Migranten sollen netzwerken
10.01.2012 | 18:21 Uhr 2012-01-10T18:21:00+0100
Castrop-Rauxel. Das Projekt „Potenziale der Migrantenökonomie“ wendet sich an Gewerbetreibende mit Zuwanderungsgeschichte. Ihre Wirtschaftskraft will die Stadt nicht länger unter den Scheffel stellen.
Auf sie will die Stadt künftig verstärkt setzen: Die Wirtschaftskraft von migrantengeführten Unternehmen. Allein: Die Zahl der Betriebe, die von Unternehmern mit Migrationshintergrund geleitet werden, liegt bislang im Dunklen. Licht in diese Nische bringen soll nun das Projekt „Potenziale der Migrantenökonomie“, das am 18. Januar mit einer Auftaktveranstaltung startet und das vom Land NRW mit 44 000 Euro gefördert wird.
Transparenz schaffen
Um Transparenz zu erlangen, hat die Stadt nun zunächst mit Unterstützung des interkulturellen Beratungsinstituts Imap herausgefiltert, welche Unternehmer überhaupt einen Migrationshintergrund mitbringen. Denn, so Selcuk Ünal vom Imap-Institut: „Bei einer Gewerbeanmeldung wird zwar die Staatsangehörigkeit abgefragt, aber nicht die eigentlichen Wurzeln desjenigen, der das Gewerbe anmeldet.“ So bediente sich das Institut bei seinen Forschungen in Castrop-Rauxel der Methode der Onomastik, der Namensforschung, die aufdeckte, wer Zuwanderungsgeschichte mitbringt, auch wenn er längst deutscher Staatsbürger ist.
Rund 20 Prozent aller Gewerbetreibenden in der Stadt haben ausländische Wurzeln, hat die Erhebung ergeben. „Damit liegt Castrop-Rauxel im Durchschnitt für das Ruhrgebiet“, so Ünal. Allein 40 Prozent der Gewerbe, die im gerade zu Ende gegangenen Jahr neu angemeldet wurden, gehen auf ausländische Inhaber zurück. Bürgermeister Johannes Beisenherz sprach bei der Projektvorstellung von einer Vielzahl von kleinen und größeren Gewerben in großer Vielfalt in der Europastadt, die von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte betrieben werden. „Und das sind nicht nur türkische Migranten“, so Beisenherz, „sondern auch etwa russische und polnische.“
Um die Gewerbetreibenden mit Migrationshintergrund nun zu mobilisieren, hat die Stadt sie angeschrieben und zu den Veranstaltungen und Workshops im Rahmen des Projektes eingeladen (siehe Text unten). Neben der Ermittlung von Chancen der lokalen Migrantenökonomie verfolgt das Projekt das Ziel, Migranten-Unternehmen besser zu vernetzen. Zu diesem Zweck hat Projektleiterin Dalkilinc zum einen das Petek Business-Netzwerk Migrantinnen und zum anderen auch das Unternehmerinnenforum Castrop-Rauxel ins Boot geholt.
Ebenso bietet die städtische Wirtschaftsförderung, das Service Center Wirtschaft, seine Unterstützung an. Dessen Leiter Hans-Werner Diel berichtete, dass rund 10 bis 20 Prozent der Gründungswilligen, die die Beratung des Service Centers Wirtschaft aufsuchten, Zuwanderungshintergrund hätten. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, über die Beratung zur Gründung hinaus auch längerfristige Begleitung anzubieten, um die Unternehmen zu stabilisieren. Die Integrationsbeauftragte der Stadt Ayla Dalkilinc betonte: „Wir beobachten einen Paradigmenwechsel: Vom Gastarbeiter zum Unternehmer, der sich hier niederlässt.“
Die Termine zu den Treffen
Das Projekt zur Migrantenökonomie startet am Mittwoch, 18. Januar mit einer Auftaktveranstaltung im 19 Uhr im Haus der Wirtschaft, Europaplatz 14. Bei diesem Vernetzungstreffen sollen erste Kontakte geknüpft werden. Zudem beantworten Experten der Wirtschaftsförderung, der IHK und der Handwerkskammer Fragen zu Firmengründung und Existenzsicherung.
Ein Workshop zu Förderung und Ausbildung findet am 2. Februar im Haus der Wirtschaft statt statt, ein Vernetzungstreffen gezielt für Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund wird am 13. Februar im Dieze, Erinstraße, veranstaltet. Am 27. Februar folgt ein Workshop zur Existenzgründung (Haus der Wirtschaft), bevor das Projekt am 7. März mit einem Treffen aller Beteiligten seinen Abschluss findet (19 Uhr, Gastronomie im Forum, Europaplatz). Information und Anmeldung bei Selcuk Ünal unter: 0211/5136 973 12.
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