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Tierisch geärgert

01.08.2008 | 18:36 Uhr

Vestische Arbeit erkennt Hartz IV an, doch das Geld landet auch nach drei Wochen nicht auf dem Konto der Bedürftigen. "Unser Fehler", sagt der Amtschef und hilft jetzt mit Bargeld aus

Auf ihr Hartz-IV-Geld warteten Udo Selke und Patrizia Brünninghoff seit Wochen. Foto: Joseph-W. Reutter

"Mit 40 will einen keiner mehr haben", sagt Udo Selke. Der gelernte Bergmann spricht nicht nur von seinem Job. Er zielt auch auf die Vestische Arbeit ab, bei der er im April Hartz IV beantragt hat - und bis gestern, trotz Bewilligungsbescheids, keinen Cent auf seinem Konto gefunden hat.

"Die Mahnungen stapeln sich, ich weiß nicht mehr, wovon ich Miete, Strom und Essen bezahlen soll." Gestern war es dann auch soweit: Das RWE drehte Selke und seiner Verlobten Patrizia Brünninghoff den Strom ab.

Es ist nicht so, dass Udo Selke nicht arbeiten möchte. Als Bergmann wurde er nicht mehr gebraucht. Er machte eine Umschulung zum Schlosser, doch nach einem Arbeitsunfall konnte er in dem Beruf nicht mehr arbeiten. Daher jobbte er die letzten vier Jahre als Staplerfahrer. Mit Unterbrechungen. Seine Verlobte arbeitete auf 400-Basis-Ebene, wurde von ihren Chef belästigt und musste ebenfalls gehen. "Trotz Arbeitssuche mussten wir im Mai leider Hartz IV beantragen", so Selke.

Bei der Vestischen Arbeit wurde der Antrag bearbeitet, Selke und seine Verlobte erhielten am 9. Juli Bescheide, wonach ihnen bis Ende Oktober gemeinsam 740 Euro monatlich zustehen - einzig: Das Geld kam nicht. Rückfragen und Überprüfungen führten zu keinem Ergebnis. "Die Vestische Arbeit schiebt der Bank den schwarzen Peter zu, diese gibt ihn zurück. Auf der Strecke bleiben zwei Menschen, deren Existenz nicht mehr gesichert ist", sagt Selke.

Nach Rückfrage der Redaktion bei der Vestischen Arbeit, schaltet sich der hiesige Bezirksstellenleiter Wolfgang Limberg ein - und der Fall kommt ins Rollen. "Eine weitere Überprüfung ergab, dass beim Übertragen der Kontonummer in das EDV-System eine Zahl vergessen wurde", erklärt Limberg.

Von daher hätte das Geld auch nicht auf dem Konto landen können. Warum das nicht aufgefallen sei, da das Geld seit dem 9. Juli - also nach mehr als drei Wochen - ja eigentlich wieder bei der Vestischen Arbeit zurückgebucht sein müsste, wußte Limberg nicht. "Der ursprüngliche Fehler liegt bei uns", gestand er ein. Und so erhielten Udo Selke und seine Verlobte Patricia Brünninghoff gestern Bargeld von der Vestischen Arbeit, um zunächst die dringendsten Rechnungen bezahlen zu können. Eine zweite Rate gibt's am Montag, weil die Vestische Arbeit Bargeldbeträge nur in einem begrenzten Rahmen herausgeben darf.

Und auch die Geschichte mit dem RWE hat sich aufgeklärt. "Wir hatten dem RWE mitgeteilt, dass das Geld gezahlt wird", so Limberg. Dieses habe darauf eine Mahnsperre bis zum 8. August zugesichert. Und gestern den Strom abgedreht. "Das ist eindeutig ein Fehler, der dort passiert ist", erklärte Limberg gestern.

Von Angelika Wölke

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Kommentare
04.08.2008
00:07
Tierisch geärgert
von Juerschi | #5

Aber gerade bei solch einem sensiblen Thema bei dem es um finanzielle und soziale Dinge geht sollte die Privathsphäre , Datenschutz und vor allem mehr Feingefühl erwartet werden.
Ich fand es schlimm das ich die Geschichte der Kundin im Nebenraum zu hören bekam , dessen Mann sie geschlagen hat usw....Noch heute könnte ich hier Namen und Adresse der Dame nennen .... und ich musste mich weiß Gott nicht antrengen um alles zuhören .
Dies war sicher nicht im Sinne dieser Frau , ebensowenig wie ich will das jeder meine Daten erfährt!!!

03.08.2008
07:53
Tierisch geärgert
von PapaSmurf | #4

Der Chef der Vestischen Arbeit hat ja selbst Probleme mit der Umsetzung der Gesetze, vor allem die bezüglich der 1€ Jobs.
Wie der Herr, so sein Gescherr!!

