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Kein Dilettant

14.01.2008 | 17:35 Uhr

Autor Gerd Dembowski las aus seinem Buch "Fußball vs. Countrymusik". Der chaotische Alleskönner begeisterte sein Publikum mit scharfsinnigen Theorien und Anekdoten. "Ich war nicht tot, ich war ja erst zehn"

Fußball vs. Countrymusik? Das erinnert irgendwie an Äpfel gegen Birnen, hat damit aber genau so wenig zu tun, wie Gerd Dembowski mit gebratenem Fleisch.

Gerd Dembowski, seines Zeichens Wahl-Berliner, Autor, Sänger und "Fußball-Sozialwissenschaftler", las in der Bahía de Cochinos aus seinem jüngsten Werk - "Fußball vs. Countrymusik."

Mit Verspätung trifft Dembowski in der Cuba-Kneipe auf der Wittener Straße ein. Aus seiner Tasche ("Ich fliege morgen und habe nur Handgepäck dabei - der Rest ist mir zu teuer") quillt ein Wust aus Zetteln und Notizen. Mit einem bis zum Gummi runtergeschriebenen Bleistift kritzelt Dembowski hier und da Notizen zwischen die Zeilen. Den Tisch überhäuft der 36-Jährige mit Flohmarkt tauglichem, quietsch-buntem Krims-Krams. Fragende Gesichter. Dann Dembowski: "Guten Abend und willkommen in der dilettantischen Therapiegruppe".

1972 wurde der chaotische Alleskönner mit der roten Haarsträhne über der Stirn in Recklinghausen geboren. Vorgelesen hat er scheinbar schon überall. "Das lustige ist, dass ihr ja die örtlichen Gegebenheiten kennt", stellt er fest. Sicher, man kennt hier den Schwarz-Weiß Röllinghausen, wo der selbst ernannte "Antitrainer" unter Trainer "Mirrrnosch" die ersten Runden in fester Position drehte. Und sein erstes Tor gegen den SV Vestia Disteln schoss, wobei es zu einem traumatischen Zusammenstoß kam: "Mir wurde schwarz vor Augen. Aber ich war nicht tot - ich war ja erst zehn." Dembowskis bitteres Fazit: "Erfolg bedeutet für mich immer Bedrohung." Besonders deutlich wurde diese Bedrohung 2006, bei einer Lesung vor "rund 600 besoffenen Fans. Denen passte etwas nicht. Wenig später saß so ein Zwei-Meter-Anabolika-Hüne auf mir drauf und wollte mich verdreschen." Frei nach seinem Country-Idol Kinky Friedman, bemerkte Dembowski: "Deutschland ist mein zweit-liebstes Land." Der Widersacher fragte nach dem ersten und Dembowski antwortete: "Na alle anderen".

Ständiges Ideal des damals 13-jährigen Fußball-Narren war der argentinische Spieler Diego Maradona. "Er war mein Held. Wenn ich über einer Matheklausur saß, fielen mir meistens nicht die Formeln ein, sondern wie Maradona irgendeinen Fallrückzieher machte. Das hat mir dann auch nicht geholfen." Seit dem Auftritt des Argentiniers bei der Weltmeisterschaft 2006 ("Dieser unförmige Typ soll Maradona sein?") mutmaßt Dembowski, dass selbiger vom britischen Geheimdienst ausgetauscht wurde.

Dembowski wirft noch den ganzen Abend um sich, mit wütenden, komischen und nachdenklichen Zeilen, Liedern und Gedanken. Mit dem charmanten Gauner-Lächeln und der Eigenart, ganz oft ganz weit abzuschweifen, punktet er bei seinen Zuhörern. Man fragt sich, ob das Buch da alleine mithalten kann. Neugierig macht uns der 36-Jährige aber auf jeden Fall.

Von Jens Artschwager

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