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Pflegeheime: Von wegen Warteliste

01.03.2010 | 17:49 Uhr
Pflegeheime: Von wegen Warteliste

Castrop-Rauxel. Pflegeheime buhlen um die Gunst von Senioren, denn zahlreiche Betten der örtlichen Altenzentren blieben zuletzt leer. Wettbewerb unter den Einrichtungen nimmt zu

Es gibt immer mehr Senioren und damit mehr Heimbewohner – die Rechnung klingt einfach. Doch sie geht nicht auf. Obwohl die Anzahl älter Menschen kontinuierlich ansteigt, bleiben die Betten in den hiesigen stationären Pflegeheimen immer öfter leer. 65 der insgesamt 752 Heimplätze der Stadt waren zum Jahreswechsel nicht belegt, gab die Kreisverwaltung auf Nachfrage an. Das entspricht einer Auslastung von 91,6 Prozent. Zum Vergleich: Kreisweit blieben 335 Betten ungenutzt, die Auslastung lag bei 95,8 Prozent.

Senioren auf der Terrasse des Kauermann-Zentrums.

Dieser Trend hält Investoren jedoch nicht davon ab, weiterhin Pflegeeinrichtungen zu bauen. 2010 sollen mindestens zwei neue Heime im Kreis Recklinghausen entstehen, konkrete Bauvorhaben darüber hinaus liegen bereits vor. In Castrop-Rauxel ist es der Chef der Geros GmbH für Altenpflege und -betreuung, Konstantinos Boulbos, der am Habinghorster Marktplatz den Bau eines weiteren Seniorenzentrums sowie zweier Stadtvillen plant. „Noch dauern die Verhandlungen mit der Stadt an”, sagt Boulbos zum Stand seines Vorhabens, „doch sobald wir das Grundstück haben, kann es mit dem Bau losgehen.” Der Geschäftsmann ist sich sicher, dass die derzeitige Nachfrageflaute schon bald ins Gegenteil umschlägt. „Der demografische Wandel ist hier doch längst angekommen.”

Freier Markt: Bedarfsplanung wurde abgeschafft

Die steigende Zahl an Pflegeheimen und der zunehmende Wettbewerb ist vom Gesetzgeber gewollt. Denn: Mit der Änderung des Landespflegegesetzes ist die Bedarfsplanung abgeschafft worden. Ein Investor, der ein Pflegeheim bauen möchte, kann dies ohne Rücksicht auf den Bedarf tun.

„Wir spüren das Überangebot noch nicht”, sagt die Leiterin des St. Lambertus Altenzentrums an der Dortmunder Straße, Annette Beckers, „wir sind voll belegt”. Feststellbar sei allerdings, dass Angehörige sich viel stärker informierten und noch mehr vergleichen.

Deutlicher werden die Auswirkungen der neuen Konkurrenz im Wilhelm-Kauermann-Zentrum. Bis zu 25 Betten standen hier in den vergangenen Monaten leer. „Die Einrichtung liegt zentral, hat aber große Konkurrenz in der Nähe”, nennt dessen Leiterin, Jasmin Körner, einen der Gründe. „Wir spezialisieren uns deshalb in einigen Bereichen, wollen uns absetzen.” Sorgen bereitet der Leiterin, die seit 1. Februar beide Awo-Zentren der Stadt unter sich hat, die Entwicklung nicht. Sie vertraut ebenfalls auf den demografischen Wandel. „Studien besagen, dass die Betten bis 2014 wieder belegt sind.” Wie viele neue Pflegeeinrichtungen im Gegenzug entstehen, vermag jedoch noch niemand genau zu sagen.

Deborah Schmidt

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