Bin selbst mit der ARGE im Argen.
Das mit den offenen Türen hat seinen Grund, wenn mal einem H4ler der kragen Platzt sind sofort Kollegen da um einzugreifen und notfalls als zeuge für den Spruch: So hab Ich das nie gesagt.

02.08.2008
14:00
Tierisch geärgert
von Juerschi | #3

Dieser Fall ist sicherlich einer von vielen die täglich so oder ähnlich passieren.
Die Verantwortlichen sollten sich schleunigst mal überlegen woran das denn liegt.
Sind es schlecht ausgebildete Sachbearbeiter, gleichgültige Sachbearbeiter, oder liegt es am System an sich ???
Wie sonst ist es möglich das trotz mehrmaliger Anfrage der Betroffenen nicht das einfachste,naheliegenste getan wurde , die Kontonr verglichen?

Wie sonst kann es sein , dass man Tage am Telefon verbringen muss um jemanden Zuständiges zu erreichen.

Wie sonst kann es sein das auf eine diskrete Bearbeitung kein Wert gelegt wird .Wer selbst einmal den Gang zur ARGE tätigen musste , dem wird sicher aufgefallen sein , dass dort zwischen den Büros alle Türen offen stehen , egal ob im Nebenraum ein weiterer Kunde bearbeitet wird oder nicht.
Von Datenschutz und Privatsphäre keine Spur!!!Hier hört jeder mit.

Manch ein Büro erinnert eher an ein Jugendzimmer , weil es voll mit Fussballwembel ist und zu Zeiten als im Rathaus noch geraucht werden durfte wurde man von einem rauchenden,Kaugummi kauenden Sacharbeiter der sich als Teamleiter vorstellt bearbeitet. Das evtl auch Kinder diese Räume betreten , interessierte hier keinen.

Da stellt sich doch die Frage ob man hier tatsächlich ernst genommen wird und den Mitarbeitern der Arge , die ja jeden Monat ihr Geld pünktlich erhalten, bewusst ist , das hinter der Kundennummer Menschen stehen , die leben wollen,Zahlung tätigen müssen.
Das jemand , der Harz4 bezieht , keine Monate aus Sparguthaben leben kann ,sollte auch dem ignorantesten Sachbearbeiter klar sein.
Ich finde es sehr mutig , das dieses Paar an die Öffentlichkeit gegangen ist und mal aufgezeigt hat das man als Harz4 Empfänger ein Mensch anderer Klasse ist.
Ich hoffe das Sie ohne weitere Schikanen und Kämpfe ihre Rechte durchsetzten können und den ihnen entstanden Schaden (Mahnkosten, Telefonkosten etc ) ohne Bürokratie erstattet bekommen.
Und ich hoffe auch , so mach einer im Rathaus aufwacht und das Thema ARGE zur Chefsache gemacht wird.

02.08.2008
08:11
Tierisch geärgert
von Steuerzahler | #2

zahlt die vestische arbeit auch die gebühr das der strom wieder eingeschaltet wird?die sind so frech und nehmen so ca. 65€ von de rwe. eine frechheit was in unserem land so abgeht die politiker sponsoren alle anderen armen länder und hier kümmert sich niemand um die deutsche bevölkerung,macht ruhig noch ein paar millionen locker das die stadien in südafrika pünktlich zu nächsten fußball WM fertig werden.derzeitig spende ich für die tafel damit wenigstens ein paar kinder in germany eine mahlzeit nach der schule bekommen,mit hilfe der kirchengemeinden. is zum kotzen ,muß aber mal gesagt werden, udo und patrizia wünsche euch weiterhin viel glück , versucht es mal mit schwarzarbeit wird ja in diesem land gefördert, HEUL

02.08.2008
07:07
Tierisch geärgert
von PapaSmurf | #1

Das liegt vielleicht daran, das schlecht ausgebildetes Personal (Ich möchte keinen Sachbearbeiter/inn Unfähigkeit nachsagen), dem die Sensibilität für die Lage Ihrer Klienten oft fehlt, weil Sie tw. überfordert sind und zuvor in ganz anderen Berufsgruppen gearbeitet haben, hier plötzlich über das überleben von Personen und Familien zu entscheiden haben.
Menschen und Familien die in Hartz4 rutschen sind meist finanziell am ende,um nicht zu sagen Ruiniert, und sind auf die Brosamen angewiesen die der Staat zur Verfügung stellt.
Die Sachbearbeiter/innen sollten bei Antragsannahme bitte daran denken das hinter der BG Nummer Menschen stehen.

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