Sartre gelebt, nicht gelesen

Er tänzelt, windet sich, breitet die Arme aus, fährt sich durch die Haare. Als Christian Brückner Jean Paul Sartre liest, steht ein bewegter und bewegender Mann auf der Bühne des Ruhrfestspielhauses. Der Mann, der sein Publikum allein mit seiner Stimme fesseln kann, hat so viel mehr zu bieten als schöne Akustik. In Sartres Text, eine Passage aus seinem Buch „Die Wörter“, geht es darum, wie er zum Lesen und später zum Schreiben gekommen ist; wie er die Welt der Bücher und der Ideen kennengelernt, wie er sie als „Heiligtum“ erlebt hat. Schwere Kost, spannend serviert, so lässt sich Brückners Vortrag und Schauspiel zusammenfassen. Als etwa eine Stunde vergangen war, legte Brückner die Sartre-Rolle ab, sprach das Publikum direkt an: „Sagen Sie, ich lese und lese hier ... Wie viel Zeit ist vergangen? Wie spät ist es?“ – „Sie lesen seit einer Stunde“, rief jemand aus der ersten Reihe hinauf. Brückner lächelte charmant. „Ah, dann gönnen wir uns jetzt eine Minute zum Luft holen. Und dann geht’s weiter.“