Künstler aus London verschönerte Brasserie 1910

Die Detailversessenheit bei der Einrichtung in der neu eröffneten Brasserie 1910 am Markt ist schon jetzt ein Dorado für Liebhaber: Historische Pendelleuchten aus New York, eine Zinndecke aus Detroit oder belgischer Blaustein als Bodenbelag. Jetzt setzte ein Fachmann aus London dem neuen Lokal die goldene Krone auf.

Castrop-rauxel.. Ein junger Mann aus London verschönerte die Brasserie 1910, das neue Restaurant am Markt, mit einer Mischung aus Kunst und uraltem Handwerk. Ged Palmer ist einer der wenigen Menschen auf der Welt, die noch als Schriftsetzer (Letterer) und Schildermaler (Sign Painter) ihr Geld verdienen. Vergangene Woche zeigte er sein Können im Eingangsbereich der Brasserie 1910.

Architekt Andreas Hanke hat nach dem Dortmunder "Hohoff‘s 800" in Dortmund und dem portugiesischen Restaurant "Carlos" in Lünen mit der Brasserie 1910 das dritte große Gastronomieprojekt betreut. Er hat den 28-jährigen Designer im Internet aufgetan und setzt ihn seither für das sogenannte "Glass Gilding" ein. Hanke: "In Deutschland gibt es diesen Beruf nicht mehr". Oder wie es Palmer auf Englisch ausdrückt: "Vinyl killed the profession".

Ged Palmer sprang in eine Nische

Als in den 1980er-Jahren die Vinylfolientechnik für die Dekoration von Fensterflächen aufkam, gab es für den hochspezialisierten Beruf des Schildermalers und Schriftgestalters, der vor allem in Großbritannien und den USA verbreitet war, keine Zukunft mehr.

Bis auf ein paar Nischen. In die unter anderem Ged Palmer sprang. Schon als Jugendlicher habe er sich für "sign painting and lettering" interessiert, sagte er. Später dann Grafik-Design in Bristol studiert und nach der Uni sofort als Selbstständiger angefangen, unter anderem in San Francisco und Paris seine Künste zur Geltung gebracht.

Neben dem Know-how braucht es vor allem Ruhe und Geduld. Dünnes Blattgold wird mit Hilfe eines kleinen Quastes auf das Glas aufgetragen und anschließend mit verschiedenen Wasser- und Öllösungen fixiert. Mit einer Schablone wird anschließend das Motiv ausgeschnitten und zum Schluss mit einer Lackschicht konserviert, sodass das Ganze wind- und wetterfest wird. "Ich verwende bei den Eingangstüren Zitronengold (matt) für das Eckdekor sowie 24-karätiges italienisches (glänzendes) Gold für den Zahlenzug 1910", beschreibt Palmer seine Arbeit. Der Kontrast sei künstlerisch so gewollt.

Schon "etwas teurer"

Architekt Hanke räumt ein, dass das Ganze schon etwas teurer sei als die moderne Technik, ist jedoch davon überzeugt, dass Bauherr Franz-Josef Leuthold sozusagen "goldrichtig" liegt. "Der Dank für diese Gastrokonzeption gilt ,Bubi‘ Leuthold, der die handwerkliche und historische Umsetzung der Brasserie von Beginn an konsequent gefördert und damit maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat", sagt Hanke.