Hinhören statt weghören
07.03.2010 | 15:45 Uhr 2010-03-07T15:45:00+0100
Die 21. Frauenkulturtage sind eröffnet. Die Gleichstellungsbeauftragte Ingegard Pier und Bürgermeister Johannes Beisenherz gaben am Samstagabend den Startschuss für die bisher umfangreichste Veranstaltungsreihe. Gut 40 Besucher wohnten dem Auftakt in der Stadtbibliothek bei.
„Das Motto ,Vom Weghören wird die Welt nicht besser' zielt auf eine bestimmte Haltung ab”, erklärte Bürgermeister Johannes Beisenherz in seinen Rede. „Wie begegne ich meinen Mitmenschen, wie begegne ich Problemen und wie begegne ich Ungerechtigkeiten?”, seien die zentralen Fragen. Es solle mahnen, aufrütteln, den Finger in Jahrhunderte alte Wunden legen.
Nach wie vor nämlich klaffe eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, was die Gleichberechtigung von Frauen in unserer Gesellschaft anbelange, so Beisenherz. Nur sieben Prozent seien in politischen Gremien vertreten, nur drei Prozent seien in der Wirtschaft in Führungspositionen zu finden, nannte er daraufhin Statistiken. „Frauen sind auf den Sprossen der Karriereleiter immer noch unterrepräsentiert”, erklärte Beisenherz. „Von einer völligen Gleichberechtigung sind wir noch sehr weit entfernt.” Und eben darauf sollen die Kulturtage hinweisen, sollen Augen und Ohren öffnen für die bestehende Ungerechtigkeit.
Hinhören, nicht weghören: Etwas anderes war beim musikalisch-gesellschaftskritischen Programmpunkt der Auftaktveranstaltung auch gar nicht möglich. „Ana & Anda”, ein Duo aus Karlsruhe, begeisterte die Gäste mit einer ungewöhnlichen Darbietung, bei der wahrlich alle aufhorchten. Die sozial engagierten Musikerinnen thematisierten die Stellung der Frau auf sehr eigene Art und Weise. Konventionell ist jedenfalls anders: Sie ließen experimentelle Perkussionsklänge ertönen, überzeichneten das Frauenbild der Gesellschaft, sangen bissige Texte in einem Staccato-Chansons-Stil.
„Ich hatte während der Aufführung schon etwas Bauchgrummeln”, gestand Ingegard Pier einen Tag später beim Frauenfrühstück im Bürgerhaus. Ihre Bedenken aber sollten sich als unbegründet erweisen. „Die Besucher waren begeistert”, freute sie sich über eine positive Resonanz. „Und außerdem”, so fügte die Gleichstellungsbeauftragte schmunzelnd hinzu, „muss man ja nach 21 Jahren auch mal etwas Neues wagen, sonst wird es langweilig.”
Ähnlich gute Unterhaltung bot gestern dann auch das Frühstück im Bürgerhaus, bei dem Holke Molloisch gestenreich aus seinem Buch vorlas. „Die Veranstaltung heute soll dem Frauenhaus zu Gute kommen”, betonte Pier und wies auf eine große Spendendose. „Das Geld soll dem Erhalt dienen”, sagte sie. „Leider ist eine solche Einrichtung immer noch erforderlich.” Auch das sei ein Zeichen mangelnder Gleichberechtigung.
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