Spuren von Gewalt an Leiche aus dem Dortmund-Ems-Kanal

Am Kanal in Höhe Lohburger Brücke ist eine Wasserleiche geborgen worden. Weil ein Mädchen aus Castrop-Rauxel vermisst wurde, kamen Beamte zur Mutter des Mädchens - die daraufhin zusammenbrach.
Am Kanal in Höhe Lohburger Brücke ist eine Wasserleiche geborgen worden. Weil ein Mädchen aus Castrop-Rauxel vermisst wurde, kamen Beamte zur Mutter des Mädchens - die daraufhin zusammenbrach.
Foto: Markus Wessling
An einer Leiche, die am 10. Juni aus dem Dortmund-Ems-Kanal geborgen wurde, fanden Rechtsmediziner Spuren von Gewalteinwirkung. Die Polizei ermittelt.

Castrop-Rauxel/Waltrop.. Am Mittwoch, 10. Juni, wurde eine im Wasser des Dortmund-Ems-Kanals in Waltrop-Oberwiese treibende Leiche geborgen. Mittlerweile wurde die Leiche obduziert. Durch die Untersuchungen konnte die Identität festgestellt werden. Laut Polizei Recklinghausen handelt es sich um eine 25-jährige Frau aus Oer-Erkenschwick, die am 6. Juni von ihrer Familie als vermisst gemeldet worden war.

War zu Beginn der Ermittlungen noch von einem Selbstmord die Rede, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft, dass "Spuren festgestellt wurden, die auf Gewalteinwirkung hindeuten".

Die Frau, so heißt es weiter, sei von ihrer Familie am 6. Juni als vermisst gemeldet worden. Das Polizeipräsidium Recklinghausen hat eine Mordkommission eingerichtet.

Hat Polizei falsche Todesnachricht überbracht?

Nach wie vor steht die Frage im Raum, ob die Polizei zuerst versehentlich der falschen Familie die Todesnachricht überbracht hat. Das zumindest hatte die betroffene Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt.

Ihre Tochter (15) war seit Montag als vermisst gemeldet. Nach dem Leichenfund im Kanal seien Beamte bei ihr gewesen, die gesagt haben sollen: "Wir haben ihre Tochter aus dem Kanal geborgen. Wahrscheinlich war es Selbstmord."

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte ein Sprecher der Polizei am Freitag, dass die Kollegen, die die Mutter aus Castrop-Rauxel besucht haben, lediglich zur Klärung der Identität der Toten vor Ort gewesen seien.

Eine Todesnachricht, das bekräftige der Sprecher, sei nicht überbracht worden. "Die Kollegen, die dort im Einsatz waren, sind im Umgang mit solchen Situationen geschult", so Polizeisprecher Michael Franz.

Notarzt und sogar Seelsorger hinzugezogen

In solchen Fällen würden Vermisstenfälle abgeglichen und es werde versucht, die Identität des toten Menschen zügig zu klären, so Franz. Weil es der Mutter während des Besuches der Polizisten zunehmend schlechter gegangen sei, seien ein Rettungswagen und ein Notarzt angefordert worden.

Die Einsatzkräfte hätten dann entschieden, eine Seelsorgerin hinzuzuziehen, so Franz. Wenn jedoch keine Todesnachricht überbracht worden ist, warum dann die Seelsorgerin? Eine Frage, die am Freitag ungeklärt blieb.

Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte die Mutter Vorwürfe gegen die Polizei geäußert. Auch habe sie eine Beschwerde gegen die Beamten eingereicht, die ihr die Nachricht vom vermeintlichen Tod ihrer Tochter überbracht hätten. Das vermisste Mädchen war noch am Mittwochabend in Castrop-Rauxel lebend aufgegriffen worden.