Schwein gehabt
25.11.2009 | 17:47 Uhr 2009-11-25T17:47:00+0100
Die beiden Therapieschweine Felix und Rudi besuchten gestern das Seniorenzentrum Ickern.
„Am schönsten war der Wursttag”, erinnert sich Adelgunde Bleckmann. Wie viele der Bewohner des AWo-Seniorenzentrums Ickern waren Schweine in ihrer Jugend sehr präsent. Heute, da sieht man kaum mehr ein Borstenvieh – doch, diesmal sogar zum Greifen nah: Die Therapieschweine Felix und Rudi, zwei ausgewachsene Zwergeber, besuchten gestern das Altenheim. Und das war keineswegs eine Schweinerei!
Schweinebesitzer Daan Vermeulen ist gebürtiger Holländer und Physiotherapeut. Die Zwerg-Paarhufer schafften sich die Vermeulens einst als Haustiere an, weil sie eine Katzenallergie hatten und keine Zeit für Gassigänge mit einem Hund. So zogen vor vier Jahren die Zwergschweine ins Heim, sauber gebürstet, zumeist vegetarisch gefüttert. „Von Fleisch pupsen sie so viel”, sagt Vermeulen. Inzwischen sind Felix und Rudi sein großes Kapital. Regelmäßig stolzieren sie über eine Rampe in seinen Jeep und machen Deutschlands Altenheime mobil. „Ich bin bislang der einzige, der mit seinen Schweinen unterwegs ist”, sagt Daan Vermeulen. Aber ein Schwein ist eben herrlich normal und doch ungewöhnlich, und das ist sein Vorteil gegenüber den vielen Besitzern von Therapiehunden.
In einem Altenheim in Wanne-Eickel lernte Angelika Köpping vom Ickerner Seniorenzentrum Vermeulen kennen und so wurden die Schweine für einen Nachmittag gebucht. Nur einige Heimbewohner konnten zu dem Nachmittag gehen. „Wir haben die ausgesucht, die sonst selten aus sich heraus gehen”, sagt Angelika Köpping.
Hedwig Tarn ist so eine. Die alte Dame spricht fast nie, jetzte aber schmunzelt sie über die zwei gemütlichen Borstenviecher, über Felix der sich erst einmal mitten im Raum auf eine Decke legt, um ein Nickerchen zu machen, und Rudi, der begeistert mit dem Schwänzchen wedelt, und ab und zu grunzt.
„Mein Gott, sind die groß”, sagt eine alte Dame. „Aber ein richtiges Hausschwein kann 300 Kilo wiegen”, belehrt sie Daan Vermeulen. „Kommen die jetzt in die Pfanne?”, fragt ein Herr. Na! Da hat wieder einer das Prinzip nicht verstanden! „Die gehören zur Familie. Die legen sich zu uns vor den Kamin und kuscheln.”
Sehr interessiert die Heimbewohner die Sache mit Pipi und Aa (wird auf Kommando draußen gemacht) und dem Gestank? „Riechen Sie mal, Frau Feldkamp”, sagt Daan Vermeulen. Huch! Die Seniorin schnuppert und riecht – nichts.
Felix' Nickerchen endet abrupt, als eine Möhre die Runde macht. Eine Oma schwingt gekonnt das Küchenmesser, die Möhrenscheiben dürfen die anderen mit spitzen Fingern verfüttern. Es schnurpst und schmatzt. „Schweine sind sehr verfressen”, sagt Daan Vermeulen. Aber das kennen die meisten ja. „Das Wurstmachen”, schwärmt Adelgunde Bleckmann noch immer, „das war damals ein Festtag”.
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