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Riesenandrang vorm Bürgerbüro

13.08.2012 | 19:17 Uhr
Riesenandrang vorm Bürgerbüro

Castrop-Rauxel. Von einem Normalzustand kann im Bürgerbüro noch nicht die Rede sein. Hoher Krankenstand sorgt weiterhin für lange Wartezeiten. Doch es gibt Hoffnung auf Besserung.

Für den Castrop-Rauxeler ist das Bürgerbüro in der Rathaussektion D das Einfallstor zur Verwaltung. Es ist der Bereich der Stadtverwaltung, mit dem der Bürger am häufigsten in Berührung kommt. Wenn es hier klemmt, dann werden die entsprechenden Veränderungen auch am ehesten wahrgenommen. Und es klemmt hier – momentan sogar noch ganz gewaltig.

Dezernent Michael Eckhardt: „Immer noch besteht ein hoher Krankenstand unter den Mitarbeitern.“ Von einem Normalzustand kann also im Bürgerbüro, in dem gerade die Pflichtleistungen einer Verwaltung erledigt werden, deshalb noch nicht die Rede sein. Gleichwohl scheint leichte Entwarnung am Horizont sichtbar. Beigeordneter Eckhardt: „Es wird nicht gut, aber besser.“

Alles nur wegen eines Ausweises

In der Tat herrscht vorm Bürgerbüro ein Riesenandrang. Die Menschen sitzen und stehen in der Sonne, teilweise auch auf dem Rasen vor dem Rathaus. Sie bevölkern das Treppenhaus, hocken auf den Stufen fast bis zur nächsten Etage und natürlich ist der mit Stühlen ausgestattete Wartebereich in einem Mauer-Erker komplett belegt.

Die Stimmung? Irgendwo zwischen verschnupft, schwer genervt und resignierend. Mit ihrer Freundin genießt Yelena Ledda die Augustsonne – leider unfreiwillig. In der Hand hält sie ihre Wartemarke. „Hier, ich habe die Nummer 103. Aufgerufen wurde gerade die 77.“ Also mächtig viel Luft dazwischen. Und Ledda sagt denn auch: „Das ist mühsam, das Warten, und das alles nur wegen eines Personalausweises.“

Doch gerade der hat es in sich: Neu sind Online-Funktionen und Fingerabdruck, Dinge, die die Bearbeitungszeit extrem erhöhen, zumal vielfach Beratungsbedarf bei den Bürgern ob der Änderungen besteht. Derweil übt sich Dieter Knauf in Geduld. „Ich bin noch lange nicht dran.“ Er steht im Treppenhaus und zählt vor: „50 Minuten Wartezeit sind rum, weitere 40 werden es wohl werden. Ärgerlich, denn die Zeit kann man ja für anderes nutzen.“

Ute Orwat sitzt mit Mutter Irma Nowak im engen Wartebereich. Die Nummer 127 sorgt nicht gerade für Heiterkeit. Die beiden rechnen mit zwei bis drei Stunden, die sie warten müssen. „Aber was soll man machen. Sauer sein bringt uns doch auch nicht weiter.“

In sicheres Fahrwasser kommen

Den Unmut können Eckhardt und Heinz Kirstein, Leiter des Bürgerbüros, nur zu gut verstehen. Kirstein: „Die Lage hat sich ab Mitte Juli zugespitzt.“ Sechs Vollzeitkräfte, vier Halbtagsbeschäftigte und zwei Mitarbeiter mit jeweils 30 Wochenstunden arbeiten im Bürgerbüro. Doch zwei Mitarbeiter sind langzeiterkrankt, hinzu kamen Kurzzeiterkrankungen und die Schulferienzeit.

Das verwaiste Büro konnte die Arbeit nicht schaffen. Denn hierzu zählt auch die Melderegisterpflege. Eckhardt: „Wir mussten also auch schließen, um hier nachzuarbeiten.“ Wegen der Spezialisierung der Mitarbeiter ist ein Austausch innerhalb der Stadtverwaltung ausgeschlossen. Die Einarbeitungszeit dauert rund sechs Monate.

Kirstein selbst spielte zwischendurch den Abfangjäger, versuchte die Bürger zu beruhigen. „Ärgerlich ist das ganze, denn eigentlich haben wir den Anspruch, die Leute zu bedienen, ihnen zu helfen“, betont Eckhardt den Servicecharakter. Und Kirstein sagt: „Meine Leute kämpfen, um das Chaos zu beseitigen. Die Pause reicht gerade für ‘ne Tasse Kaffee.“ Er hofft, dass nach der Urlaubszeit der „Ausweisdrang“ nachlässt „und wir in sicheres Fahrwasser kommen“.

