In Castrop-Rauxel schmilzt weiter der Asphalt

Ungeachtet des heftigen Gewitters in der Nacht zu Freitag hat Superhoch „Annelie“ seine 35-Grad-Sommertournee auch in Castrop-Rauxel fortgesetzt. Dabei verschärften sich am Freitag die Probleme: Weiterhin schmilzte an mehreren Stellen der Asphalt auf der Straße.

Castrop-rauxel.. EUV-Chef Michael Werner schloss am Abend Straßenabsperrungen am Wochenende wie bereits in Lünen geschehen nicht aus. "So weit gehe ich bislang noch nicht, versuche alles mit Bordmitteln zu regeln", meinte er am Freitagnachmittag.

Cottenburgstraße bleibt Problem Nummer ein

Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings einige Abschnitte schon wieder richtig weich gekocht. Problemstraße Nummer eins ist und bleibt die Cottenburgstraße, die trotz dicker Splittabdeckung am Donnerstagabend durch den EUV auch Freitag wieder Aufweichungserscheinungen aufwies. "Polizei, Ordnungsamt und mein Bereitschaftsdienst haben auf alles ein Auge", versicherte Werner.

Allerdings sieht auch die zuvor bereits wiederholt bemängelte Grutholzstraße mittlerweile so schlimm aus wie nie zuvor, wie unser Leser Jürgen Vogt berichtete. Auf der Straße seien "kuchentellergroße Flächen" entstanden, von denen sich auf einigen flüssiger Asphalt gebildet habe. Fahrzeuge rissen ständig Stücke aus dem Asphalt.

Problem beim Unternehmen?

Gleichzeitig kündigte EUV-Chef Werner an, sich mit den Nachbarstädten Recklinghausen und Waltrop zusammen zu setzen, wo sich auf den Straßen die gleichen Phänomene zeigten. Sie sind von ein und demselben Unternehmen bearbeitet worden.

Unterdessen widersprach der ehemalige ASG-Mathematik- und Physiklehrer Rainer Brüning der Theorie Werners, dass bei der derzeitigen Hitze sämtliche Straßen weicher würden. "Das kleine Stück Kreuzstraße vom Bookenweg zur Bochumer Straße ist seinerzeit nicht neu gemacht worden und dort ist ebenso nichts geschmolzen wie auf der gesamten Bochumer Straße", argumentierte er. "Das liegt eindeutig an dem aufgetragenen Zeug, das ist nicht wärmebeständig", erklärte Brüning.

Asphalt ist unterschiedlich

ADAC-Sprecher Peter Meintz zählt hingegen viele Gründe auf, weswegen der Asphalt sich mancherorts in Pudding verwandelt - und an anderer Stelle nicht. "Es gibt nicht den Asphalt. Die Mischungen können massiv voneinander abweichen, je nachdem welche Aufgaben die Straße erfüllen soll."

  • Ist die Straße für ein hohes oder niedriges Verkehrsaufkommen geplant?
  • Wie ist der Untergrund, auf dem die Straße errichtet wird?
  • Soll sie ewig halten oder bekommt sie eine Verschleißdecke, die regelmäßig erneuert wird?

Und dann komme noch der Faktor menschliches Versagen hinzu, sagt Meintz. "Manchmal wird der Asphalt eben nicht richtig angemischt. Es gibt Verarbeitungsfehler, Einbaufehler... Oder Pfusch: Manche Firmen sparen bei der Mischung, in der Hoffnung das es nicht auffällt."

Die Vermutung, die einige Bürger momentan mit Blick auf die klamme Kasse ihrer Stadt hegen, dass Kommunen absichtlich Billig-Asphalt einkaufen, weist Meintz zurück. "Das ist reine Spekulation." Allerdings gebe es natürlich den Zusammenhang, dass alte Straßen, die aus Kostengründen lange nicht saniert worden sind, eher der Hitze zum Opfer fallen als neue.

Wo haben Sie eine geschmolzene Straße gesehen?