Rund-um-die-Uhr-Betreuung in Castrop-Rauxel?

Ein gemeinsames, selbst zusammengestelltes Frühstück soll es in Fabido-Kitas nur noch in Ausnahmefällen geben.
Ein gemeinsames, selbst zusammengestelltes Frühstück soll es in Fabido-Kitas nur noch in Ausnahmefällen geben.
Foto: Archivfoto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Idee von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), die Öffnungszeiten von Kitas an die neuen Bedürfnisse der Eltern anzupassen, ist nicht wirklich neu. Auch im Parteiprogramm der SPD Castrop-Rauxel werden Überlegungen ähnlicher Art angestellt - nicht zur Freude der Kita-Angestellten.

Castrop-Rauxel.. Rund um die Uhr, so verlautete es in diesen Tagen aus Berlin, könnten kommunale Kindertagesstätten bald geöffnet sein. Klingt zunächst vielversprechend. Schließlich ist das Verhältnis von Wirtschaft und Familie ein angespanntes. Kindertagesstätten dienen als eine Art Vermittler. Doch welche Rolle sollen sie im Leben von Eltern und Kindern wirklich einnehmen? Und wie gehen die Angestellten der Kommunen damit um?

In dieser Frage scheiden sich die Geister. "Öffnungszeiten der kommunalen Kitas bis 16 Uhr nutzen nichts, wenn die Eltern im Schichtbetrieb arbeiten, zum Beispiel im Krankenhaus", sagt die stellvertretende Parteivorsitzende der SPD Castrop-Rauxel, Sabine Seibel. Es sei eine Ur-Forderung der Sozialdemokraten, dass Kinderbetreuung auch zu den Randzeiten möglich sei. Die Kernzeiten liegen zwischen 7.30 und 16.30 Uhr.

Frage der Kosten

Letzteres sieht auch Kerstin Fromm von der AWO so. Die Fachbereichsleiterin der AWO-Kitas im Kreis Recklinghausen, verantwortlich für vier Einrichtungen in Castrop-Rauxel, schränkt aber ein: "Es ist zunächst eine Kostenfrage. Wir könnten die zusätzlichen Kosten nicht über das Kinder- und Bildungsgesetz finanzieren. Das müsste aus anderen Mitteln bezahlt werden." Dennoch, so betont Fromm, sei die AWO als Träger einiger Kitas zu Gesprächen mit der Kommune bereit.

Bürgermeister Johannes Beisenherz verwies in Bezug auf die Finanzierung auf ein einfaches Prinzip: "Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen." Kurz: Will Schwesig längere Öffnungszeiten, dann müssen die Kommunen entlastet werden. Dass ein Bedarf für längere Öffnungszeiten bestehe, glaubt auch Beisenherz.

Indes verweist AWO-Bereichsleiterin Fromm auf einen weiteren Diskussionspunkt: "Ich glaube nicht, dass es kindgerecht ist, wenn sie von früh morgens bis spät abends in der Kita sind." Wichtiger sei in diesem Zusammenhang ein Ausgleich zwischen Arbeit und Familie.

Kindgerecht handeln

Dieses Prinzip müsste dann allerdings auch für die Erzieherinnen und Erzieher gelten. "Die Bereitschaft der Erzieher muss geprüft werden. Es würden vermutlich ein bis zwei Kitas geöffnet und es käme zu Spät- und Nachtschichten", sagt Seibel. Wie man das den kommunalen Angestellten nach langen Streikwochen vermitteln will, bleibt offen. "Es muss auf Freiwilligkeit basieren", so Seibel. Wie das aussehen soll, müsse geklärt werden. In den vergangenen Tagen war jedenfalls zu vernehmen, dass sich die SPD einige Kritik aus den Reihen der Erzieher gefallen lassen musste.