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Interview

Helfer durften bei Loveparade nicht helfen

31.07.2010 | 11:00 Uhr
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Helfer durften bei Loveparade nicht helfen
Am Donnerstag 29.07.2010 findet am Rathaus in Duisburg eine Demonstration wegen der Katastrophe bei der Loveparade mit 21 Toten statt. Foto: Friedhelm Geinowski WAZ/FotoPool

Castrop-Rauxel. Einsatzkräfte forderten wegen der Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg dringend Hilfe an, doch Spezialisten wie Peter Frank waren zum Warten verurteilt. Im Interview schildert der Feuerwehmann seine Erlebnisse.

Die Katastrophe auf der Loveparade hat auch Feuerwehrmann Peter Frank, Spezialist, um Betroffenen und Einsatzkräften bei Extremeinsätzen zu helfen, auf den Plan gerufen. Redakteurin Eva Arndt sprach mit ihm.

Frage: In welchen Situationen werden Sie eingesetzt?

Peter Frank: Wir sind eine Gruppe von insgesamt elf Feuerwehrleuten in Gladbeck, die sich weitergebildet haben, die sogenannte PSU-Gruppe, die psychosoziale Unterstützung gibt. Wir haben in vielen speziellen Seminaren den Umgang mit Tod und Sterben gelernt, sind schon nach dem Tsunami eingesetzt worden, wenn man Todesnachrichten überbringen muss. Wir helfen Betroffenen und Einsatzkräften, wenn sie Bilder gesehen haben, die nicht alltäglich sind. Diese Aufgabe ist mein zweites Leben geworden.

Arbeiten Sie so wie Therapeuten?

Nein, wir sind keine Therapeuten, machen aber manchmal auch Akutbetreuung. Als vor einigen Monaten in Dorsten mitten in der Innenstadt eine Frau erstochen wurde, zwei Kinder und andere Frauen aus der Gruppe die Tat mit ansehen mussten, waren wir schnell zur Stelle, waren Ansprechpartner.

In welcher Situation waren Sie, als Sie von der Massenpanik bei der Loveparade erfuhren?

Es war ein herrlicher Sommertag – dieser 24. Juli 2010. Ich hab’ mir mit meiner Frau einen schönen Tag in Xanten gemacht, wir haben Erdbeerkuchen gegessen, als ein Kollege von der Mülheimer Feuerwehr anrief und sagte: halte Dich und Deine Leute bereit, Du bekommst gleichen einen Alarm. Auf der Loveparade ist irgendwas passiert.

Kommentar
Unfassbar

Von Eva Arndt

Die Weltmeister im Organisieren, die Deutschen, auf der Loveparade haben sie jämmerlich versagt. Gründe und Ursachen, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten – alles muss geklärt werden. Es war das Gegenteil von verantwortlichem Handeln.

In früheren Jahren wurde immer beklagt, dass die Helfer bei kleinen und großen Katastrophen überhaupt keine psychosoziale Ausbildung haben. Dass sie vor plötzlich auftretenden schlimmen Situationen ebenso fassungslos und hilflos dastehen wie die Opfer. Das hat sich in den letzten Jahren zum Glück geändert. Aber was nützen die best ausgebildeten Helfer, wenn keiner sie ruft, obwohl vor vor der Haustür die Katastrophe ihre Opfer fordert.

Von vielen Loveparade-Teilnehmern ist beklagt worden, dass sie über Stunden mit der Situation, die auch Erwachsene überfordert hat, völlig alleine gelassen worden sind. Viel zu wenige da, die trösten können, viel zu wenige da, die in dem Chaos mit Toten und Verletzten Halt geben, Trost zusprechen. Und dann sitzen sieben Spezialisten vor Ort und warten vergeblich auf ihren Einsatz. Unfassbar.

Zumindest das hat organisatorisch geklappt. Die von den Opfern dringend benötigten Fachleute respektierten die Hierarchien. Das ist keine Kritik an denen, die helfen wollten, sondern an denen, die sie nicht ließen.

