Herrenlose Fahrräder kamen unter den Hammer

Mehr als 100 Fahrräder haben am Samstag an der Rampe des WLT in Castrop-Rauxel den Besitzer gewechselt - und so manch ein Besucher der Auktion des Fundbüros hat ein echtes Schnäppchen gemacht. Für schlappe 3 Euro hat der eine oder andere Käufer einen neuen, alten Drahtesel erstanden. Überraschungen und Enttäuschungen inklusive.

Castrop-rauxel.. Pünktlich um 9 Uhr öffnete das Fundbüro das riesige Fahrradlager für eine erste Besichtigung vor der großen Versteigerung. Mehr als 100 Schnäppchenjäger nahmen die Drahtesel in Augenschein. Danach ging es Schlag auf Schlag. Teilweise sehr gut erhaltene, fast neue Räder wurden unter der Leitung von Michael Diehl, Ordnungsamt, versteigert.

Viele der älteren Fahrräder gingen für gerade mal 3 Euro über den Tisch. Aber auch hochwertige Modelle, wie ein Mountainbike der Marke Pegasus für 80 Euro, waren im Angebot. Letzteres hielt noch eine besondere Zugabe bereit: Dominik Nizak fand in der Satteltasche eine komplette Anglerausrüstung - inklusive Campingstuhl. Darauf nahm die zukünftige Mama Victoria Löwner Platz. Für ihr noch ungeborenes Baby hatte sie ein fast niegelnagelneues Minifahrrad für 57 Euro ersteigert.

Besser im Fundbüro nachfragen

Wie es kommt, dass so unglaublich viele Fahrräder beim Fundbüro abgegeben werden, hatte Mitorganisatorin Kirsten Albers auch keine plausible Erklärung. "Hier landet einfach alles, was im Wald, in der Stadt oder im Kanal gefunden wird", erklärte sie. "Auch die Polizei liefert regelmäßig Fahrräder bei uns ab", verriet sie. Dabei geht die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes nicht davon aus, dass alle Räder nur aus Castrop-Rauxel stammen. "Viele Räder werden auch in anderen Städten gestohlen, und landen dann bei uns", lautete ihre Vermutung. Darum rät sie auch Leuten, die ihr Fahrrad vermissen, immer auch bei den Fundbüros der benachbarten Städte nachzufragen.

Die letzte Fahrradauktion des Castroper Fundbüros fand 2011 statt. Seitdem wurden exakt 116 im Keller des Rathauses gelagert. Die Chance, ein günstiges Fahrrad zu erwerben nutzten die Käufer recht unterschiedlich. Während Ranko Primorac gleich elf Fahrräder zu einem günstigen Preis für seine Familie in Bosnien und Kroatien erwarb, zog das junge Pärchen Lukas und Huong ohne Beute wieder ab. "Ich wollte ein bestimmtes Fahrrad haben", sagte Huong ein bisschen enttäuscht. Aber der Preis dafür war ihr einfach zu hoch.

Die Einnahmen in Höhe von 2300 Euro nutzt das Ordnungsamt für die Miete des circa 80 Quadratmeter großen Fahrradkellers.