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Ruhe im Grünen

28.08.2007 | 00:26 Uhr

Rüdiger Melzner nimmt zum siebten Mal an der Bundesgartenschau teil. In diesem Jahr findet die BUGA in Gera statt. Ideen für Grabmalgestaltung fallen dem Friedhofsgärtner spontan ein

Es wird gezupft und getupft, geschnitten, gelegt, der Rand abgesaugt und abgefegt. Hier handelt es sich jedoch nicht um eine Dame im Schönheitssalon, sondern um ein Blumenbeet, genauer noch: um ein Grab. Rüdiger Melzner, Inhaber von Blumen Melzner, nimmt zum siebten Mal an der Bundesgartenschau teil - in diesem Jahr in Gera. Mit Eifer und Elan - für beides ist er bei den Kollegen berüchtigt - kümmert er sich um seine Ausstellungsfläche.

Früh morgens geht es los. Bis nach Gera ist es schon ein Stück zu fahren. Dort angekommen, begutachtet er zusammen mit Mitarbeiterin Anette Becker erst seine Fläche, dann die der anderen Gärtner. Mit der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstbepflanzung gilt es die insgesamt drei Goldmedaillen im Bereich Grabmalgestaltung zu gewinnen.

Auch einige Kollegen sind schon fleißig bei der Arbeit. "Na wieder da?", schallt es zu ihm herüber. Wer meint, hier herrsche ein knallharter Konkurrenzkampf, liegt falsch. "Wir kämpfen nicht gegeneinander, sondern gegen die Anonymität", sagt Rüdiger Melzner. Denn nicht nur er muss sich derzeit mit dem Trend der anonymen Bestattung befassen: "Ich kann das nicht verstehen. Das sind Menschen, mit denen man zusammengelebt hat. Da braucht man doch eine Stelle, an der man eine Beziehung aufrecht erhalten kann." Gedankenversunken ruft Rüdiger Melzner erst einmal die Kollegen an, die heute nicht vor Ort sind, klärt sie über den Zustand ihrer Grünflächen auf.

Währenddessen fängt Anette Becker schon einmal mit den groben Arbeiten an. Einem Laien fallen die ausbesserungswürdigen Stellen am Grab nicht auf. Doch Rüdiger Melzners wachsamen Augen entgeht nichts: Einige kleine Pflänzchen werden nachgesetzt, die bodenbedeckenden Pflanzen nach geschnitten und Zweige abgezwackt. Melzner ist BUGA-erfahren, er kennt Rostock, Magedeburg und München, jetzt Gera.

Mittlerweile tröpfelt es ein wenig, doch Anette Becker und Rüdiger Melzner halten sich sechs Stunden an beiden Grabflächen auf. Denn Blumen Melzner bestreitet den Wettbewerb mit einem zweistelligen und einem Urnengrab. Zwischendurch kommen immer wieder interessierte Besucher, die sich nach der Pflanzenart erkundigen oder Tipps erbitten. Die Ideen für die Grabgestaltung fallen Rüdiger Melzner eher zufällig ein: "Uns werden Grabsteine zugelost, denn unter den Steinmetzen gibt es auch noch einmal einen Wettbewerb." Dann macht sich der Friedhofsgärtner seine Gedanken.

Trotz der vielen Arbeit und der Fahrerei möchte der Gärtnermeister die BUGA nicht missen: "Der Ehrgeiz, unter den besten Friedhofsgärtnern zu beweisen, was man kann, ist einfach da." Außerdem genießt er den Austausch mit den Kollegen, die einmal nicht wie daheim im direkten Konkurrenzkampf stehen. Außerdem sind aus den vielen Teilnahmen bei der BUGA langjährige Freundschaften entstanden - sogar bis nach Rostock. "Dort sind wir mit einem älteren Ehepaar befreundet, das uns oft besucht."

Um 18 Uhr ist dann Schluss mit dem Herrichten der Gräber für die anstehende Sommerbewertung. Bald folgt die Herbstbepflanzung. "Heute war es gar nicht so lang", meint Rüdiger Melzner und schmunzelt danach. "Beim letzten Mal waren wir von morgens zehn bis abends um acht in Gera."

Von Denise Rzeha


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