Das aktuelle Wetter Castrop-Rauxel 9°C
Serie: Castroper Köpfe

„Ich war mit Leib und Seele Pfadfinder“

12.01.2012 | 18:39 Uhr
„Ich war mit Leib und Seele Pfadfinder“
Das Castrop-Rauxeler Urgestein Heinrich Opalka. Foto: Thomas Gödde

Castrop-Rauxel.   Heinrich Opalka gründete Anfang der 50er Jahre den DPSG Stamm Sankt Lambertus mit . Der Obercastroper war fasziniert von den Leitgedanken der Bewegung und blickt zurück.

„Das eigentliche Glück findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht“ Dieser Satz stammt von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung. Er könnte aber ohne Frage auch von Heinrich Opalka stammen, dem Obercastroper, der vielen Europastädtern ein Begriff sein dürfte. Schließlich verbindet Heinrich Opalka eine Menge mit dem Urvater der Pfadfinderbewegung. Auf eine Art ist auch Heinrich Opalka ein Urvater der Pfadfinderbewegung – zumindest in Castrop-Rauxel. Auch wenn er das gar nicht gerne hört und sagt: „Ich wollte doch nur Pfadfinder werden.“ Da es aber damals – Anfang der 50er Jahre – noch keinen Stamm in Castrop-Rauxel gab, gründete er kurzerhand einen solchen gemeinsam mit Gleichgesinnten: den DPSG Stamm Sankt Lambertus.

Heinrich Opalka weiß viel zu berichten aus seinem Leben als Pfadfinder und Korfball-Spieler. Foto: Thomas Gödde

Der Krieg ist gerade wenige Jahre zu Ende, Heinrich Opalka knapp 20 Jahre alt, in der Kirchengemeinde leitet er schon lange Jugendgruppen, als er bei einem Zeltlager, das er mit seiner Gruppe besucht, einem Pfadfinderstamm begegnet. Noch heute leuchten seine Augen, wenn er davon erzählt: „Die waren viel besser organisiert als wir und haben etwa ihr Lager besser aufgebaut.“

Schnell war klar: Das wollte Heinrich Opalka auch. „Natur, Länderkunde, Kulturgeschichte, heimatlich Bedeutendes – all das wurde bei den Pfadfindern vermittelt“, schwärmt der mittlerweile 80-Jährige noch immer. Hinzu kam die Gemeinschaft und der Leitgedanke, sich sozial zu engagieren. So leisteten beispielsweise die Rover, die über 18-jährigen Pfadfinder, nach der Stammgründung in Castrop jeden Sonntag freiwillig Dienst im St. Rochus-Hospital, bestückten regelmäßig den Fronleichnamsaltar auf dem alten Friedhof an der Bochumer Straße und bauten in der Gemeinde die Krippe auf.

Erstbesuch 1953

Nicht minder wichtig war den jungen Männern – denn Frauen waren damals in den Stämmen noch nicht zugelassen – das Erkunden anderer Länder und Kulturen. Schnell war der Kontakt zu französischen Pfadfindern geknüpft, die Städtepartnerschaft zu Vincennes kam dem Stamm dabei sehr zugute. Bereits im August 1953 besuchten die Franzosen Castrop-Rauxel, ein Jahr später erfolgte der Gegenbesuch. Sie bauten ihre Lager samt Zelten auf, ohne dabei Nägel zu verwenden, nur Seile kamen zum Einsatz – das war Ehrensache für die Pfadfinder – und erkundeten die Umgebung, halfen etwa bei Aufforstungen und lernten fast nebenbei die andere Kultur kennen. Und ganz gleich, wie klein das Dorf auch sein mochte, durch das die Castroper Pfadfinder in Frankreich kamen, sie mussten deutsche Lieder singen. „Meistens wurde ‘Stille Nacht’ gewünscht“, so Heinrich Opalka.

Doch das Reisen damals war für die jungen Männer ebenso spannend wie beschwerlich. Zumeist ging es zu Fuß oder aber auf dem Fahrrad durch die Welt – neben Frankreich lagen auch Holland und Belgien auf der Route. „Dabei hatten wir immer alles auf dem Buckel“, erzählt Heinrich Opalka. Zu den Höhepunkten seines Pfadfinderlebens, so erinnert sich der Obercastroper, zählt zweifelsohne die Reise nach England – genau dorthin, wo Gründervater Baden-Powell die erste Pfadfinderversammlung abgehalten hatte.

Heinrich Opalka besitzt das Pfadfinder-Handbuch von Baden-Powell im Original. Foto: Thomas Gödde

Ein wenig abgegriffen ist es schon, das grüne Bändchen mit dem zielstrebig und freundlich wirkenden jungen Mann darauf, das Heinrich Opalka in Händen hält und darin fast liebevoll blättert. Natürlich ist es ein Original und natürlich kennt er nahezu jede Seite darin, hat das Buch sicherlich mehr als einmal gelesen. Der Autor – keine Frage – ist Robert Baden-Powell, das Buch sein Klassiker „Scouting for Boys“.

1966 hat Heinrich Opalka das Halstuch abgelegt und seine aktive Pfadfinderzeit beendet – sein Leben hatte viele andere wichtige Impulse erfahren: Er hatte geheiratet, sein Abitur auf dem Abendgymnasium nachgeholt und war inzwischen Lehrer an der Wilhelmschule geworden, die er später viele Jahre leitete. Losgelassen hat ihn die Pfadfinderzeit aber nie. Heinrich Opalka, Vater von vier Kindern und Großvater von vier Enkeln, sagt: „Ich war mit Leib und Seele Pfadfinder, die Erfahrungen haben mich geprägt fürs ganze Leben.“

Seine zweite Leidenschaft: Korfball

Vielfältig verläuft das Leben von Heinrich Opalka, auf das er nun als 80-Jähriger zurückblickt. Neben der Gründung des ersten Pfadfinderstammes brachte er auch den Korfball nach Castrop-Rauxel. „Uns faszinierte an der Sportart“, so Opalka, „dass dabei Jungen und Mädchen zusammenspielen.“ Der Sport war, neben Familie und Schule, über Jahrzehnte wichtigstes Standbein des Obercastropers. Als Trainer führte er die Mannschaft von Adler Rauxel sogar ins Europacup-Endspiel. Da mussten sich die Castroper dann aber, nachdem sie bereits die Belgier besiegt hatten, gegen Holland geschlagen geben.

Katja Büchsenschütz

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6239725/create

Aktuelle Fotos und Videos
Swabedoo
Bildgalerie
Zumba
Bildgalerie
Karneval in Castrop
Bildgalerie
Aus dem Ressort
Mädchen bauen Nistkästen
Grundschule Alter Garten
In der Grundschule Alter Garten gibt es eine ganz besondere Holz-AG.
Westring gesperrt
Bombenentschärfung
Eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist bei Bauarbeiten auf dem Gelände eines ehemaligen Autohauses gefunden und erfolgreich entschärft worden. Eine Sache von wenigen Minuten für die Experten.