Wieviele sind denn wie Sie in dieser Region für solche Schreckensfälle ausgebildet?

In NRW sind wir von der Ausbildung her ganz weit vorne. Wir haben ein Netzwerk von 60 bis 70 Einsatzkräften mit Spezialausbildung.

Wann sind Sie denn in Duisburg eingetroffen?

Sehr spät. Erst gegen 19.45 Uhr lief der Alarm bei uns ein. Die Gelsenkirchener Kollegen waren schon vor Ort. Wir sind dann mit sechs Leuten und einer Seelsorgerin losgefahren und an eine Wache in Duisburg dirigiert worden, die in einem völlig anderen Stadtteil lag als der Schadensort. Es war ein ganz unwirkliches Szenario. In der ganzen Stadt waren Polizeiwagen mit Blaulicht, dazwischen liefen tausende traumatisierte Jugendliche herum, die zum Teil ziemlich alkoholisiert waren.

Wie ging es dann weiter?

Wir haben gewartet und gewartet. Irgendwann kam dann ein Alarmanruf von den Maltesern, wir sollten dringend kommen und helfen, die Einsatzkräfte seien völlig am Ende. Wir sollten mit Alarm und Blaulicht fahren. Auf dem Weg kam ein erneuter Anruf, wir sollten uns beeilen, wir würden dringend gebraucht.

Dann sind Sie also zur Loveparade gefahren?

Nein. Wir hatten die Anweisung, uns zu der Sammelstelle der Malteser in Duisburg-Meiderich zu begeben. Sie waren in einer Jugendherberge untergebracht.

Was haben Sie da gemacht?

Eine Banane gegessen, gewartet und gewartet.

Sind Sie etwa nicht zum Einsatz gekommen?

Nein. Überhaupt nicht. Es herrschte die perfekte Handlungsunfähigkeit. So etwas darf nie wieder geschehen.

DerWesten

Kommentare
01.08.2010
12:22
Helfer durften bei Loveparade nicht helfen
von Herold Schincke | #3

Zu Kommentar 1 von Katastrophenschützer , am 31.07.2010 um 17:25

Der Kriesenstab saß im Duisburger Rathaus.

Und die haben NICHTS richtig gemacht !!!

Daer Leiter ist übrigens der Tünnes im Fernsehen mit der gelben Hose und dem gelben Brillengestell. Nach seinen Aussagen sind die Teilnehmer ja selbst Schuld. Sie sind geklettert !!!
..
.

01.08.2010
11:05
Helfer durften bei Loveparade nicht helfen
von Nenene | #2

Liest sich sowieso wie ein Grundschulaufsatz.

Es war ein herrlicher Sommertag – dieser 24. Juli 2010. Ich hab’ mir mit meiner Frau einen schönen Tag in Xanten gemacht, wir haben Erdbeerkuchen gegessen, als ein Kollege.....

Eine Banane gegessen, gewartet und gewartet

Sind Sie etwa nicht zum Einsatz gekommen?

Nein. Überhaupt nicht. Es herrschte die perfekte Handlungsunfähigkeit. So etwas darf nie wieder geschehen.


Kamerad Du hast Deine Aufgabe wirklich nicht verstanden.
Aber hauptsache mal in die Zeitung.

Ich schließe mich 1 an.

31.07.2010
17:25
Helfer durften bei Loveparade nicht helfen
von Katastrophenschützer | #1

Alle Welt spricht von einer Katastrophe. Dann war da wohl auch der Katastrophenschutz notwendig. Es ist doch das größte taktische Mittel des Katastrophenschutzes personelle und materielle Reserven zu bilden. Wenn die Einsatzleitung es im Katatrophenschutz richtig macht, dann hat ca. 70% des alarmierten Personals nur eine Aufgabe: Sich für einen Einsatz bereit zu halten. Das bedeutet, dass die Einsatzkräfte sich in Bereitstellungsräumen aufhalten und von dort aus wieder nach Hause fahren. Das ist auch Hilfe. Das Problem ist, dass das noch nicht alle Einsatzkräfte verstanden haben.

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