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Projekt: Baby

13.12.2007 | 17:49 Uhr

Computertechnik macht aus Säuglingspuppen Kinder mit echten Bedürfnissen.Und setzt damit Schüler der Fridtjof-Nansen-Realschule unter Stress

Janine Buß (16) wiegt ihr Baby im Arm und wirkt glücklich dabei. Das asiatisch aussehende Kind gluckst vor Freude und macht wie zur Bestätigung noch ein Bäuerchen hinterher. Die Schülergruppe um Janine nimmt davon kaum Notiz, denn alle in der Runde an der Fridtjof-Nansen-Realschule haben Säuglinge dabei. Routiniert wird mit ihnen geschaukelt.

Plötzlich unterbricht Cara-Josephine die Gespräche der Jugendlichen mit einem Schrei. Mutter Jaqueline Kronsfoth (16) greift sogleich zur neuen Windel und wickelt ihre Tochter nahezu unbeachtet auf einem Tisch in der Ecke. Cara-Josephine gluckst.

Es ist ein Computerchip, der aus der Säuglingspuppe ein fast echtes Baby und aus den Realschülern Mütter und Väter macht. Für zwei Tage und Nächte haben die 17 Jugendlichen aus der 9. und 10. Klasse die Verantwortung für die in realistischer Hülle verpackte Elektronik, die Hunger, Erschütterungen, volle Windeln oder gelegentliches Unwohlsein mit Gebrüll quittiert.

Viermal weckte Leni damit in der vorletzten Nacht ihren Testvater André Emmen (15). Der junge Mann, übrigens der einzige in der Runde, nimmt's gelassen und bleibt auch ruhig, als der Busfahrer das Geschrei seiner künstlichen Tochter für laute Musik hält. Andere schauen genauer hin. Skeptisch werden die Teenager gemustert. So jung und schon Mutter. Da wird mancher Kopf geschüttelt.

"Wir wollen rechtzeitig verdeutlichen, wie viel Arbeit ein Kind macht", sagt Diplom-Psychologe Egon Heinze, der das "Projekt: Baby!" leitet. Dazu gehört auch die Hausaufgabe, die aktuellen Preise für Babynahrung und Windeln herauszufinden.

Seit einem Jahr tourt Heinze durch Schulen und Jugendzentren, um jungen Menschen eine realistische Planung ihres Lebensweges zu ermöglichen. André Emmen ist sich derweil sicher: "Kinder frühestens ab 30."

Alle in der Pädagogik-AG der Nansen-Realschule nehmen das Thema erstaunlich ernst. Im Zwischengespräch nach dem ersten Tag mit Kind berichten sie dem Diplom-Psychologen von ihren Erfahrungen. "Das ist so schön", sagt Janine Buß.

Von Felix Ehlert

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