Über drei Jahre Haft für Schweriner Messerstecher

Kaum war das Urteil verkündet, atmete der Angeklagte aus Castrop-Rauxel hörbar auf. In den Augen des Dortmunder Schwurgerichts war die Schweriner Messer-Attacke nach einer Kneipentour im vergangenen Sommer kein versuchter Mord, sondern "nur" eine gefährliche Körperverletzung. Die Strafe: drei Jahre und vier Monate Haft.

Castrop-rauxel/dortmund.. Wäre es nach Staatsanwalt Heiko Artkämper gegangen, wäre der Messerstecher weitaus härter bestraft worden. Fast sieben Jahre Haft hatte der Anklagevertreter beantragt. Weil der Mann aus nichtigem Anlass zugestochen habe und ihm ganz sicher nicht weismachen könne, dass er seinen Kontrahenten mit dem Messer lediglich verletzen wollte. "Das kann man gar nicht kontrollieren", sagte Artkämper in seinem Plädoyer.

Das Opfer - eigentlich ein guter Freund des Angeklagten - hatte den Angriff überlebt. Die Folgen sind aber dennoch gravierend. Zwar war die Klinge lediglich einige Zentimeter tief in den Rücken des Mannes eingedrungen. Dort hatte sie jedoch offensichtlich verheerende Nervenschädigungen angerichtet. Heute kann das Opfer seine Blase nicht mehr richtig entleeren, hat Probleme beim Stuhlgang, Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle in den Beinen.

20.000 Euro Schmerzensgeld

Als ihm der Angeklagte vor der Urteilsverkündung 10.000 Euro Schmerzensgeld anbot, lachte er nur höhnisch auf. "Das reicht gerade mal für das Toilettenpapier, das ich seitdem mehr verbrauche", sagte er. Die Richter sprachen ihm im Urteil schließlich 20.000 Euro zu.

Im Kern folgten sie aber den Argumenten von Verteidiger Jan-Henrik Heinz, der stets darauf beharrt hatte, die Tat sei keine versuchte Tötung gewesen. Weder ein Totschlag, noch gar ein Mord. Heinz hatte in seinem Plädoyer sogar zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragt - und damit fast einen Wutausbruch des gegenübersitzenden Opfers riskiert.