"Rock im Revier": Eskimo Callboy droht Konzertabsage

Die Castrop-Rauxeler Band Eskimo Callboy hat mit ihrem neuen Werk "Crystals" erneut die Top-Ten der deutschen Album-Charts geentert - und sollte im Mai beim Festival "Grüne Hölle" spielen. Nachdem das kurzfristig in die Schalke-Arena verlegt wurde, fürchtet die Band die Absage ihres Auftritts. Warum, hat Sänger Kevin Ratajczak im Interview verraten.

Castrop-rauxel.. Herr Ratajczak, das Vorgängeralbum "We are the mess" war Anfang 2014 auf Platz acht der deutschen Charts eingestiegen. "Crystals" hat nun auf Anhieb den sechsten Platz belegt. Konnten Sie mit einer erneuten Top-Ten-Platzierung rechnen?

Ehrlich gesagt: nein. Wir haben haben ja einen Label-Wechsel hinter uns. Ein Major-Label arbeitet mit ganz anderen Möglichkeiten. Am Abend, als wir das erfahren haben, waren wir erst mal baff. Wir hatten nicht damit gerechnet, weil wir nicht durchschaut haben, was das Label im Hintergrund tut. Das arbeitet, wie eine Maschine. Wir waren sogar in der Formel-1-Werbung von RTL zu hören. Die allgemeine Wahrnehmung wächst.

2014 waren Sie kurzzeitig einen Platz hinter Robbie Williams, nun stehen Sie zwischen dem Blues-Album von Joe Bonamassa "Muddy Wolf At Red Rocks" auf dem fünften Rang und dem Soundtrack des Kinofilms "Shades of Grey"...

Da ziehen wir uns gerade dran hoch (lacht). Wir waren nie eine Band, die viel Wert darauf legt, in den Charts zu sein. Diesmal hatten wir mit der Tour so viel Stress, dass die Meldung nebenbei kam. Wir haben zwar darauf angestoßen, aber es ist doch irgendwie untergegangen. Letztes Mal bin ich noch extra zum Kiosk gegangen und habe mir den entsprechenden Platz schriftlich geholt. Für das neue Album hole ich das noch nach. Vielleicht bleibt das nicht immer so. Aber ich liebe Erinnerungen.

Wie sehr hatten Sie und ihre Band-Kollegen die Top-Ten-Platzierung des Vorgängers im Hinterkopf, als sie am Nachfolger-Album geschrieben haben?

Gar nicht. Da bin ich wirklich ehrlich. Wir hatten ganz andere Probleme zu dem Zeitpunkt. Nach dem Label-Wechsel hatten wir uns erst mal in neue Strukturen einzuarbeiten. Daher waren wir damit beschäftigt, wir zu bleiben. Wir haben weniger Kompromisse gemacht, als gefordert wurden. Live macht das neue Album richtig Spaß. Daher freuen wir uns riesig auf die Festivals in diesem Jahr. Ein Traum von mir wäre noch, mit einem Album mal auf Platz eins zu kommen. Man muss ja ein Ziel haben (lacht).

Für das Festival "Der Ring - Grüne Hölle Rock" ist Ihre Band gebucht. Nun ist es ja vom Nürburgring in die Arena des FC Schalke 04 verlegt worden. Wie haben Sie diesen Wechsel des Veranstaltungsorts aufgenommen?

Das war ganz schwierig. Was macht man jetzt mit den ganzen Bands? Könnte sein, dass wir den Kürzeren ziehen, und ausgeladen werden, da wir nicht in einer Riege mit den Headlinern des Festivals stehen. Noch ist da nichts passiert. Vielleicht dürfen wir ja doch spielen.

Gibt es bei Eskimo-Callboy vielleicht auch Schalke-Fans, die sich über einen Auftritt in Gelsenkirchener Arena freuen würden?

Unser Bassist, Daniel Klossek, ist absoluter Fan, wir nennen ihn manchmal Schalke. Ich bin auch Fan, seit der Grundschule, in einer Familie voller Dortmund-Fans.

Das ist Eskimo Callboy:

  • Nachdem die ersten Alben von Eskimo Callboy bei Redfield Records erschienen waren, hat die Combo inzwischen bei Airforce One, einem Sub-Label von Universal, unterzeichnet.
  • "Crystals" ist das dritte Album der Castrop-Rauxeler Band Eskimo Callboy, das vierte, wenn man die EP "Eskimo Callboy" von 2010 mitrechnet.
  • Eskimo Callboy bestehen seit 2010. Der Stil der Band ist eine Mischung aus Metalcore, Trancecore und Post-Hardcore.
  • Manche Texte der sechsköpfigen Gruppe sind umstritten. Während Kritiker ihr Ressentiments gegenüber Frauen und gesellschaftlichen Minderheiten vorwerfen, will sie es satirisch verstanden wissen.
  • "Der Ring - Grüne Hölle Rock" nannte sich das neue Festival auf dem Eifel-Rundkurs, nach dem Ende von "Rock am Ring". Nun geht auch die Nachfolgeveranstaltung nicht in der Eifel über die Bühne, sondern im Stadion des FC Schalke unter dem Namen "Rock im Revier".