Streit um Transport von E-Scootern in Bussen dauert an

Schwierige Zeiten für Menschen mit E-Scootern zumindest in den Bussen des östlichen Ruhrgebiets. Denn eine Lösung, wie die Elektromobile sicher in Bussen des öffentlichen Nahverkehrs künftig transportiert werden können, ist nicht in Sicht. Ein Umrüsten der Fahrzeuge ist für die Unternehmen derzeit kein Thema.

CASTROP-RAUXEL.. Zuletzt hatte ein Fall in Castrop-Rauxel für Aufsehen gesorgt. Hier durfte die 56 Jahre alte, gehbehinderte Cornelia Wagner am vergangenen Fälle plötzlich nicht mehr mit ihrem E-Scooter mit dem Bus fahren. Hintergrund ist ein Gutachten des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), das den Transport der E-Scooter als Sicherheitsrisiko einstuft. Fälle wie der von Wagner, so wird befürchtet, könnten nun regelmäßig vorkommen.

Anfang Dezember hatten die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen (Bogestra), Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel (HCR), Dortmunder Stadtwerke (DSW21) und Vestische Straßenbahnen auf eine Empfehlung des VDV reagiert und E-Scooter in Bussen verboten.

Zu großes Eigengewicht

"Die Reaktion der Unternehmen ist korrekt, wir hatten ein solches Verbot empfohlen", bestätigte Lars Wagner, Pressesprecher beim VDV. Das Sicherheitsrisiko sei zu groß. Und zu gefährlich sei es, wenn die Gefährte bei heftigen Bremsmanövern umkippen." Das Eigengewicht der E-Scooter ist zu groß, selbst einige Hersteller raten von dem Transport in öffentlichen Bussen ab", erklärt Wagner. Die Sicherheit der Fahrgäste gehe vor.Eine andere und gleichzeitig sichere Lösung als das Verbot kennt Wagner nicht. Dirk Helwing, Fachanwalt für Verkehrsrecht, sieht die Verkehrsbetriebe dagegen in der Pflicht, andere Sicherungsmöglichkeiten bei E-Scootern wenigstens zu prüfen. Das könnten zum Beispiel spezielle Gurte in den Bussen sein."Das muss man mit den Busherstellern diskutieren", sagt Wagner vom VDV dazu. Zwölf Jahre seien die Busse in der Regel im Einsatz.

Frage von "Kosten und Nutzen"

Das heißt, selbst wenn jetzt Busse mit speziellen Sicherheitsgurten produziert würden, werde es Jahre dauern bis sie bei uns eingesetzt werden, sagt auch Henning Viefhaus von den Straßenbahnen Herne Castrop-Rauxel (HCR). Außerdem wären die Betroffenen dann an bestimmte Plätze im Bus gebunden. Sobald diese durch Kinderwagen oder andere Rollstühle belegt wären, entstehe das Sicherheitsrisiko erneut.

Für den VDV und die Verkehrsbetriebe sind neue Busse auch eine Frage von "Kosten und Nutzen". Der Verband geht davon aus, dass es sich bei den Betroffenen um Einzelfälle handelt. Denn eine Zahl aller Betroffenen in Nordrhein-Westfalen sei schwer zu ermitteln, wie der VDV-Pressesprecher erklärte.

E-Scooter sind oft günstiger

Bei der AOK Nordwest werden allein in der Region Westfalen-Lippe jedes Jahr mehrere Hundert E-Scooter genehmigt. Knapp 400 E-Scooter jährlich sind es bei der Techniker Krankenkasse (TK) in Nordrhein-Westfalen, bundesweit etwa 1500, wie beide Versicherungen auf Anfrage mitteilten.Im Vergleich: Bei denelektrischen Rollstühlen sind es bundesweit zirka 4000, die allein die TK genehmigt.

In den meisten Fällen sind die E-Scooter günstiger als die weiterhin in Bussen erlaubten elektrischen Rollstühle. Ein E-Scooter liegt laut Techniker Krankenkasse bei zirka 3000 Euro, Preise für E-Roller beginnen bei 3300 Euro und können bis in die 10.000 reichen. "Oft sind bei E-Rollern Extras, Spezifizierungen und individuelle Anpassungen nötig", erklärt Christian Elspas von der Techniker Krankenkasse (TK). Die Scooter kämen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Betroffenen kurze Wege noch selber laufen können, also zwar mobil aber eingeschränkt sind, so Elspas.

Busunternehmen haftet

Schulungen wie bei den Stadtwerken Münster - dort dürfen E-Scooter weiter in Bussen mitfahren, sofern sie einen speziellen Check bestehen - sind, so Wagner, keine schlechte Idee. "Das wäre auch für andere Verkehrsbetriebe vorstellbar", sagt er. "Letztendlich aber trägt das Busunternehmen bei Unfällen die Verantwortung - Schulung hin oder her."

Das sieht auch die Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel (HCR) so, wie Vertriebsleiter Henning Viefhaus erklärte: "Für Menschen, die mit Rollstühlen oder Rollatoren Bus fahren müssen, bieten wir ebenfalls Schulungen an." Im Fall der E-Scooter gehe es aber nicht um den richtigen und sicheren Umgang mit dem Gefährt. Die Gefahr liege in der Bauart nicht bei der Handhabung.