Von Gerhard Römhild



Kommentare
14.08.2012
14:38
Riesenandrang vorm Bürgerbüro
von Schweriner | #9

ich bin schwer beeindruckt, Bürgerbüromitarbeiter müssen mind. 6 Monate geschult werden und Ihnen, Herr Kahl, reichen 2 Tage Einweisung, um sogar flexibel einsatzbar zu sein?
wie überheblich ist das denn? oder ist das eine Fehleinschätzung meinerseits, dann bitte
Bewerbung an:
http://www.rtl.de/cms/sendungen/das-supertalent/bewerbung.html

1 Antwort
Och, werter Herr/Frau Schweriner,
von Juergen-Kahl | #9-1

nein, nein, überheblich wollte ich jetzt nicht sein - ich bin halt ein bischen vorbelastet, falls ich das noch nicht geschrieben habe.

Für Sie (m/f/n?) wird´s allemal reichen - auch ohne Einarbeitung ;-)

14.08.2012
13:51
Riesenandrang vorm Bürgerbüro
von Schweriner | #8

warum kommt mein Kommentar nicht? auch auf die Gefahr hin, dass es jetzt nun doppelt erscheint, ich habe einen Tipp die Leitung des Bürgerbüros betreffend:
"Abfangjäger" und "Bürgerberuhiger" ist eine Sache, aber mithelfen an der Front wäre produktiver.

14.08.2012
13:36
Riesenandrang vorm Bürgerbüro
von Schweriner | #7

"Kirstein selbst spielte zwischendurch den Abfangjäger, versuchte die Bürger zu beruhigen"
Mein Vorschlag, der Leiter des Bürgerbüros setzt sich ins Bürgerbüro und bedient die Leute. Sollte jedenfalls möglich sein.
Mit freundlichem Gruß

14.08.2012
09:56
Riesenandrang vorm Bürgerbüro
von Juergen-Kahl | #6

Teil 1:
Lieber nike8,
was wollen Sie von mir?
War meine Kritik zu harsch? Nun, wenn über einen langen Zeitraum eklatante Fehler begangen werden wie in der Stadtverwaltung, dann dürfen die Verantwortlichen nicht erwarten, mit Samthandschuhen angefasst zu werden.
Ich wollte nicht zum Ausdruck bringen, dass die Pflichtausgaben durch Erhöhung der Grundsteuer finanziert werden sollen - nur denjenigen, der diese Kröte zu schlucken hat, läßt man vor dem Bürgerbüro Schlange stehen.
Wie kommen Sie darauf, dass ich den Job im Bürgerbüro nicht erledigen würde? Selbstverständlich würde ich das tun, ließe mich einen oder auch zwei Tage (reicht mir völlig aus) kostenlos unterweisen, und würde dann flexibel unterstützen, bis die größte Not vorbei ist. Aber fragen Sie mal den Eckhardt, ob er dafür bereit ist, 45,00€ netto (zzgl. 19% MWSt.) für eine Stunde Arbeitszeit auszugeben, An- und Abfahrt inklusive. Wollen wir wetten, dass ihm der gemeine Bürger das nicht wert ist?

14.08.2012
09:56
@nike8
von Juergen-Kahl | #5

Teil 2:
Ihr "Kreisstadtmodell" halte ich persönlich für ausgesprochen gut, es wird nur leider nicht mit den ideologischen Vorstellungen der Stadtspitze vereinbar sein.
Stellen Sie sich einmal vor, die Stadtverwaltung wäre ein Unternehmen der Privatwirtschaft, für das effizientes Arbeiten überlebensnotwendig ist.
Es wird Ihnen nirgendwo sonst zugemutet, stundenlang auf die Bearbeitung irgendwelcher Dinge zu warten, die innerhalb weniger Minuten abgearbeitet sind. Wenn plötzlich ein hoher Krankenstand in der Urlaubszeit auftritt, dann wird an anderer Stelle fähiges Personal abgezogen, um die Folgen möglichst gering zu halten.
Und es soll mir jetzt niemand erzählen, dass die Arbeiten im Bürgerbüro so speziell sind, dass niemand, aber auch wirklich niemand sonst in der Stadtverwaltung in der Lage ist, einen Personalausweisantrag oder eine Meldebescheinigung odfer sonst irgend etwas korrekt zu bearbeiten. Dann ist in der Vergangenheit gewaltig etwas schief gelaufen.

