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Castrop-Rauxel

Unbeschreiblich

16.12.2007 | 17:55 Uhr

Helge Schneider in Hochform verzückt 1 400 Besucher in der Europahalle. Abstruse Geschichten, perfekter Jazz und Swing

Wie diesen Wahnwitz in wohlfeile Worte fassen? Wo mit der Reise nach Absurdistan beginnen und wann enden? Welche live zu Lachanfällen hinrei-ßenden Verrücktheiten zitieren, ohne zu ahnen, dass sie - lapidar nacherzählt - Ratlosigkeit beim Leser auslösen? Bei ihm stößt der Schreiber an seine Grenzen. Er kapituliert und konstatiert: Helge - dieser Typ ist einfach unbeschreiblich.

Seit über zwei Jahrzehnten darf sich Helge Schneider in der ersten Riege der deutschen Humoristen wähnen - und schwebt doch weit über den Spaßmachern, die sich weltläufig Comedians nennen. Der Mülheimer ist ein Unterhalter im weitesten, besten Sinne. Autor. Schauspieler. Regisseur. Sänger. Multi-Instrumentalist. Und auch und vor allem Erfinder und unerreichter Meister jenes Humor-Gen-res, das sich skurril, tief- und abgründig im geschriebenen Wort (siehe oben) nur unzureichend widerspiegeln lässt.

Zwar sind die Zeiten passé, in denen Helge-Auftritte Monate zuvor ausverkauft waren. In der Europahalle waren es am Samstagabend aber immerhin rund 1 400 Besucher, die sich auf das aktuelle Programm "Akopalüze nau" freuten. Sie wurden nicht enttäuscht. Trotz einer heftigen Erkältung präsentierte sich der 52-Jährige in blendender Spiel- und besonders Plauderlaune. Da war er wieder, der herrlich "alberne" Helge, der seine Fans mit grenzwertigen Erzählungen zwischen Genie und Wahnsinn verzückt. Man fragt sich: Was ist improvisiert, was einstudiert? Die Antwort geben Helges Musiker, die die abstrusen Geschichten offensichtlich auch zum ersten Mal hören und lauthals mitlachen.

Die Combo u.a. mit Pete York an der Schießbude und dem unvergleichlichen Sergej Gleithman an den Bongos lässt anspruchsvolle Jazz- und Swingliebhaber mit der Zunge schnalzen. Perfekt eingespielt, begleiten und ergänzen die fünf Instrumentalisten den Großmeister bei Helge-Klassikern wie "Telefonmann" und intonieren Standards wie "Fly me to the moon".

Er wäre gern Arzt oder Diktator geworden, sagt Helge nach fast drei Stunden "Akopalüpse". Gut, dass er sich beruflich anders orientiert hat.

Von Jürgen Stahl

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