Hypotheken für den Arbeitsmarkt

Kreis Recklinghausen..  Große Sprünge sind 2015 auf dem regionalen Arbeitsmarkt nicht zu erwarten. Aber das ist eigentlich schon eine gute Nachricht, meint der Chef der Arbeitsagentur Recklinghausen, Dr. Dietmar Thönnes.

Denn auf dem Kreis Recklinghausen lasten Hypotheken. Dazu zählen 100 ehemalige Beschäftigte des Recklinghäuser Windel-Produzenten Ontex, für die noch kein neuer Arbeitsplatz gefunden wurde. Ontex hatte Mitte 2013 den Betrieb eingestellt. Darüber hinaus drängen 400 im Kreis RE lebende Beschäftigte des stillgelegten Bochumer Opel-Werkes auf den Arbeitsmarkt; ebenso wie mehr als hundert Bergleute, für die auf Auguste Victoria (AV) in Marl das letzte Jahr eingeläutet worden ist. „Wenigstens sind für 2015 keine weiteren Massenentlassungen angekündigt“, sagt Dietmar Thönnes.

2014 hat sich der Arbeitsmarkt im Vest durchaus in einer „guten Verfassung“ gezeigt, so die Bilanz der Arbeitsagentur. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag mit 11,0 Prozent um 0,1 Punkte unter dem Vorjahreswert. 2015 rechnet die Agentur mit einer ähnlichen Entwicklung.

Die gute wirtschaftliche Lage habe sich positiv auf die Beschäftigung im Kreis RE ausgewirkt, betont Agenturchef Thönnes. In den zurückliegenden sieben Jahren stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze von unter 140 000 auf über 154 000 (plus 10,6 Prozent). Beschäftigungszuwachs gab es vor allem im Dienstleistungssektor sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Der gewerblich-technische Bereich, der für eine hohe Wertschöpfung steht, konnte nicht zulegen. Genau das ist nach Einschätzung von Dietmar Thönnes auch das Problem der Region. „Diese Arbeitsplätze fehlen, um Opel-Mitarbeitern und Bergleuten angemessene Angebote zu machen.“

Hoher Fachkräftebedarf besteht hingegen im Gesundheits- und Sozialwesen. Fast 400 offene Stellen aus diesem Bereich hat die Arbeitsagentur aktuell im Bestand. „Es gibt keinen Kreis mit so vielen Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten“, sagt Dietmar Thönnes. Doch für diese Berufe, räumt der Leiter der Arbeitsagentur ein, müsse man „geboren“ sein. Sie sind psychisch und körperlich belastend, erfordern die Bereitschaft zu Schichtdienst und sind obendrein oft noch schlecht bezahlt.

Die Arbeitsagentur versucht der Nachfrage nach Fachkräften auch mit Umschulungen gerecht zu werden. Doch Dietmar Thönnes glaubt nicht, mit diesem Angebot Opelaner und Bergleute begeistern zu können. Foto: thomas nowaczyk