14.08.2012
09:56
@ nike8
von Juergen-Kahl | #4

Teil 3:
Oder wollen Sie ernsthaft behaupten, dass ein Michael Eckhardt, eine Petra Glöß, nicht in der Lage sind, diese Arbeiten zu übernehmen? Frage, wer hat im Rathaus überhaupt den Durchblick, was die Mitarbeiter im Bürgerbüro alles machen? Gibt es jemanden, der so etwas wie eine Kontrollfunktion ausübt?
Es hat auch etwas mit Respekt gegenüber dem Souverän zu tun, ob man die Bürger der Stadt stundenlang warten läßt, oder ob man vorgesorgt hat und sich auch bei einem unerwartet hohen Krankenstand um die Belange derjenigen kümmert, für die man im ureigentlichsten Sinne zuständig ist.
Der Verwaltungschef mag bedenken, dass ihn u.a. diejenigen, vertrauend auf seine "Mehr Freizeitspass für alle - Kampagne", bei der letzten Kommunalwahl auf den Chefsessel gewählt haben, die er jetzt vor dem Bürgerbüro versauern läßt.

Anstatt sich dieser Problematik anzunehmen, setzt er sich heute lieber auf den Drahtesel und bestaunt Denkmäler - mehr Freizeitspass für alle ;-)

14.08.2012
01:58
@Juergen-Kahl: Destruktive Kritik hilft hier nicht weiter
von nike8 | #3

Wenn mal wieder ein Kommentar unter der Gürtellinie war, dann wohl Ihrer, Juergen-Kahl.

Die Finanzierung der städtischen Pflichtaufgaben ist nicht kurzfristig über Steuererhöhungen (hier: Grundsteuer B) zu finanzieren. Es ist in der Tat so: Diese beiden Angelegenheiten sind – kurzfristig – völlig unabhängig.

Ich traue Ihnen, Herr Kahl, durchaus die Erledigung intelligenter Aufgaben zu. Wollen Sie morgen oder am Donnerstag den Job im Bürgerbüro erledigen? Nein? Ja, warum denn nicht? Weil vielleicht die Bedienung des PC-Programms und die erforderlichen Arbeitsschritte – so wie Michael Eckhardt es sagte – erst in sechs Monaten zu erlernen sind?

Sie sind mit keinem Wort auf meinen Vorschlag von der Kooperation der Kreisstädte eingegangen. Denken Sie mal über dieses Modell nach.

Oder noch besser: Machen Sie selber einmal einen konstruktiven Vorschlag – oder schweigen Sie!

Destruktive Kritik hilft hier nicht weiter.

13.08.2012
23:50
Wenn ich das Gezeter vom Eckhardt schon wieder lese
von Juergen-Kahl | #2

wird mir schwindelig.
Den Bürger vor dem unterbesetzten Bürgerbüro endlos warten zu lassen und ihm gleichzeitig über (notwendige) Schikanemassnahmen (Grundsteuer) das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist eine Frechheit der Verwaltung ohne gleichen.
Was haben wir eigentlich für einen Verwaltungschef, der seine Leute nicht im Griff hat?
Für mich wäre das Problem schnell gelöst. Ich würde dem Beigeordneten Eckhardt das Lamentieren austreiben, ihm und der Glöß (sind doch noch Ferien) mal etwas Bürgernähe verordnen und das Team im Bürgerbüro verstärken lassen. Dann würden sie jedenfalls ihre Arbeitszeit sinnvoll (im Sinnen des Steuerzahlers) nutzen. Ach so, der Dienstwagen könnte auch stehen bleiben, der Chauffeur den (das?) Helpdesk besetzen und der "MehrFreizeitspassfürAlle-Onkel" kalte Getränke verteilen, anstatt mit dem Drahtesel auf Denkmaltour zu gehen.
Es könnte so harmonisch sein ohne diese ganzen Chefideologen.

13.08.2012
21:41
Langfristig sollten wir über unsere Organisationsform nachdenken !
von nike8 | #1

Warum kann nicht einfach ein Mitarbeiter des Bürgerbüros aus Datteln, Recklinghausen oder einer anderen kreisangehörigen Stadt für einige Wochen seinen Kollegen in Castrop-Rauxel aushelfen?

Genau: Weil wir ja so stolz auf unserer Selbstständigkeit sind und kein Castrop-Rauxeler auch im Gegenzug mal eben bei den Kollegen in Datteln u.s.w. aushelfen würde. Zumindest nicht ohne wochenlanges Gezerre mit den beteiligten Personalräten.

Natürlich kann kein Ordnungsamtsmitarbeiter morgen im Bürgerbüro vollwertig aushelfen.

Aber warum kooperieren dann nicht mit unseren Nachbarstädten im Kreis?

Die Organisationsform der kreisfreien Städte könnte da als Beispiel dienen: In den dezentralen Bezirksverwaltungsstellen werden die am häufigsten nachgefragten Dienstleistungen angeboten, alles andere wird zentral in der City erledigt. Und hier kann das Personal wesentlich einfacher abgeordnet werden – sozusagen auf Zuruf!

Nur: Das bedeutet eine wesentliche Aufgabe der Souveränität.

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