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Ausgrabungen

Ton, Steine, Scherben

18.02.2010 | 17:02 Uhr
Ton, Steine, Scherben

Castrop-Rauxel. Das Landesamt für Bodendenkmalpflege setzt im Frühjahr seine Ausgrabungen in der Ickerner Heide fort. Dort plant die Emschergenossenschaft den Bau eines riesigen Regenrückhaltebeckens.

Ganze Lkw-Ladungen mit Fundstücken sind bereits zur wissenschaftlichen Auswertung nach Münster gebracht worden. Und es werden in diesem Jahr wohl noch mehr: das Landesamt für Bodendenkmalpflege setzt im Frühjahr seine Ausgrabungen in der Ickerner Heide fort.

Angefangen hat alles mit dem Zufallsfund eines Hobbyarchäologen vor etwa 30 Jahren, erinnert sich Amtsleiter Dr. Christoph Grünewald. Das Landesamt schickte ein Erkundungsteam an die Rittershofer Straße. Geophysikalische Untersuchungen und – etwas rustikaler – Explorationsgrabungen mit einem Bagger gaben Gewissheit: hier ist für die Archäologen „'was zu holen”. Das Areal wurde kartografiert und dann passierte – erstmal nichts. Bis die Emschergenossenschaft mit ihren Plänen kam, die genau an dieser Stelle ein riesiges Regenrückhaltebecken mit rund zwei Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen vorsehen – Voraussetzung für den Rückbau der Emscher, um die Anrainerstädte flussabwärts vor Hochwasser zu schützen.

Anlass für die „planvolle Zerstörung”, wie die Gewinnung derartige Bodenschätze genannt wird. In zweijähriger Arbeit legten viele Helfer um die Grabungsleiter Dr. Angelika Spreckmann und Dr. Jürgen Pape auf der neun Hektar großen Fläche unzählige Scherben von Töpfen und Gefäßen frei, fanden Schmuck, eine offenbar verlorene Gürtelschnalle, die einem römischen Söldner zugeordnet werden konnte oder Teile eines Pferdegeschirrs, was den Schluss auf eine sozial höherstehende Bevölkerung zulässt.

Vor allem aber fanden die Archäologen die hölzernen Fundamente eines germanischen Wohnstallhauses aus der Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert nach Christus. Haupthaus, Scheune, Ställe, ja eine Werkstatt standen dereinst am Ufer der Emscher, denn die Siedler waren multifunktionelle Polytechniker – sie machten alles selber. Mit Pfählen wurden in der Jetztzeit die Pfeiler der Gebäude nachgebildet, damit sich auch Laien ein Bild von den damaligen Wohnverhältnissen machen können.

„Wohnen an der Emscher” war also damals schon gefragt, wenngleich man sich das nicht als Siedlung oder Dorf vorstellen darf. Die Häuser lagen verstreut in der Landschaft, „etwa so, wie das heute noch im Münsterland zu sehen ist” bietet Dr. Christoph Grünewald einen Vergleich. Und auch die Emscher war natürlich kein begradigter Abwasserkanal sondern ein stark mäandrierender (sich schlängelnder) Fluss.

Zwei neue Grabefelder sind für die Zukunft geplant. Eines westlich der abgeschlossenen Fläche, wo die Überreste eines noch älteren Gebäudes aus der Zeit um Christi Geburt vermutet werden. Die zweite Stelle liegt weiter östlich in einem Gebiet mit hohem Grundwasserstand. Der könnte die beim Hausbau einfach in den Boden gerammten Holzpfähle gut erhalten haben. Dr. Christoph Grünewald: „Unsere Archäologen jubilieren schon.”

Thomas Wrycza

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