"Kloppo, was soll das? Wir lieben uns doch!"

Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund. Und "echte Fans" schreiben über "echte Liebe". Das ist häufig schwere Kost - zu viel Pathos auf zu wenig Zeilen. Auch der Castrop-Rauxeler Moderator Micky Beisenherz hat im "Stern" über den Abschied des Pöhlers geschrieben. Aber auf seine Art. Wir haben uns den Artikel genauer angeschaut.

Castrop-rauxel.. Im Idealfall halten Beziehungen ewig. Bis dass der Tod uns scheidet. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, kann jedoch eine Trennung gut sein. Muss es aber nicht. Und egal wie: Es tut weh. Dem einen mehr, dem anderen weniger. Liest man die Liebeserklärung, die Beisenherz an Kloppo schickt, wird das Leiden eines Fans deutlich. Er verflucht den April. Weil alle schlechten Entscheidungen zum Nachteil des BVB in der jüngeren Vergangenheit im April publik wurden. Unter anderem die Abgänge von Götze und Lewandowski.

"Der Kindskopf in mir will wütend mit dem Fuß auf den Boden stampfen. Kloppo, was soll das? Wir lieben uns doch!" schreibt Beisenherz in seiner wöchentlichen "Stern"-Kolumne. Klar habe es Affären und kurze Liebschaften gegeben, bevor Klopp zur Borussia kam. Aber: "Niemanden haben wir jemals mehr geliebt als dich." Zwischen den Zeilen, die Beisenherz über Klopp und den BVB verfasst hat, liest man den Schmerz. Echten Schmerz, der vielen Kommentaren rund ums Thema abgeht.

Da schreibt ein Fan für Fans

Es gibt viele Versuche, die Emotionen rund um Kloppos Abgang einzufangen. Und ebenso viele Fehlversuche. In vielen Fällen wäre es wahrscheinlich einfacher gewesen, unter der Dusche mit einem nassen Stück Seife zu jonglieren. Beisenherz hingegen verknüpft eigene Erfahrungsmomente mit der aktuellen Nachrichtenlage. Und das funktioniert.

Man merkt den Unterschied zwischen anbiedern und echter Leidenschaft. Ein Fan schreibt für Fans. Und spricht vielen von ihnen wahrscheinlich aus der Seele. Es wirkt einfach so, als habe da jemand sein Herzblut in die Zeilen seines Zwischenrufes gelegt. Und nicht so, als sei die Chronistenpflicht erfüllt worden.

Dortmunds Norden - "als habe Gott Beton erbrochen"

"Ich habe nicht vergessen, wie dieser Verein aussah, als Klopp 2008 kam. Grauer als der Dortmunder Norden, der teilweise so aussieht, als habe Gott Beton erbrochen. Minderbegabte wie Doll und Co. haben zuvor auf der Bank ihr Bestes gegeben. Was leider nicht viel war", so Beisenherz.

Klopp habe dem BVB "Stück für Stück Leben eingehaucht, ja, ihn sogar sexy gemacht. Zum aufsteigenden Underdog. Ihn rockyfiziert". Eine These, die wahrscheinlich auch Nicht-BVB-Fans unterschreiben würden.

Unpassende Fragen drei Minuten nach Abpfiff

Er verschweigt auch nicht, dass Jürgen Klopp mitunter kein einfacher Zeitgenosse war. Er beschreibt eine Szene, bei der Reporter Streichhölzer ziehen, um festzulegen, wer Klopp nach einer Niederlage interviewen muss. Klar, das ist so wahrscheinlich nie wirklich passiert. Trotzdem passt es ins Bild. Auch wenn die Interviews von Klopp mit Arnd Zeigler Klassiker sind, der BVB-Coach hat mehr als einmal deutlich gemacht, was er von unpassenden Nachfragen drei Minuten nach Spielschluss hält.

"Hier geht nicht nur ein Übungsleiter. Hier geht das Gesicht einer ganzen Region. Lass die Zwangsneurotiker aus Bayern ruhig einserschülern, bis die Vitrine platzt. Trotzdem schleppt unser Gangleader am Ende die Ballkönigin ab".

Vielleicht habe ich zu wenig Ahnung von der intimen Beziehung zwischen BVB-Fans und dem Verein. Aber wenn man das Herz auf den Fingerspitzen trägt wie Beisenherz bei seiner aktuellen Kolumne, kommt dabei am Ende etwas Gutes raus. Ein Stück, das nachdenklich macht und unterhält, das Verstehen lässt - und echt ist. Selbst wenn die "echte Liebe" im Sommer ein Ende findet. Und nur die Erinnerung bleibt, an sieben wunderbare Jahre.