Sparkasse macht den Weg frei

Recklinghausen..  Zwölf Jahre ist es her, dass der einst ruhmreiche Trabrennverein Recklinghausen Insolvenz anmelden musste. Die verschiedenen Versuche, den Rennbetrieb wieder zu aktivieren, sind gescheitert. Nun ist der Weg endlich frei für eine städtebauliche Entwicklung des 33-Hektar-Areals.

Denn die Stadt hat sich mit der Sparkasse Vest, die Hauptgläubigerin des insolventen Trabrennvereins ist, über den sogenannten Rückfall des Erbbaurechts geeinigt. In nicht öffentlicher Sitzung gab die Politik gestern mit großer Mehrheit im Hauptausschuss grünes Licht für einen Deal, der die Stadt rund 1 Million Euro kostet. Gegen Zahlung dieser Summe verzichtet die Sparkasse auf sämtliche ihrer Forderungen, die sich auf rund 8 Millionen Euro summieren.

Die Sparkasse Vest hatte durchaus auch eigene Vorstellungen zur Entwicklung des Areals entwickelt. Zum Beispiel wurde die Ansiedlung eines Autohofes diskutiert. Die Stadt lehnte dies jedoch ab und kann nun, sobald die Verträge – das Angebot gilt bis zum 30. April – mit dem Geldinstitut unterzeichnet sind, auf dem Areal zwischen A 2 und Blitzkuhlenstraße völlig unabhängig die städtebauliche Entwicklung vorantreiben.

So ist die Rennbahn ein zentraler Baustein im sogenannten Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept Hillerheide (ISEK). Beauftragt wird mit der Entwicklung des Geländes die Stadtentwicklungsgesellschaft Recklinghausen (SER), die bereits auf der Maybacher Heide gute Arbeit leistete und aktuell die Sanierung und Baureifmachung der „Neuen gewerbliche Mitte Blumenthal“ betreibt. Für die Abstandssumme, die an die Sparkasse zu zahlen ist, wird die SER einen Kredit aufnehmen. Die Stadt übernimmt eine entsprechende Bürgerschaft.

Einig sind sich alle Parteien, dass auf der Trabrennbahn eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen realisiert werden soll. „Mit dem erzielten Verhandlungsergebnis können wir leben“, sagte gestern CDU-Fraktionschefin Marina Hajjar bei einer Pressekonferenz, zu der Union, FDP und Grüne eingeladen hatten. Bei der Suche nach guten Ideen für die Trabrennbahn setzt die Ratsallianz auch auf die Beteiligung der Bürger. „Ein entscheidendes Thema wird für diesen Bereich auch die Neuordnung des Verkehrs sein“, sagte CDU-Vorsitzender Benno Portmann.

FDP-Fraktionschef Udo Schmidt betonte, dass es insbesondere Aufgabe sei, das Ortszentrum an die Trabrennbahn anzubinden und so für eine Belebung des Bereichs rund um die Heidestraße und den Gertrudisplatz zu sorgen. Die grüne Bürgermeisterin Christel Dymke sieht gute Chancen, auf der Hillerheide verschiedene alternative Wohnprojekte zu realisieren.

Die SPD mahnte jedoch, bei der Vermarktung der Wohnbauflächen nicht nur wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund zu stellen. „Es kann nicht Ziel sein, alle Grundstücke möglichst teuer zu verkaufen. Vielmehr fordern wir, die Einführung einer Quote, die sicherstellt, dass auch öffentlich geförderter Wohnungsbau in nennenswerter Größenordnung realisiert wird“, erklärte Parteivorsitzender Andreas Becker. Der Landtagsabgeordnete wies auch daraufhin, dass eine solche Vorgehensweise einer der Schlüssel beim Werben um Landesmittel sein könnte. Eine Quote lehnt die Union nicht prinzipiell ab. „Wir müssen das aber gut überlegen. Ziel muss sein, eine gute Mischung hinzubekommen“, sagte Portmann.