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Technisch ambitioniert

20.02.2010 | 05:00 Uhr
Technisch ambitioniert

Castrop-Rauxel. Im Rathaus beraten seit kurzem Ingbert Kontek und Elfriede Wismann Blinde und erzählen, wie sie ihren Alltag als Blinde meistern und welche Perspektiven sie haben. Zudem wurde die Beratungsstelle, die auch einen Sitz in Herne hat, jetzt zertifiziert.

Durch die technischen Fortschritte wird Sehbehinderten der Alltag inzwischen so einfach wie möglich gemacht. Seit kurzer Zeit beraten Ingbert Kontek (62) und Elfriede Wismann (60) Sehbehinderte. Sie sind selber blind. Mit ihnen sprach Ellen Andresen.

Wie ist die Beratungsstelle für Sehbehinderte im Rathaus entstanden?

Ab sofort findet eine kostenlose Beratung für Menschen, die von Blindheit und Sehbehinderungen betroffen sind im Rathaus statt. Ingbert Kontek (l.) und Elfriede Wiesmann (2.v.l.) werden die Beratung durchführen. Auch im Bild: Bernd Kokot (2.v.l.), Ulrike Seidel-Meyer und Dirk Heinacker als sehende Helfer. Foto: Thomas Gödde

Kontek: Bisher gab es das Angebot nur in Herne. Da sind dann auch schon Leute aus Castrop-Rauxel hingefahren, nur für die war es immer sehr umständlich. Wir beantworten die Fragen der „Klienten” und erklären ihnen, was es für Hilfsmittel gibt, wie man sich im Alltag zurecht findet. Vor allen Dingen fangen wir die Leute auf und geben ihnen neuen Lebensmut.

Was gibt es denn für Hilfsmittel?

Wismann: Viele! Zum Beispiel ein sprechendes Handy. Meins hat eine Sprachausgabe, ich kann damit SMS schreiben und eingehende Nachrichten werden mir vorgelesen. Aber alleine die Sprache installieren zu lassen kostet um die 250 €, ohne Gerät. Auch für den Computer gibt es Leseprogramm, mit denen man sich die Zeitung oder Briefe vorlesen lassen kann.

Kontek: Ich habe auch ein Gerät, das halte ich einfach in der Hand, wenn ich unterwegs bin. Das sendet Ultraschalle aus und vibriert, wenn mir ein Gegenstand im Weg steht.

Sind Sie beide blind zur Welt gekommen?

Kontek: Ich war mit 15 Jahren ganz blind. Das beruht auf einer Erkrankung der Sehnerven und ging bis dahin langsam bergab. Ich habe früher gerne Ansichtskarten gesammelt und konnte irgendwann gar nichts mehr erkennen und habe die in den Papierkorb werfen müssen.

Wismann: Ich habe einen angeborenen grünen Star. Bis zu meinem fünften Lebensjahr bin ich neunmal an den Augen operiert worden, mit dem Erfolg, dass ich auf einem Auge immer gut zurecht gekommen bin. Mit 15 habe ich erfahren, dass ich mein Augenlicht nach und nach verliere. Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich bin in ein richtiges Loch gefallen, drei Jahre hat das angedauert.

Unterscheidet sich Ihr Alltag sehr von den Menschen, die sehen können?

Wismann: Ja, wir sind viel auf Hilfe angewiesen, beispielsweise bei Auslandsreisen. Spontan kann man nirgendwo alleine hingehen.

Woher nehmen Sie jetzt Ihren Lebensmut?

Wisman: Durch meinen Mann, der auch blind ist, bin ich wie ein Löwe geworden, führe meinen Haushalt alleine, koche gerne, hänge Gardinen alleine auf. Man muss jemanden haben, der einen führt.

Kontek: Ich war eigentlich ganz unselbstständig. Meine Frau hat mich sozusagen ins kalte Wasser geschubst. Inzwischen bin ich bei uns anerkannter Haushalts-Maschinenführer (lacht).

Ellen Andresen

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