JVA-Häftling soll Mitinsassen eingesperrt haben

Knast im Knast? So liest sich zumindest die Anklage, die am Freitag im Amtsgericht verhandelt wurde. Einem ehemaligen Insassen der JVA Meisenhof in Castrop-Rauxel wird vorgeworfen, in seiner Zelle einen Mithäftling eingeschlossen zu haben. Auch zu sexuellen Übergriffen soll es gekommen sein.

CASTROP-RAUXEL.. Der Angeklagte, inzwischen auf freiem Fuß, hatte zu dem Anzeigenerstatter ein gutes Verhältnis, wie er schildert. Er habe den jungen Kollegen im Sommer 2013 unter seine Fittiche genommen, ihn mit Kaffee und Tabak versorgt, zu TV-Stunden eingeladen. In seine Einzelzelle. Und die soll er, wenn er zum Beispiel in die Küche zum Kaffeeholen ging, von außen abgeschlossen haben.

"Ich habe abgeschlossen, wenn wir in meiner Stube waren. Denn wir haben geraucht, und das war verboten", so der Angeklagte. Doch wenn er mal eben in die Gemeinschaftsküche gegangen sei, habe er nicht abgeschlossen.Und wenn doch? Wäre das überhaupt Freiheitsberaubung? Um das zu klären, ließ sich der Strafrichter die örtlichen Gegebenheiten detailliert schildern, vom Angeklagten wie von den Zeugen. Da es sich um ein Haus des offenen Vollzugs handelt, sind die Fenster nicht vergittert. Weil die Stube des Angeklagten zudem im Erdgeschoss lag, wäre die davor liegende Wiese unschwer und ungefährlich zu erreichen gewesen.

Möglicherweise gab es sexuelle Übergriffe

Was bislang aber nur andeutungsweise zur Sprache kam, waren mögliche sexuelle Übergriffe. Während der Angeklagte auf Nachfrage zugab, mit dem befreundeten Mithäftling auch mal Pornos geguckt zu haben, äußerte sich ein Zeuge, der zu jener Zeit auf demselben Flur einsaß, entschieden deutlicher.Weil der junge Kollege so verschreckt erschienen sei, habe er ihn aufgefordert, mit der Sprache rauszurücken. "Das hat mich alles angewidert", kommentierte er die angeblichen Geschehnisse hinter verschlossenen Türen. Mit dem Wissen sei er gleich zur Bereichsleiterin. Die Folgen: Der Angeklagte wurde in den "Bunker" - den geschlossenen Vollzug - verlegt, das angebliche Opfer wurde entlassen. Es war zufällig der letzte Tag in Haft.

Das mögliche Opfer ist am Freitag nicht vor Gericht erschienen. Der Prozess wird fortgesetzt.