Hinaus in die Natur

Foto: Kindergarten Nachtigallweg, Eiserfeld
die Kinder „halten sich bei jedem Wetter draußen auf, spielen mit Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum“.

Castrop-Rauxel..  Der Natur- und Begegnungsbauernhof (NaBeBa) in Ickern-End plant einen Wald- und Naturkindergarten. 20 Kinder „halten sich bei jedem Wetter draußen auf, spielen mit Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum.“ So heißt es in einem Schreiben, mit dem sich NaBeba-Bäuerin Dorothee Zijp jetzt an „alle jungen Familien“ wendet. Ob der Kindergarten eine Chance bekommt, prüft jetzt das Jugendamt.

Vor neun Jahren wurde der Bauernhof am Rapensweg in Ickern-End, wenn auch auf Waltroper Stadtgebiet, gegründet, drei Jahre später entwickelte sich daraus der inzwischen mehrfach ausgezeichnete Trägerverein. Ähnlich lange denke das Team der NaBeBa-Naturwerkstatt schon über die Gründung des Kindergartens nach, berichtete Dorothee Zijp jetzt im Betriebsausschuss 2. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen: „Die Eltern sind schon Feuer und Flamme.“

Das Gelände sei inzwischen „ansprechbar“ hergerichtet, es gebe Platz für Zelte oder Jurten, die den Waldkindern als Basisstation dienen könnten, und gut ausgebildetes Personal wäre auch vorhanden. Außerdem würde die Agora einen Raum „für den Notfall, bei Unwetter“ zur Verfügung stellen.

Erfahrungen auf der Öko-Insel

Sozialdezernentin Petra Glöß hielt sich im Ausschuss mit der Bewertung noch zurück. Erst werde der Bedarf ermittelt, dann – gemeinsam mit der Stadt Waltrop – über die Finanzierung nachgedacht. Aber, das bestätigt auch sie: „Solche Projekte sind immer überlaufen.“

Erfahrungen mit einem Naturkindergarten hat Ende der 90er Jahre bereits Renate Hausmann-Boltner (56) gemacht. Nach ersten Anfängen in der Agora gründete sie 1998 den Kindergarten auf der Öko-Insel in Frohlinde. Bedenken, dass der stundenlange Aufenthalt in der Natur die Kinder überfordere, kann sie nach ihren Erfahrungen nicht teilen: „Die Kinder halten das supergut aus. Wenn man einen Unterschlupf wie z. B. einen Bauwagen hat, dann schaffen sie das locker.“

Bedenken hat Renate Hausmann-Boltner, selbst Mutter von vier Kindern, eher, wenn sie an die Erwachsenen denkt. „Man braucht gutes Personal, das Naturpädagogik leben kann. Das alles muss Hand und Fuß haben, dann kann man durch die Natur bei den Kindern viel fördern.“

Die bis zu 25 Mädchen und Jungen, mit denen sie vor 16 Jahren durch Feld, Wald und Wiese rund um den Golfplatz gestromert ist, sind inzwischen erwachsen. „Damals gab es auch Stimmen, ob die Kinder bei uns für die Schule genügend lernen. Doch ich habe jetzt Mütter von damals getroffen, die schwärmen, wie unglaublich viel ihre Kinder an Neugierde und Kreativität aus der Waldkindergartengruppe mitgebracht haben.“