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So depressiv sind die Castrop-Rauxeler

30.01.2015 | 12:31 Uhr
Im Kreis Recklinghausen fehlte 2013 jeder Erwerbstätige rund 1,3 Tage in seinem Job. Der Grund: Depressionen.
Im Kreis Recklinghausen fehlte 2013 jeder Erwerbstätige rund 1,3 Tage in seinem Job. Der Grund: Depressionen.Foto: dpa

Castrop-rauxel.  Depression ist die häufigste Ursache für eine Krankschreibung - das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse hervor. Im Kreis Recklinghausen fehlte 2013 deswegen jeder Erwerbstätige im Schnitt 1,3 Tage in seinem Job. Was nach wenig klingt, ist im Vergleich mit anderen Städten und Kreisen in NRW aber ein hoher Wert.

So waren beispielsweise Menschen in Münster im Schnitt nur 1,1 Tage und im Kreis Siegen-Wittgenstein nur rund 0,8 Tage wegen einer Depression krankgeschrieben. Die Einwohner in Hertford bringen es wegen einer Depression im Schnitt sogar nur auf 0,7 Fehltage.

Für Professor Udo Bonnet, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen Krankenhaus(EvK), sind diese Zahlen nicht sonderlich überraschend: "Eine Ursache für Depression sind hoher Alltagsstress und schnelle Veränderungsprozesse, bei denen viele nicht mehr mitkommen können", sagt er.

Zudem führe die andauernde Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt bei einigen zu psychiatrischen Erkrankungen. Besonders hoch aber seien Depressionen in Städten: Die hohen Arbeitslosen- und Schuldenquote, wie das im nördlichen Ruhrgebiet der Fall ist, fördern bei viele Depressionen.

Die Grafik zeigt die Anzahl der ausschließlich durch Depressionen erwirkten Fehltage in Nordrhein-Westfalen. Rot eingefärbt sind alle Städte und Kreise über dem NRW-Schnitt von 1,12 Tagen pro Jahr. Der bundesdeutsche Schnitt liegt bei ziemlich genau einem Tag pro Jahr.

Schnelle Hilfe können Betroffene in Selbsthilfegruppen finden

Dennoch sind Depressionen nicht unvermeidbar, wie Bonnet sagt: "Äußere Umstände lassen sich immer ändern." Besonders aber müsse sich die Erwartungshaltung der Menschen ändern. Ein entscheidender Punkt dabei sei eine feste Grenze zwischen Freizeit und Beruf, Entspannung und Stress zu finden.

Beim ersten Auftreten ernster Symptome sei es daherwichtig sich Hilfe zu suchen. Zu den Symptomen zählen. "Antriebsverlust, Schlafstörungen aus Sorgen vor dem nächsten Arbeitstag, das Morgentief und pessimistisches Denken", so Bonnet.

Schnelle Hilfe können Betroffene oftmals in Selbsthilfegruppen finden. "In einer Selbsthilfegruppe wie unserer findet man natürlich immer einen Platz", sagt Jan Justrie von der Depressionsselbsthilfe in Recklinghausen. Wenn es jedoch umeine ärztliche oder psychologische Behandlung geht, sieht es schon schwieriger aus.

Ganz ausrotten werde man Depressionen nicht können

"Wenn man sich morgens beim Arzt reinsetzt, kann man das Glück haben, dass man dann nach sechs Stunden drankommt", sagt Justrie. Auf einen Termin müsse man im Schnitt drei Monate warten, auf eine Therapiemaßnahme oft ein halbes bis dreiviertel Jahr.

Wegen der langen Wartezeiten suchen deshalb vielleicht auch nur wenige Menschen professionelle Hilfe auf. "Wir gehen davon aus, dass überhaupt nur 30 Prozent der an einer Depression erkrankten Menschen zum Arzt gehen", sagt Udo Bonnet.

Doch auch wenn sich mehr Menschen in Therapie begeben würden, ganz ausrotten werde man Depressionen nicht können: "Die Erkrankung wird ein Symptom der Menschen bleiben."

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Benjamin Hahn

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So depressiv sind die Castrop-Rauxeler
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http://www.derwesten.de/staedte/castrop-rauxel/so-depressiv-sind-menschen-in-castrop-rauxel-id10291139.html
2015-01-30 12:31
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