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Castrop-Rauxel

Sonnenkarussell

21.05.2008 | 17:45 Uhr

In Obercastrop entsteht gerade eine innovative Solaranlage, die satellitengesteuert dem Lauf des natürlichen Energiespenders folgt. Landwirt Gregor Knickenberg beweist einmal mehr seinen Sinn für Neues

Er folgt der Sonne: Gregor Knickenberg (46) in seiner neuen Sündreyer Halle. Gut zu erkennen ist die drehbare Stahlträger-Konstruktion. Fotos: Joseph-W. ReutterDer komplette mit Profilblechen verkleidete Hallenteil und das Dach drehen sich mit dem Lauf der Sonne.Auf das 700 Quadratmeter große Dach des unverwechselbaren Gebäudes

In Obercastrop wird Innovation groß geschrieben. Oder besser rund. Auf dem Hof von Gregor Knickenberg entsteht der erste Sündreyer weit und breit - eine runde Halle mit vielen Solarzellen auf dem Dach. Der Clou: Das Dach dreht sich und folgt dem Lauf der Sonne, von Ost nach Süd, von Süd nach West. Deshalb produziert ein Sündreyer bis zu 25 Prozent mehr Strom als eine herkömmliche Photovoltaik-Anlage.

Sonnenenergie an sich ist auf Knickenbergs Reiterhof ein alter Hut. Zwei kleinere Solarstromanlagen betreibt der 46-jährige Landwirt schon an der Bochumer Straße - eine mit 26 Kilowattpeak Spitzenleistung und eine mit 34 Kilowattpeak. Den Strom speist er komplett in das Netz der RWE ein. "Wir haben auf unseren Ställen die großen Dachflächen, da war Solar eine naheliegende Option", erklärt Knickenberg und spekuliert mit dem Langzeit-Nutzen der Anlagen: "In 15 Jahren bessert der Strom meine Rente auf." Er schmunzelt.

Bauern von heute sind hart kalkulierende Unternehmer, keine Hinterwäldler. Erneuerbare Energien sind für Knickenberg und seine Zunft genau so wichtig wie Ackerbau oder Pferdezucht. Dementsprechend nüchtern hat er die Kosten der Sündreyer-Konstruktion gegengerechnet. In 20 Jahren soll sich die Gesamtinvestition von etwa 700 000 Euro amortisieren.

Beeindruckende 24 Meter Durchmesser hat die Rundhalle, in der demnächst 18 von Knickenbergs 100 Pferden stehen werden. An der Stirnseite ist sie 12,60 m hoch, 700 Quadratmeter misst das Dach - immerhin ein Zehntel eines Fußballfeldes. Dass der kom-plette obere Hallenteil alle 20 Minuten einen Meter wandert, werden die Vierbeiner darunter kaum merken. Leise, mit Solarstrom betriebene Motoren bewegen einen Drehkranz in knapp vier Metern Höhe. Sie laufen voll automatisch, computergesteuert von aktuellen Satellitenkoordinaten. Der mit Profilblechen verkleidete drehbare Hallenteil und das Dach ruhen auf 14 Stahlträgern, die strahlenförmig auf eine dicke Stahlbetonsäule in der Mitte zulaufen. Sturmsicher sei die Konstruktion auf jeden Fall: "Die kommt von der Küste. Und da ist mehr Wind als hier", sagt Gregor Knickenberg im Brustton der Überzeugung. In einem Fachblatt erfuhr er vom Sündreyer-Prinzip und wurde neugierig. Nach der Besichtigung einer Anlage im niedersächsischen Hameln war klar: Das passt.

Die Obercastroper Anlage ist erst die achte ihrer Art in Deutschland. Ende Juni, passend zum ersten Azorenhoch, soll sie in Betrieb gehen. Die Befestigungsschienen für die Solarmodule liegen schon, nächste Woche werden die schwarzen Siliciumplatten angebracht. "Es gibt Lieferengpässe, in Spanien ist die Nachfrage explodiert." Aus Knickenberg spricht der Solar-Experte. Im Idealfall soll seine Anlage bis zu 120 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren - so viel, wie 43 Zweifamilienhaushalte verbrauchen. Zwischen den Sparren und Balken der Dachkonstruktion verlegt ein Elektriker Kabel. Der Bauherr blickt nach oben. "Das ist viel toter Raum. Aber den nutzen wir auch noch." Bestimmt.

Von David Mache

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