wänden. Gefährlich ist dabei nicht so sehr das Feuer, sondern eben der Rauch. 95 Prozent der Brandopfer sterben an den Folgen einer Rauchvergiftung. „Das größte Risiko besteht nachts, wenn man schläft und nichts mitbekommt“, sagt auch Ulrich Vogel und rät zur Installation von Rauchmeldern.

Und das idealerweise in mehrfacher Ausführung. „Zumindest die Flure und Schlafräume sollten ausgestattet sein“, empfiehlt der Brandbekämpfer und fügt hinzu: „Es kann nie schaden, in jedem Raum ein solches Gerät anzubringen.“ Bewohnt man ein Haus mit mehreren Etagen, sei es ratsam jedes Stockwerk auszurüsten. Wer direkt mehr als nur einen Rauchmelder anbringt schließt zugleich aus, dass er bei einem Versagen des einen Gerätes überhaupt nicht gewarnt wird. „Man sollte sich von der Unverwundbarkeitsillusion lösen, nach der man denkt ‘Mir passiert das sowieso nicht’“, rät Ulrich Vogel.

Wer die Montage von Brandwarngeräten zu lange vor sich herschiebt, wird unter Umständen von einem Feuer überrascht. Denn die mit Abstand häufigste Brandursache sind technische Defekte an Elektrogeräten: Der Fernseher implodiert, das Untertischgerät schmort durch oder der Trockner überhitzt – und schon kann ein Feuer entstehen und sich über den gesamten Wohnraum ausbreiten, wenn nicht früh gewarnt wird. „Beim Kauf eines Rauchmelders ist es wichtig darauf zu achten, dass das jeweilige Modell ein VdS-Zertifikat hat“, so Vogel. Das Warngerät sollte zudem der europaweiten Norm DIN EN 14604 entsprechen.

Auch günstige Rauchmelder seien zuverlässig und könnten bedenkenlos etwa im Baumarkt oder beim Discounter gekauft werden, sofern sie das entsprechende VdS-Prüf-Siegel hätten, so Vogel. Beim Anbringen sei darauf zu achten, so der Experte, dass der Rauchmelder mit mindestens 50 Zentimetern Abstand zur Wand an der Decke montiert wird. „Denn“, verdeutlicht Feuerwehrmann Vogel, „der Rauch breitet sich rollend aus und spart dabei den rechten Winkel der Zimmerecke aus.“ Wäre das Warngerät genau dort angebracht, würde es im Zweifelsfall nicht anschlagen. Im Idealfall sollte der Melder so mittig wie möglich auf der Zimmerdecke angebracht werden.

Sei es künftig per Gesetz verpflichtend, Rauchmelder in Wohnungen zu installieren, wagt Ulrich Vogel eine vorsichtige Prognose, dürfte die Zahl der Brandtoten nahezu gegen Null tendieren.

Regelmäßig überprüfen

Der Flur ist in Sachen Rauchmelder der wichtigste Teil der Wohnung, da er Abschnitt des Rettungsweges sein kann. Auch Kinderzimmer sollten mit einem Warngerät versehen werden, weil Kinder zündeln, ohne an Gefahr zu denken. Im Badezimmer sollte dagegen kein Melder installiert werden, raten Experten, weil die Gefahr von Fehlauslösungen durch den Wasserdampf zu groß ist. Zudem wird empfohlen über den Testknopf am Gerät hin und wieder einen Probealarm auszulösen, um die Funktionstüchtigkeit zu überprüfen.

Katja Büchsenschütz

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2012-01-20 19:33
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