Leinenpflicht sorgt in Castrop-Rauxel für Ärger

Großen Gesprächsbedarf gibt es in Castrop-Rauxel derzeit um die Leinenpflicht für Hunde. Einen Hund frei laufen zu lassen, ist nicht nur an den meisten Stellen verboten. Manche Tiere kostet ein frei laufender Hund gar das Leben - denn viele Vierbeiner haben einen Jagdinstinkt.

Castrop-rauxel.. Seit einem Jahr läuft am Gondelteich eine flugunfähige Nilgans herum. Ihr linker Flügel steht grotesk vom Körper ab. Ein nicht angeleinter Hund hatte sie als Küken angegriffen und sich einen Flügel geschnappt. Beim Versuch, dem Hund zu entkommen, wurde der Flügel aus dem Körper der Gans heraus gedreht. Und ein solcher Angriff ist kein Einzelfall, wie August Wundrok vom Gewässerschutzverein Docas-Blinker berichtet. Schon oft hat er beobachtet, wie frei laufende Hunde im Stadtgarten oder im Erinpark Jagd auf die Wasservögel machen und sie tot beißen. Besonders entsetzt ist er, dass manche Hundehalter ihre Tiere regelrecht auf die Vögel hetzen, sie anschließend noch loben und ihnen ein Leckerchen geben.

Füttern verboten

Am Sonntag, 12. April, haben er und seine Vereinskollegen die Hunde im Erinpark gezählt. Das Ergebnis: 56 Hunde wurden registriert, zwölf davon waren nicht angeleint. "Die Leute sehen es einfach nicht ein. Wenn man sie anspricht, wird man beschimpft oder es werden einem sogar Prügel angedroht. Erst kürzlich hat mich ein junger Mann, dessen Hund die Vögel angegriffen hat, als 'Scheiß-Nazi' beschimpft, als ich ihn ansprach." Das zweite Problem sei, dass die Leute die Vögel immer noch füttern. Das sei schon lange verboten und zwar nicht ohne Grund: Ein Gewässer können schnell umkippen, wenn zu viel Brot hinein gelangt. Außerdem stürzen sich die Enten und andere Vögel in einem großen Haufen auf die Krumen. Und geben damit eine noch bessere Zielscheibe für die frei laufenden Hunde ab. "Die fegen dann mitten durch." 10 Euro Bußgeld werden fällig, wenn man wild lebende Tiere wie Enten füttert.

Aggressive Reaktion

Mit der Aggressivität anderer Hundebesitzer hat auch Jens A. Bekanntschaft gemacht. Mit seiner Hündin Lizzy ging er am Ostersonntag im Castroper Holz spazieren. Als ein frei laufender Hund auf seine Hündin zu rannte, erschreckte die sich und riss Jens A. mit der Leine zu Boden. Nur wenig später kam er zu der Wiese am Hallenbad, wo eine Frau ihren Beagle frei laufen ließ. Noch unter dem Eindruck des Sturzes stehend sprach er sie an und bat sie, sie möge ihren Hund an die Leine nehmen. "Das hätte ich lieber nicht tun sollen, sie kam mit einem Tempo auf mich zu und schrie mich an, ich solle gefälligst verschwinden." Immer aggressiver sei die etwa 50-jährige Frau geworden, die schließlich noch sagte, es gebe kein Schild, das sie verpflichtet, den Hund an die Leine zu nehmen.

Jens A. ist geschockt: "Es gibt doch eine Leinenpflicht in Castrop-Rauxel und auf dieser Wiese sind Spielgeräte! Zumindest wo Kinder sind, sollte man seinen Hund immer an die Leine nehmen. Selbst ein noch so lieber Hund kann mal unerwartet reagieren."

Eindeutige Gesetzeslage

Die Gesetzeslage ist hier eindeutig, wie Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann bestätigt. Außer auf einer ausgewiesenen Hundewiese sind Hunde an der Leine zu führen. Bei einem Verstoß dagegen wird ein Bußgeld von 35 Euro fällig. Gezielt kontrollieren könne das Ordnungsamt allerdings nicht, dafür gebe es zu wenig Außendienstmitarbeiter. Derzeit gibt es in Castrop-Rauxel aber auch nur eine Hundewiese. Für die 2010 eröffnete Anlage hat eine Gruppe Bürger die Patenschaft übernommen. Weitere Anlagen seien derzeit nicht geplant, sagt Hilleringmann. Und wenn könnten sie nur mit einem ähnlichen Modell wie in Ickern realisiert werden.

Die Leinenpflicht gilt allerdings nicht für die Wälder. Hier dürfen Hunde auf den Wegen ohne Leine laufen. "Es gibt lediglich eine Sicherungspflicht", so Hilleringmann. Das bedeutet, der Halter muss gewährleisten, dass er das Tier jederzeit schnell unter Kontrolle nehmen kann.