Landestheater geht mit Kleists "Kohlhaas" in die Schulen
12.02.2010 | 12:01 Uhr 2010-02-12T12:01:00+0100
Castrop-Rauxel. Das Westfälische Landestheater geht mit der „Kohlhaas”-Produktion in die Klassenzimmer der Schulen. In der Bearbeitung von Marco Baliani und Remo Rostagno wird das Stück für einen Schauspieler am Freitag, 19. Februar, um 10 Uhr in der Willy-Brandt-Gesamtschule aufgeführt.
Als „Klassenzimmer-Stück” hat das Westfälische Landestheater Heinrich von Kleists „Kohlhaas” angelegt. In der Bearbeitung von Marco Baliani und Remo Rostagno wird das Stück für einen Schauspieler am Freitag, 19. Februar, um 10 Uhr in der Willy-Brandt-Gesamtschule aufgeführt.
Das Format „Klassenzimmer” hat etwas Faszinierendes. Maximal zwei Klassen der achten Jahrgangsstufe füllen dann den Raum, in dem sonst schulisches Arbeiten stattfindet. Die Tische sind nach hinten gerückt, die Stühle im Kreis aufgestellt, der Schauspieler bespielt den ganzen Raum. Großartige Kostümshow? Irres Bühnenbild? Alles Fehlanzeige. Das Stück läuft einzig und allein über den Text und natürlich die Persönlichkeit, die Profession des Schauspielers.
Alles geschieht unmittelbar
In der Folge heißt dies, dass es eine engere, dichtere und direktere Auseinandersetzung mit einem Thema sowohl fürs Publikum wie für den Actor wohl nicht gibt. Kathrin Lehmann, die die Aufführung als Theaterpädagogin im Vor- und Nachgang begleitet: „Alles geschieht unmittelbar. Es ist zudem eine große Herausforderung für den Schauspieler.” Und das ist im „Kohlhaas” Stefan Leonard, der ganz allein das 45-minütige Stück bestreitet. Sein Solo im doppelten Sinne sieht so aus, dass er auch die zehn handelnden Figuren spielt – im Klassenzimmer.
„Der pragmatisch besetzte Raum wird theatralisch genutzt”, umschreibt die Dramaturgin des Kinder- und Jugendtheaters Sabrina Bohl die Situation, die sich so gänzlich vom klassischen Bühnenraum unterscheidet. Eine Distanz zum Publikum gibt es nicht, von Schauspielerschutzraum keine Spur. Lehmann: „Da bekommt der Schauspieler die Reaktionen unmittelbar ab, alles ist sehr authentisch.”
Unmut äußern
Und das kann bedeuten, dass „die Schüler durchaus bereit sind, auch Unmut zu äußern. Denn schließlich ist das Klassenzimmer deren Revier”. Anders als im Theater, „da sind sie ja eher zurückhaltender”, weiß Lehmann. Insofern hat das „Klassenzimmer”-Format eine ganz eigene emotionale Tiefe, ist Schalltrichter für negative und positive Reaktionen. Sabrina Bohl: „Wenn der Knoten aufgeht, dann springt der Funke über. Das erreicht man auf der traditionellen Bühne so nicht.”
Tja, und warum nun gerade heute den „Kohlhaas” vom ollen Heinrich von Kleist in einer Schule inszenieren? „Weil es ein ganz aktueller Stoff ist”, sagt Yvonne Groneberg, die das Stück inszeniert. „Hier greift ein Pazifist zur Waffe.”
So geht es um Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit und Prinzipien, um eine Geschichte, die letztendlich in einer Amoklaufsituation mündet. Denn: Kohlhaas verwandelt sich vom rechtschaffenden Pferdehändler zum rücksichtslosen Mordbrenner. Groneberg: „Mit dem ,Kohlhaas' wollen wir die Schüler zur Diskussion anregen, ein Stück Literatur anschaulich machen und in ihre Lebensrealität einbetten.”
Aufführungen: 19. Februar sowie 1. und 3. März, WBG.
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