Schilder-Rätsel von Castrop-Rauxel ist aufgeklärt

"Herzlich Willkommen im Luftkurort Schwerin" - dieses Schild sorgte vor über 40 Jahren in der Nähe der Castrop-Rauxeler Zeche für Schmunzeln - bis es verschwand. Vor einigen Tagen tauchte nun ein leerer Schilder-Rahmen auf. Nach näherer Recherche zur Herkunft des Rahmens führte die Spur jedoch in eine ganz andere Richtung.

Castrop-rauxel.. Jürgen Osthaus hat einen Schritt nach vorn und dann verblüfft zwei Schritte zurück gemacht: Als der Schweriner zum Einkaufen auf den Altstadtmarkt gehen wollte, traute er seinen Augen nicht. Am Mäuerchen vor dem BoGi‘s an der Leonhardstraße entdeckte er einen leeren Schilderrahmen.

Eine erste Vermutung führt mehr als 40 Jahre in die Vergangenheit. Dabei geht es um das Originalschild vom Luftkurort Schwerin. Aufgestellt als kleiner Streich. Denn dass Schwerin damals alles andere als ein Luftkurort war, ist noch bekannt. Auch wenn Zeche und Kokerei von Graf Schwerin da schon Geschichte waren.

Bis Mitte der 1970er-Jahre hat dieses Schild an der Bodelschwingher Straße gestanden. Bis es wohl bei Nacht und Nebel verschwand. Und keiner so richtig weiß, ob es in einem Partykeller landete oder vielleicht doch die bösen Buben aus Bodelschwingh den ungeliebten Nachbarn eins auswischen wollten.

Abgleich mit Foto sorgte für Zweifel

Der 71-jährige Jürgen Osthaus selbst hat bei der Herstellung des historischen Schildes mitgewirkt und meint deshalb, das Schild als seine Arbeit wiederzuerkennen: "Die geschmiedeten Bögen erkenne ich, das ist meine Handschrift."

Er fragt sich, wie lange der leere Rahmen mitsamt dem Schaft wohl schon an diesem Standort stehen mag. In der kleinteiligen Pflasterung auf dem Boden gibt es keinen Hinweis, dass dort gebuddelt worden wäre. Früher stand dort das rote Telefonhäuschen aus der englischen Partnerstadt Wakefield, vielleicht ist der Schilderrahmen auch deshalb nicht aufgefallen.

Aber als Jürgen Osthaus in unserer Redaktion ein Original-Foto des "Luftkurort"-Schilds an der Bodelschwingher Straße sieht, ist ihm klar, dass der Rahmen nicht seine Handschrift trägt. "Ich wollte mich wirklich nicht mit fremden Federn schmücken", versichert er. Er hat noch mal nachgedacht und erklärt seinen Irrtum: "Das muss tatsächlich 43 Jahre her sein" - und der Schweriner hat solche Schilder zu vielen Dutzenden auf dem Pütt geschmiedet.

Welche Geschichte tatsächlich hinter dem Rahmen steckt, erfahren Sie auf der zweiten Seite dieses Artikels.

Doch woher stammt nun der alte Rahmen? Ulli Müller, der Chef der Sportjugend und langjährige Mitarbeiter im Team Jugendarbeit der Stadt, hat den ersten Tipp auf Wakefield, die englische Partnerstadt, gegeben. Edith Delord, bei der Stadt für Partnerstädte zuständig, weiß noch ziemlich genau, dass sie Ende 1984/Anfang 1985 das Schild im Auftrag des Städtepartnerschaftsbüros bei einer Castrop-Rauxeler Firma in Auftrag gegeben hat.

Anlass war die Benennung des Platzes am Jugendzentrum zum Wakefield-Square. "Weil der britisch-deutsche Jugendaustausch der Motor der Städtepartnerschaft zu Wakefield war", erinnert sich Edith Delord.

Die Stadt Wakefield hatte Castrop-Rauxel eine englische Telefonzelle und einen Briefkasten zum 35. Geburtstag geschenkt. "Daraufhin haben wir dieses Schild fertigen lassen", so Delord. Offiziell eingeweiht wurde dieser Platz am 24. März 1985 - mit einer Delegation aus Wakefield und Bürgermeister Hugo Paulikat.

Beide Schilder waren schnell verschwunden

Ganz genau weiß Gerhard Tekath, was es mit dem Schilderrahmen auf sich hat. Denn er ist sozusagen seiner. Der gelernte Landmaschinenschlosser, der 1978 bei der Stadt anfing, fuhr mit dem Rahmen zu einer Baubeschlagsfirma nach Essen, besorgte die Bögen und fabrizierte die Gesamtkomposition. Der mittlerweile verstorbene Hermann Büchte habe den Schaft noch altdeutsch angestrichen.

"Das eigentliche Schild", weiß der 73-Jährige, "war schon nach wenigen Wochen verschwunden." Vermutlich genauso in einem Partykeller wie das Schild vom Luftkurort Schwerin. Das hat übrigens 2010 einen Nachfolger bekommen. In Erinnerung an den Streich steht an der Mengeder Straße ein neues "Luftkurort Schwerin"-Schild.

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