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Medizinisches Symposium

Langen Leidensweg verhindern

23.05.2011 | 17:23 Uhr

Castrop-Rauxel. Die Internationale Achalasie-Tagung für Patienten und Mediziner findet am 27. und 28. Mai am Evangelischen Krankenhaus statt.

Einen langen Leidensweg haben die meisten Patienten hinter sich, wenn sie schließlich bei Dr. Henning G. Schulz landen. Der Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus ist Spezialist für die seltene Krankheit Achalasie, ein Defekt an dem Schließmuskel, der Speiseröhre und Magen trennt. Die Nervenzellen dieses Muskels stürben mit der Zeit ab und verhinderten, dass sich das Verschlussventil zwischen Speiseröhre und Magen öffnet.

Folge: Die Betroffenen können die Nahrung nicht mehr schlucken, im fortgeschrittenen Stadium können sie nur noch Flüssigkeiten zu sich nehmen, Gewichtsverlust droht. „Wer mit solchen Symptome zum Arzt geht, bekommt meist eine Magenspiegelung verordnet“, beschreibt Dr. Henning G. Schulz. Bei dieser Untersuchungsmethode aber falle eine Achalasie nicht auf, so Schulz. „Bleibt also die Magenspiegelung unauffällig, werden diese Patienten schnell in die Psychosomatik-Ecke gesteckt“, so der Chefarzt der Abteilung für Chirurgie am EvK. Gerade schlanke Frauen gerieten dann in den Verdacht, an einer Essstörung zu leiden. Etwa 80 Prozent der Achalasie-Patienten hätten bereits eine psychiatrische Behandlung hinter sich, so Dr. Henning G. Schulz.

Ihre Symptome sind die Betroffenen dann aber immer noch nicht los – neben Schluckbeschwerden können das auch Brustkrämpfe sein, die fälschlicherweise oft als Herzinfarkt gedeutet würden. Nicht selten dauere es drei Jahre und länger, bis die richtige Diagnose gestellt sei.

„Nur einer unter 100 000 Menschen leidet an Achalasie“, erklärt Dr. Henning G. Schulz. Weil sich die Chirurgie des EvK auf diese seltene Krankheit, die meist im Alter zwischen 35 und 45 Jahren auftritt, spezialisiert hat, kommen Betroffene aus dem gesamten Bundesgebiet und den Nachbarländern zu Behandlung in die Europastadt.

Das EvK ist eines der wenigen Krankenhäuser, die Achalasie-Operationen durchführt. Vorgeschaltet vor den etwa anderthalbstündigen minimal-invasiven Eingriff, der durch den Bauchnabel geschieht, sind meist andere Behandlungsmethoden. Etwa das Einbringen eines Ballons oder das Spritzen des Nervengiftes Botox. Die Operation aber, so Schulz, gelte als die erfolgsversprechende Methode. „Gut 90 Prozent der Symptome verschwinden dadurch“, erklärt der Experte und ergänzt: „Die Patienten gewinnen dadurch für den Rest ihres Lebens enorm an Qualität.“

Für Betroffene und Mediziner veranstaltet das Evangelische Krankenhaus an der Grutholzallee am Freitag, 27. Mai, und Samstag, 28. Mai, das dritte internationale Achalasie-Symposium. Dabei wird am Freitagnachmittag auch live eine Achalasie-Operation vom OP in den Mehrzweckraum des Krankenhauses übertragen und auf einer Leinwand gezeigt. Der minimal-invasive Eingriff wird mittels Bauchspiegelung vorgenommen und verläuft, so Chefarzt Dr. Henning G. Schulz, mit äußerst wenig Blutverlust.

Zu dem Symposium werden rund 180 Besucher erwartet, darunter auch Mitglieder der Selbsthilfegruppe, die mit Unterstützung von Dr. Henning G. Schulz in Castrop-Rauxel gegründet wurde.

Neben der Live-OP und Vorträgen gibt es bei dem Symposium auch Workshops für die Betroffenen, die etwa Ernährung, Lebensqualität und Entspannungsmethoden thematisieren. Weitere Informationen zur der Krankheit und zum Symposium finden Interessierte unter www.achalasie.de

Katja Büchsenschütz

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