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Lieferengpass ist kein Drama

09.02.2010 | 18:06 Uhr
Lieferengpass ist kein Drama

Castrop-Rauxel. Der Sechsfach-Impfstoff für Kinder bis zum zweiten Lebensjahr wird knapp. Ende Februar soll es laut Hersteller wieder Nachschub geben. Das Problem gibt es bundesweit. In Castrop-Rauxel helfen sich die Kinderärzte untereinander aus. Der Lieferengpass sei aber keine Katastrophe.

„Der Lieferengpass ist da”, formuliert es Dr. Andreas Schmutte, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und gleichwohl Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Kreis Recklinghausen, kurz und knapp. Zwar hat der Hersteller angekündigt, Ende Februar den Impfstoff für die Sechsfach-Impfung zu liefern – Schmutte ist skeptisch. „Insgesamt wird es nicht reichen.” In den Kinderarztpraxen im Kreis Recklinghausen sehe die Situation derweil ganz unterschiedlich aus. „Die einen haben zufällig und unbewusst vor kurzem neuen Impfstoff bestellt, bei den anderen geht jetzt vielleicht der Vorrat aus und die gehen dann leer aus. Das hat nichts mit einer schlechten Vorratshaltung zu tun. Der Lieferengpass ist ein bundesweites Problem.”

Engpass sei Mitte Januar

Seit Mitte Januar sind in Deutschland sieben verschiedene Kinderimpfstoffe nicht mehr lieferbar. Angeblich, so der einzige Hersteller Glaxo-Smith-Kline, weil man mit der Herstellung des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe derzeit ausgelastet sei. „Für die Sechsfach-Impfung gibt es leider nur einen Hersteller – und der nutzt das schamlos aus. Sowohl in der Preisgestaltung als auch bei der Lieferung”, weiß der Kinderarzt zu gut aus eigener Erfahrung. „Dennoch”, gibt er Entwarnung, „ist der Lieferengpass kein Drama. Er kommt nur unpraktisch. Natürlich ist es nicht gut, wenn ein Säugling erst vier Wochen später die Impfung gegen Keuchhusten bekommt, aber deswegen bricht das Impfsystem nicht zusammen.”

Alternativ zu der Sechsfachimpfung empfiehlt Dr. Andreas Schmutte den Eltern daher auf Einzel-Impfstoffe wie Pentavac zurückzugreifen. „Das bedeutet zwar für die Babys einige Piekser mehr, macht preislich aber keinen Unterschied aus.” Am Mittwochabend gebe es eine Versammlung der Kinder- und Jugendärzte aus dem Kreis Recklinghausen. „Dann kann ich auch genau sagen, wie ernst die Lage ist.”

Lebensbedrohliche Situation

Dr. Ingo Meyer ist Kinderarzt in Castrop-Rauxel. Der Lieferengpass betrifft ihn momentan nicht, da er sich zufällig rechtzeitig eingedeckt hat. „Wir Kinderärzte helfen uns hier untereinander aus.” Verharmlosen möchte er die Situation aber auch nicht: „Wenn ein Säugling nicht so früh wie möglich gegen Keuchhusten geimpft werden kann, kann das nachteilige und lebensbedrohliche Folgen für das Baby haben.”

Der Kinderarzt-Kollege Frank Westerhaus wird wohl bald auf Ingo Meyers Vorrat zurückgreifen müssen. „Unser Impfstoff reicht nur noch für zweieinhalb Wochen aus”, informiert er. Aber einen Lieferengpass habe es auch schon mal in der Vergangenheit gegeben. „Zur Not können wir auch die Fünfer-Kombination der Konkurrenz spritzen.”

Ellen Andresen

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