Rülps doch
10.11.2009 | 18:14 Uhr 2009-11-10T18:14:00+0100
Stinkig, laut und anarchisch: Die harmonisierend-mülligen Olchis räumen kräftig auf.
„Tankred hat schon so viele tolle Sachen gemacht und jetzt das Ding hier, das wird richtig knackig.” WLT-Intendant Sebastian Heindrichs ist voll des Lobes über seinen musikalischen Direktor Tankred Schleinschock (Inszenierung) und freut sich wie ein Schneekönig auf den jüngsten Clou seiner Kinder- und Jugendtheatersparte. „Die Olchis räumen auf” heißt es am Sonntag, 15. November, wenn um 15 Uhr der Premieren-Vorhang in der Stadthalle aufgeht.
Und dann dürfte das Toben der Kleinen ab fünf Jahren und auch der Altersklassen darüber kein Ende mehr nehmen, denn in einer comicbunten Theaterversion toben die Olchis über die Bühne und sorgen mit Leibeskräften dafür, dass einmal so richtig gefurzt und gerülpst wird.
Wie bitte? Unterirdisches Benehmen in der Öffentlichkeit? Aber natürlich, besonders wenn die Figuren riesig-grüne Knollennasen und Antennenhaare tragen und es lieben, gewaltige Mengen Müll zu fressen. „Ein bisschen mehr Rotz, Ungezwungenheit und Innovation könnte uns allen nicht schaden”, sagt Sabrina Bohl, Kinder- und Jugendtheater-Dramaturgin und schürt das Feuer weiter mit der Frage: „Wieso sich von Konventionen einengen lassen, wenn Quatsch mit Tiefgang doch soviel Spaß machen kann?”
Und das schon von Kleinkinderbeinen an, denn „die Olchis sind Pflichtlektüre in den Kindergärten, ja, die lieben da die Olchis”, weiß Günter Wohlfarth (Kaufmännischer Direktor des WLT). Und wer die Olchis in Buchform mag, der wird erst recht auf die Bühnenfassung abfahren. Allein das Reservierungsverhalten spricht hier Bände. Wohlfarth: „Derzeit liegen landesweit bereits 35 Buchungen vor.” So gibt es vier Termine hintereinander in Rheine und zwei in Marl, allesamt in großen Häusern. Wohlfahrth: „Wer die Premiere hier sehen will, muss sich sputen. Es gibt nur noch wenige Karten.” Damit haben die Olchis beste Chancen, zu einem echten Dauerbrenner zu werden.
Und das zu recht, denn dem Publikum wird eine fantastische einstündige Musical-Show vom Allerfeinsten geboten. Vorgelegt wird ein „irres Tempo”, so Schleinschock, der zudem Marc Mahn, zuständig fürs Bühnenbild, über den grünen Klee lobt. „Der Mann ist Trickfilmer, Puppenspieler, unglaublich kreativ und dabei bescheiden und fürsorglich.” Bei den Olchis hat er für „ein unglaublich tolles Bühnenbild gesorgt”. Schleinschock: „Ich habe es selten erlebt, dass jemand so wunderbare und pfiffige Ideen hat.”
Das Stück selbst gibt sich sehr anarchisch. Immerhin machen die Olchis ja Dinge, die Kinder eigentlich nicht dürfen – wie furzen und rülpsen. Gleichwohl verläuft alles recht harmonisch. Schleinschock: „Das sind keine Flodders, wo alles kaputt ist. Im Gegenteil, die halten zusammen, befeuern sich gegenseitig, sind auf ihre Art unglaublich lieb. Kurzum, sie sind eine harmonisierende, müllige Familie.”
Und auch die Musik darf mit dem vielstrapazierten Wörtchen „toll” versehen werden. Sämtliche Stücke sind mit Original-Instrumenten wie Tuba, Posaune oder Schlagzeug vorher eingespielt worden. Das ist so gar nicht üblich, denn meistens wird der Klang zum Stück auf dem Synthesizer erzeugt. Die Schauspieler wiederum – mit dabei sind Gerrit Pleuger, Stefan Leonard, Vera Marhold, Alexander Leder und Denise Elsen – singen live auf der Bühne.
Und damit die Kleinen auch bestens aufs Stück vorbereitet sind, haben die WLT-Theaterpädagogen im Vorfeld eine umfangreiche Vorbereitungsphase gestartet. In den Schulen wurden die Themen Familie und Zusammenhalt sowie Müll besprochen und die Wiederverwertung von Gegenständen wie Instrumentenbau aus Dosen in kreativer Eigenproduktion erfahrbar gemacht.
Weitere Termine: Donnerstag, 10. Dezember, 9 und 11.30 Uhr sowie Freitag, 11. Dezember, 9 und 11.30 Uhr. Karten und weitere Infos: 97 80 20.
Zum Inhalt: Die kleine Stadt Schmuddelfing hat ein Problem: Die Bewohner wissen nicht mehr wohin mit dem Müll. Das hübsche Städtchen droht im Dreck zu ersticken.
Da entdeckt der Bürgermeister die Lösung des Problems: Er beobachtet, wie ein grünes Wesen mit drei Hörnern und einer Knubbelnase sich über den Abfall hermacht. Klar, denn das grüne Wesen ist ein Olchikind, und für Olchis gibt es nun einmal nichts schöneres, als Müll und Dreck. Deshalb werden Olchivater, Olchimutter und das Olchikind eingestellt, um den Müll in der Stadt aufzufressen.
Aber bald schon häufen sich die Beschwerden verstörter Bürger. Denn nicht immer können die Olchis so ganz unterscheiden, was Müll ist und was noch gebraucht wird. Und so verschwindet das ein oder andere Bündel schmutziger Wäsche oder auch mal eine ganze Tankfüllung in einem hungrigen Olchimagen.
Als die Olchis schließlich auch noch anfangen, Geldscheine aufzufressen, ist es für den Bürgermeister höchste Zeit zu handeln und mit den Olchis mal ein ernstes Wort zu reden. Doch diese zeigen sich zunächst uneinsichtig. Daher sieht sich der Bürgermeister gezwungen, zu seinem „Plan P” zu greifen. . .
Seit Jahren sind die inzwischen 16 Bände rund um die Olchis aus keinem Kinderzimmer mehr weg zu denken. Autor Erhard Dietl hat das Kinderbuch „Die Olchis räumen auf” selbst für die Bühne dramatisiert. Zusammen mit der Musik von Walter Kiesbauer ist so ein äußerst turbulentes Musical entstanden, das kleinen und großen Zuschauern gleichermaßen Spaß bereitet.
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